Ohne Deutsch kommt ihr nicht weiter

Kinder der SOS-Nachmittagsbetreuung in Merzig

Kahdije Fakih betreut seit Anfang November eine Gruppe syrischer Flüchtlingskinder in der Hausaufgabenbetreuung der Erweiterten Realschule in Merzig. Kahdije Fakih ist gebürtige Libanesin und selbst ein Einwandererkind. Sie weiß, wovon sie spricht.

Khadije betreut Flüchtlingskimder Bild vergrößern

Mit viel Energie und Lebensfreude kümmert sich Khadije Fakih um die syrischen Flüchtlingskinder in der SOS-Nachmittagsbetreuung.

Kahdije war etwa fünf Jahre alt als ihre Eltern mit ihr wegen des Bürgerkriegs aus dem Libanon nach Deutschland flohen. Sie ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen, hier in den Kindergarten und in die Schule gegangen. Als sie mit der Schule fertig war, machte sie erst einmal ein Praktikum im Krankenhaus mit dem Ziel, Hebamme zu werden. Aber oft spielt das Leben anders als man erwartet, und die junge Frau wurde schwanger. Ihre Tochter war noch ganz klein, als sie begann, im Mehrgenerationenhaus des SOS-Kinderdorfs Saar in Merzig mitzuarbeiten. Dabei lernte sie alle Bereiche kennen, sie arbeitete als Haushaltshelferin, in der Altenpflege und in der Kinderbetreuung. Diesem Job im Mehrgenerationenhaus ist Kahdije Fakih bis heute treu geblieben, denn „ich mag die Atmosphäre dort und die Arbeit mit Kindern.“

SOS-Kinderdorf hilft Flüchtlingen

Wegen der zunehmenden Flüchtlingszahlen haben auch das SOS-Kinderdorf Saar und seine angegliederten Einrichtungen ihr Angebot für Flüchtlinge erweitert. Mittlerweile leben zwei syrische Flüchtlingsfamilien in Häusern des SOS-Kinderdorfs sowie acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Einrichtungsleiter Joachim Selzer erinnerte sich an seine arabische Mitarbeiterin Kahdije Fakih und bat sie, für die Neuankömmlinge, die kein Wort Deutsch konnten, zu übersetzen.
Seitdem ist die junge, arabisch sprechende Frau für die Neuankömmlinge aus Syrien eine der wichtigsten Ansprechpartnerinnen im SOS-Kinderdorf. Sie, die seit 1999 eingebürgert ist, kann vermitteln, wenn es Fragen gibt, sie begleitet die Familien bei Behördengängen und übersetzt bei Arztbesuchen. Für Kahdije ein ganz neuer Aufgabenbereich, aber einer den sie gerne übernimmt: „Ich sehe, wie alleine und wie ängstlich die Familien hier in Deutschland ankommen, da helfe ich sehr gerne.“

Den Schulstart erleichtern

Zwei syrische Jungs der Nachmittagsbetreeung Bild vergrößern

Die beiden sind glücklich, dass Kadhije Fakih ihnen beim Lernen hilft.

Und auch in der SOS-Nachmittagsbetreuung der Gemeinschaftsschule Merzig wird die Hilfe von Kahdije dringend benötigt. Seit Anfang des Monats kümmert sie sich nach der Schule um acht syrische Mädchen und Jungen zwischen zehn und fünfzehn Jahren, die mit ihren Eltern vor kurzem nach Deutschland kamen. Wie für alle Kinder besteht auch für sie Schulpflicht und so sitzen sie vormittags im Unterricht, wo sie so gut wie kein Wort verstehen. Es liegt an Kahdije, mit ihnen nachmittags den Lernstoff nachzubereiten, bzw. in manchen Fällen erst zu vermitteln. „Ich spreche Deutsch mit ihnen, damit sie die Sprache lernen. Nur wenn sie etwas nicht verstehen, erkläre ich es ihnen auf Arabisch. Mir ist wichtig, dass sie die Erklärungen der Lehrer immer besser verstehen und gut im Unterricht mitkommen.“ Nach den Hausaufgaben können die Neuankömmlinge zusammen mit den anderen Kindern der Nachmittagsbetreuung  spielen. Dabei ergeben sich ganz von alleine neue Kontakte und die deutsche Sprache dient der gemeinsamen Verständigung.

Kinder spielen Tischtennis Bild vergrößern

Nach dem Lernen können sich die Kinder austoben.

Nach der Arbeit in der Gemeinschaftsschule geht für die vierfache Mama ihre private Kinderbetreuung weiter. Während ihre beiden älteren Kinder oft länger Unterricht haben und danach selbständig nach Hause gehen, holt sie ihre beiden jüngsten von deren Betreuung ab. Kahdjie erzählt, dass „meine Mutter es zwar komisch findet, dass ich die Kinder anderer betreue, während meine eigenen in ihren Einrichtungen sind, aber mir und den Kindern tut das gut, denn sie bekommen dort wieder andere Regeln mit und können ihren eigenen Freundeskreis aufbauen.“ Für ihre 15-jährige Tochter und ihren 13-jährigen Sohn, die zweisprachig aufwachsen, hat sie ihren Motivationsspruch übrigens schon erweitert: „Ihr müsst einen Beruf lernen, sonst kommt ihr nicht weiter!“ Gleiches sollte ihrer Meinung nach auch für die Flüchtlinge gelten, die neu nach Deutschland kommen. „Neben einem Dach über dem Kopf, ist die Möglichkeit hier arbeiten zu dürfen, das Allerwichtigste für sie.“

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