Wenn eine Familie zerbricht

„Meine Mutter starb, da war sie 33 und ich 9“. Wie es ist, ohne Familie aufzuwachsen, erzählt Frau Kölbach-Arabu auf sehr eindringliche Weise. Bei einem Besuch im SOS-Kinderdorf Berlin beschreibt sie ihre Beweggründe, heute für SOS aktiv zu sein.

Im Interview: Gertrude Kölbach-Arabu

Frau Kölbach-Arabu unterstützt SOS-Kinderdorf in Berlin

"Es ist wichtig, Kindern Halt zu geben"

Als Jugendliche hat Spenderin Gertrude Kölbach-Arabu selbst in einem Heim gelebt. Das Engagement für SOS-Kinderdorf liegt ihr deshalb besonders am Herzen.

Wie sind Sie zu Ihrem Engagement für SOS-Kinderdorf gekommen?

Mein Mann und ich haben uns im Oktober 2005 eine Wohnung angesehen, ganz in der Nähe des SOS-Kinderdorfes in der Berliner Waldstraße. Als ich dann vor dem SOS-Kinderdorf stand, habe ich zu meinem Mann gesagt: „Ach weißt du, hier kann ich auch ehrenamtlich arbeiten.“ Daraufhin habe ich dort dann Qigong-Kurse für Kinder und Erwachsene gegeben. Das hat mir sehr viel Freude bereitet und ich bin dankbar dafür.

Sind Sie auch Spenderin für SOS-Kinderdorf?

Ich leite eine Übungsgruppe in der Qigong-Schule an, in der ich ehrenamtlich tätig bin. Jeder bezahlt für die Teilnahme einen Betrag, der ihm möglich ist. Alle paar Monate entscheiden wir dann gemeinsam, an wen das Geld weitergereicht wird. Und in den meisten Fällen geht es an Organisationen, die etwas für Kinder tun. So haben wir jetzt im Dezember das Geld an SOS-Kinderdorf gespendet.

Warum ist Ihnen das Engagement für SOS-Kinderdorf so wichtig?

Als Jugendliche habe ich selbst in einem Heim gelebt und erfahren, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die sich einem zuwenden. Vor allem, wenn Eltern diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können. Es ist wichtig, Kindern Halt zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie wertgeschätzt und geliebt werden.

Wie kam es, dass Sie ihre Jugend in einem Heim verbracht haben?

Das ist eine ziemlich komplizierte Familiengeschichte. Meine Mutter starb, als ich neun Jahre alt war. Meine ein Jahr jüngere Schwester wurde von der Großtante in Langen, mein Bruder – er ist fünf Jahre jünger – von meinen Großeltern mütterlicherseits in Egelsbach und ich von Vaters Mutter in Frankfurt aufgenommen. Als Großmutter für mehrere Wochen ins Krankenhaus musste, kam ich zur Großmutter nach Egelsbach und blieb dort. Unerwartet holte Vater uns drei zu Beginn meiner kaufmännischen Lehre am 1. April 1963 wieder zu sich. Schweren Herzens trennten wir uns von der Großmutter, den Großtanten. Mit uns drei Kindern war Vater jedoch völlig überfordert. Nach einem gewalttätigen Zornesausbruch war mir klar, dass ich nicht mehr bei ihm leben konnte. Eine Frau aus der Lehrfirma begleitete mich zum Jugendamt. Noch am gleichen Tag fand ich ein neues Zuhause im Mädchenwohnheim in Frankfurt-Sachsenhausen. Ich war erleichtert, fühlte mich geborgen und atmete auf. Den Erzieherinnen lag unser Wohlergehen, unsere Entwicklung sehr am Herzen. Jedes zweite Wochenende durfte ich meine Großmutter in Egelsbach besuchen, die mir in meinem Leben immer eine große Stütze war. Ja, beiden Großmüttern habe ich viel zu verdanken.
Nicht umsonst habe ich den Beruf der Psychotherapeutin gewählt – auch um meine eigene Lebensgeschichte besser verstehen zu können.

Was ist für Sie das Besondere an SOS-Kinderdorffamilien?

SOS-Kinderdorf versucht, das Bestmögliche für Kinder zu tun. Wenn die Kinder ins SOS-Kinderdorf einziehen, bleiben sie ja trotzdem in ihrem persönlichen Umfeld. Sie können weiterhin ihre Eltern sehen, in die gleiche Schule gehen und in vielen Fällen auch weiterhin mit ihren Geschwistern aufwachsen und bekommen neue Geschwister hinzu. Das gibt den Kindern Halt – und ist eben ein erweiterter Begriff von Familie. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Kinderdorfmütter und all den anderen Menschen, die im SOS-Kinderdorf arbeiten.

Was bedeutet Familie für Sie?

Familie ist für mich ein Begriff, der weiter und größer wurde. Dazu gehören natürlich meine Angehörigen, aber auch meine Freunde von der Qigong-Schule und meine Nachbarn hier in Moabit. Familie bedeutet für mich, sich gegenseitig zu tolerieren und zu respektieren, mit Freude und Liebe einander zugewandt sein und sich jederzeit zu unterstützen.

Was wünschen Sie sich für die Kinder im SOS-Kinderdorf?

Ich wünsche mir, dass sie Frieden finden können und dass ihre Liebe auch sich selbst gegenüber wächst, damit sie diese Liebe weitergeben können. Dass sie Sinn in ihrem Leben finden und die Möglichkeit haben, einen Beruf zu wählen, der ihnen Freude macht.

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