10. 02. 2017

Zeugnisse: Durchatmen, reden und Rat suchen

Zeugnis - keine Sorge!

Wenn das Zwischenzeugnis Sorgen macht, können sich Kinder, Jugendliche und Eltern Rat und Hilfe im SOS-Familien- und Beratungszentrum holen

Mitarbeiter des SOS-Familien- und Beratungszentrums stehen bereit

Wenn  in Bayern die Zwischenzeugnisse verteilt werden, stehen die Mitarbeiter des SOS-Familien- und Beratungszentrums Landsberg (FBZ) bereit. Den ganz großen Ansturm erwartet SOS-Bereichsleiterin Margit Erades-Peterhoff zwar nicht an diesem Tag. Doch sind Zeugnisse, Noten und Schule allgemein immer noch wichtige Themen, wenn Kinder, Jugendliche und Eltern in der Spöttinger Straße Rat suchen. Die Hilfe der SOS-Mitarbeiter ist dabei meist erfolgreich – vor allem, wenn die Menschen rechtzeitig den Weg ins FBZ finden.
Nach wie vor kommen rund 38 Prozent der Ratsuchenden wegen Schul-  und Leistungsproblemen in die Spöttinger Straße. „Das sind rund 204 Klienten bzw. Familien pro Jahr“, rechnet Margit Erades-Peterhoff vor. Das Spektrum reicht dabei von Motivationsproblemen bis hin zur regelrechten Erschöpfung ähnlich dem Burn-out.

Aktiv gegen Schul-Unlust und Lernstress

Den klassischen Andrang an den Zeugnistagen gibt es allerdings nicht mehr. Denn die Schulen informieren Väter und Mütter inzwischen schon viel früher über die Leistungen ihrer Kinder, freut sich Erades-Peterhoff.  Sie rät den Eltern, bei schlechten Noten erst einmal durchzuatmen. Denn in aller Regel sind die Kinder und Jugendlichen selbst sehr betroffen und belastet durch die Zensuren, auch wenn sie nach außen hin auf „cool“ machen. Kommen dann noch Vorwürfe und Druck von den Eltern, ist die Motivation oft ganz am Boden und es können sich Schulunlust, Widerstand gegen das Lernen bis hin zu Schul- und Leistungsängsten einstellen, so die Diplom-Psychologin. Sie empfiehlt deshalb, mit den Schülern in Ruhe zu sprechen, sie nach den Ursachen aus ihrer Sicht zu fragen und Hilfe anzubieten – zum Beispiel über das Familien- und Beratungszentrum. Die Mitarbeiter dort kennen einige Tipps und Tricks dazu, wie man Lernen lernt, wie Schüler sich selbst motivieren können oder ein regelrechtes Trainingsprogramm für die Schule entwickeln.

Wichtige Ursachen-Forschung

Die können aber auch herausfinden, ob es noch andere Ursachen für die schlechten Zensuren gibt. Ob die Schüler etwa zu schüchtern sind, um nachzufragen, ob es Probleme zwischen Schülern untereinander oder zwischen Schülern und Lehrern gibt oder ob Kinder und Jugendliche zu hohe Ansprüche an sich selbst haben. Falls sinnvoll und gewünscht, arbeitet das FBZ dabei eng mit Lehrkräften, Schulpsychologen und -beratern zusammen. Wichtig sei in jedem Fall, rechtzeitig Rat zu suchen, betont Erades-Peterhoff. Wenn Schüler und Eltern erst kurz vor Quali, Mittlerer Reife oder Abiprüfung kommen, reiche die Zeit oft nicht, um einen Kurswechsel zu bewirken. Ansonsten jedoch sind die Prognosen für eine Lösung der Schulprobleme sehr gut, zeigen die Rückmeldungen der Ratsuchenden.