01. 08. 2012Quelle: Undine Zeidler für Weser Kurier

SOS-Kinderdorf Worpswede unter neuer Leitung

Bewohner des SOS-Kinderdorfs Worpswede

Wir sind das Kinderdorf!

Pädagoge Joachim Schuch setzt auf Kontinuität

Ein Diplom in Erziehungswissenschaft besitzt Joachim Schuch, auf den Master in Arbeits- und Organisationspsychologie arbeitet er hin. Bei seiner neuen Arbeitsstelle im SOS-Kinderdorf hat er das Gefühl, dass er seine bisherigen Erfahrungen bündeln könnte.

Joachim Schuch Bild vergrößern

Im SOS-Kinderdorf hat Joachim Schuch eine Offenheit gespürt: die Bereitschaft, sich auf einen neuen Menschen einzulassen.

Der 46-jährige Bremer übernimmt die Regie von Inge Göbbel, die sich in den Ruhestand verabschiedet. Schuch wird der dritte Leiter des 1965 gegründeten SOS-Kinderdorfs in Weyerdeelen. Es wird ein leiser Anfang werden, glaubt er. Die Bürokisten hat er direkt vom alten Büro nach Worpswede gebracht.

Das große Fest ist schon gefeiert. Inge Göbbels Abschied enthielt auch ein Willkommen für den Nachfolger. Schuch spürte im Kinderdorf eine Offenheit und die Bereitschaft, sich auf einen neuen Menschen einzulassen. Bei der Abschiedsfeier hat er die Anerkennung für Inge Göbbels Arbeit erlebt, für ihn ein Grund zu sagen: "Ich setze erst einmal auf Kontinuität, weil es keinen Grund gibt, etwas zu verändern."


Chancengleichheit als Ziel

Schuch will die Balance wahren zwischen dem Identifikationsort SOS-Kinderdorf für die dort lebenden Kinder und Mitarbeiter und den Bedürfnissen der anderen Hälfte seiner Mitarbeiter, die außerhalb des Dorfes arbeiten. Schuch sieht dies als große Herausforderung und nutzt für seine Herangehensweise einen Fußballvergleich: "Man muss gucken, welcher Spielstil und welche Taktik zu der Mannschaft passt." Was die Mitarbeiter wolle und welche Ideen da sind, will er in den kommenden Monaten erfahren.

Was der Landkreis von der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung SOS-Kinderdorf erhofft, will Schuch bei einem Treffen mit dem Jugendamtsleiter im Kreishaus besprechen. Aus seiner Sicht hat das Kinderdorf eine gewisse Verantwortung im Gemeinwesen und könnte sich Erwartungen von Anspruchsgruppen nicht verweigern. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte sieht er in der Kinderkrippe in Gnarrenburg.

Jugendliche sitzen auf einem Trampolin Bild vergrößern

Zu den Angeboten des SOS-Kinderdorfs Worpswede gehören auch zwei Tagesgruppen.

Arbeit mit Familie bzw. Elternbildung findet Joachim Schuch spannend. Für die Themen Schulkindbetreuung sei er ebenfalls offen wie für die schulnahe Sozialarbeit – Wege zu dem, was er als Ziel formuliert, die Chancengleichheit von Kindern. "Ich bin Pädagoge", sagt Schuch. Einer, der die Zivilgesellschaft fördern will. Dass seine Entscheidung für das SOS-Kinderdorf etwas Langfristiges birgt, sei ihm klar geworden, als er auf die Arbeitsjahre seiner Vorgänger geschaut habe: jeweils mehr als zwanzig Jahre. Schuch lächelt. So weit wagt er nicht vorauszublicken, sagt aber von sich: "Ich mache keine halben Sachen." Ob der Umzug in das SOS-Kinderdorf dazu gehören wird, lässt er offen. Ein Mitarbeiter-Appartement habe er. Nur sei die Entfernung Bremen – Worpswede zu kurz, um schon jetzt für Partnerin und Tochter den Umzug zu planen. Inwieweit ist das Wohnen im Dorf nötig? "Da weicht sich etwas auf", sagt er. Einerseits bestehe das SOS-Kinderdorf nach wie vor als Dorf, andererseits sei es auch ein Jugendhilfe-Verbund mit einem differenzierten Angebot außerhalb des Dorfes.

Joachim Schuch
hat als Streetworker in Wildeshausen gearbeitet und als Fachberater im Baden-Württembergischen Landesjugendamt. In Sambia beriet er Nichtregierungsorganisationen (NGO) und in Bremen trug er als Regionalleiter bei "KiTa Bremen", dem städtischen Träger der Tagesbetreuung, die inhaltliche und personelle Verantwortung für 17 städtische Kindertageseinrichtungen. Jetzt betritt Joachim Schuch wieder ein Stück Neuland: Seit Anfang Juli leitet er das SOS-Kinderdorf in Worpswede.