03. 02. 2012Quelle: Oliver Hillinger / Stuttgarter Zeitung

Stabilisieren und den Eltern helfen

Kinder auf dem Spielplatz im SOS-Kinderdorf Pfalz

Ein Dutzend Kinder wird im Rahmen eines Projektes vom SOS-Kinderdorf und dem Jugendamt unterstützt.

Ein Lerncomputer, eine Bastelecke und Tische, an denen man seine Hausaufgaben erledigen kann: auf den ersten Blick gleichen die Räume des ehemaligen Kindergartens im Welzheimer Gemeinschaftshaus einer schulischen Nachmittagsbetreuung. Die Problematik der zwölf Kinder, die zwischen Montag und Freitagnachmittag hierher kommen, ist jedoch eine ernste. „Für viele ist es eine der letzten Möglichkeiten vor der stationären Unterbringung“, sagt Rolf Huttelmaier, der stellvertretende Leiter des SOS-Kinderdorfes Württemberg in Schorndorf-Oberberken. Es sind Kinder, die kein Zimmer und keinen Schreibtisch haben, deren Eltern oft in Trennung leben, die Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit zu Hause nur selten erleben und deren Verhalten entsprechend auffällig
und konfliktträchtig geworden ist.

Hilfe, bevor es zu spät ist

Die Jugendhilfe im Welzheimer Wald (Juwel) wird vom Kreisjugendamt finanziert und vom SOS-Kinderdorf organisiert, die Räumlichkeiten stellt die Stadt Welzheim. Der Jugendamtsleiter Peter Wieland betonte den präventiven Ansatz der ambulanten Hilfe und dass solche Angebote helfen sollten, eine stationäre Unterbringung der Kinder zu vermeiden. Der Sozialpädagoge Benjamin Erfurth konnte den Ausschussmitglieder zeigen, dass bisweilen mehrere Kinder mancher krisenträchtigen Familie ihre Nachmittage bei Juwel verbringen. Zudem zeigt laut Erfurth fast die Hälfte der Kinder Auffälligkeiten, die dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) zugeordnet werden könnten.

Das Ziel: Eltern und Kindern helfen

Man habe deshalb an einer Fortbildung teilgenommen, um diesen Kindern helfen zu können, berichtete der Sozialpädagoge. Zurzeit teilt sich Erfurth die Arbeit mit einer Kollegin und einem Praktikanten. Zwölf Kinder kommen regelmäßig, die meisten zwei bis drei Nachmittage pro Woche. Diese Zeit ist genau strukturiert. Zuerst steht das Ankommen und das gemeinsame Erledigen der Hausaufgaben im Vordergrund. Die Juwel-Mitarbeiter sitzen neben den Kindern, helfen und unterstützen. Danach beginnt eine Phase der Gruppenarbeit und der Freizeitgestaltung. Wer sich dabei vorbildlich verhält, darf mit Punkten rechnen, die auf einer Namensliste an der Wand gutgeschrieben werden. Verliehen werden sie unter Beteiligung der gesamten Gruppe. Die Eltern der Kinder werden im Rahmen des Angebots regelmäßig zu Beratungsgesprächen eingeladen. Solche Möglichkeiten, Eltern zu stärken, ließen sich  noch ausbauen, sagt Rolf Huttelmaier. Bis vor einigen Jahren habe es nur wenige hilfsbedürftige Familien gegeben. Das habe sich geändert.