Fahrradkurs für jugendliche Flüchtlinge

Fahrradkurs mit Flüchtlingen

Rolf Braun vom ADFC Saar und Lehrer der Fahrradschule Pro Velo im gelben Trikot mit einigen der betreuten Flüchtlinge der Wohngruppe

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lernen die Feinheiten des Radfahrens.

„Vorsicht, Fahrradfahrer auf der Autobahn.“ Solche Verkehrsmeldungen kann man des Öfteren im Radio hören. Die MitarbeiterInnen der Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) des SOS-Kinderdorfs Saarbrücken zucken dann schon mal zusammen und fragen sich berechtigterweise ob es nicht auch mal einer ihrer Schützlinge sein könnte. „Die Jungs aus Afghanistan können oft nicht richtig Rad fahren und die Verkehrsregeln sind ihnen auch weitgehend unvertraut. Da könnte sowas schon mal drin sein und in Saarbrücken ist man irgendwie immer in der Nähe einer Autobahn, schließlich beginnen hier vier Autobahnen“, sagt Dennis Müller. Er ist Erzieher in der Wohngruppe und kümmert sich um die Koordination der Teambelange.

Nachdem mal wieder eine Meldung in den Hörfunknachrichten verbreitet wurde, dass eine Gruppe Flüchtlinge auf Fahrrädern durch die Polizei von der Stadtautobahn auf den parallel verlaufenden Radweg gebracht wurde, handelte das Team. Dennis Müller nahm Kontakt zum ADFC auf, der auch das Projekt ‚Fahrräder für Flüchtlinge‘ ins Leben gerufen hatte, welches im Mai 2015 mit dem deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet wurde.

Eine großartige Kooperation

Wenige Tage nach der Anfrage meldete sich Rolf Braun, aktives Mitglied des ADFC Saar und Lehrer der Fahrradschule Pro Velo in Saarbrücken. Zusammen mit dem ADFC Vorsitzenden Thomas Fläschner gelang schnell und unbürokratisch die Finanzierung. „Es war ein ambitioniertes Ziel unseren Jungs an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Verkehrsregeln zu vermittelt und anschließend durch eine Stadtfahrt auf Fahrrädern auch praktisch zu üben“, meint Kerstin Kiefer. Sie ist ebenfalls Erzieherin in der Wohngruppe.
Vor der Schulung musste aber noch der Erzieher-Kollege René Rüsbüldt ran, der aufgrund seiner langjährigen Monteurkünste von seinen Kolleg/innen augenzwinkernd auch schon mal als „Fahrradflüsterer“ angesprochen wird. Aber auch die neue Kollegin Melanie Lauer konstatiert: „Einen Fahrradschlauch zu wechseln oder eine Bremse einzustellen sind für mich lösbare Aufgaben.“ So gab es dann gleich zwei fachkundige Spezialisten, die gemeinsam mit den Jugendlichen die Räder der Wohngruppe wieder auf Vordermann brachten. Ende Juni fand der erste Kurs mit Rolf Braun statt. Er holte die Lernenden auf Ihren Rädern direkt an der Wohngruppe ab und eskortierte diese zusammen auf den Platz der Jugendverkehrsschule Saarbrücken. „Um im Zweifelsfall auch Fragen korrekt zu beantworten, was bei so einer Sache vielleicht einmal lebenswichtig sein kann, haben wir unseren Dolmetscher Asgar Abbaszadeh für diesen Tag hinzugezogen.“ Und Rüsbüldt erzählt weiter, dass die Jungs nach der theo-retischen Unterweisung mit vielen Fragen und Beispielen, bei den Fahrten auf dem Übungsgelände, uns spä-ter auf der Straße eindrucksvoll ihren Lerngewinn unter Beweis stellten.
„Jetzt wissen wir, wie wir Radwege erkennen und wie wir uns auf dem Rad zu verhalten haben“, resümiert Mohammad in gebrochenen Deutsch. Er ist erst seit kurzem in der Gruppe und hat das Radfahren erst vor ein paar Wochen erlernt. „Bei uns Zuhause gibt es nicht so viele Regeln und man darf auch auf der Autobahn fahren. Jetzt weiß ich, dass es hier anders ist. Vielen Dank“, sagte er händeschüttelnd seinem Trainer, der die Gruppe am späten Nachmittag wieder wohlbehalten in der Kaiserslautererstraße entließ. In den Sommerferien ist ein Auffrischungskurs geplant. Das wird sicher den Lernerfolg nachhaltig befördern und jede Menge Spaß wird es auch geben.

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