27. 12. 2014

Vom Waisenkind zur Ärztin

Dr. Françoise Hougni an Ihrem Arbeitsplatz

Vielbeschäftigt: Dr. Françoise Hougni an Ihrem Arbeitsplatz

Ein Traum wird wahr

Dr. Françoise Hougni leitet im Norden Benins das SOS-Krankenhaus Natitingou – aufgewachsen ist die junge Frau im SOS- Kinderdorf. Ohne SOS hätte ich das niemals erreicht«, sagt Françoise Hougni und zeigt stolz auf ihr kleines Büro im SOS-Krankenhaus Natitingou, das sie seit fünf Jahren leitet. Ihre kleine Tochter Esdras strahlt dazu zufrieden auf dem Schoß der Mutter. »Ich bin sehr froh, dass wir im SOS-Krankenhaus unsere Leistungen kostengünstig anbieten können, denn die wenigsten Menschen
hier können es sich leisten, viel Geld für medizinische Behandlung und Medikamente auszugeben«, erklärt die junge Ärztin. So wird eine medizinische Grundversorgung in diesem besonders armen Teil des Landes angebo ten, wo die Kindersterblichkeit immer noch sehr hoch ist und viele Menschen hungern. Dass die Bedingungen – gerade für Kinder – in dem kleinen Land an der westafrikanischen Atlantikküste sehr schlecht sind, musste Françoise Hougni früh am eigenen Leib erfahren. In Benin sind auch heute noch fast 20 Prozent der Bevölkerung unterernährt, viele Familien leben in Armut und kämpfen ums tägliche Überleben. Die Situation der Kinder ist oft prekär, ihr Zugang zu Nahrung und Bildung ist grade in den ländlichen Regionen sehr schlecht. Viele verlieren ihre Eltern früh durch HIV oder andere Krankheiten.

Die kleine Françoise hatte Glück im Unglück

Das SOS-Kinderdorf Abomey-Calavi Bild vergrößern

Im SOS-Kinderdorf Abomey-Calavi wuchs Francoise auf. DIe Häuser sind in landestypischem Stil erbaut.

Nach dem frühen Tod der Eltern kam sie mit acht Jahren ins SOS-Kinderdorf Abomey-Calavi im Süden Benins und konnte dort gemeinsam mit ihren vier Brüdern in der Geborgenheit und Sicherheit einer SOS-Kinderdorffamilie aufwachsen. In der dortigen Hermann-Gmeiner-Schule entwickelte sich Françoise zu einer der besten Schülerinnen, so dass sie schließlich an der ein zigen Universität des Landes ihren Traum verwirklichen konnte, Ärztin zu werden. In Benin ist das eine Seltenheit. »Die Geborgenheit, die ich im Dorf und bei meiner Kinderdorfmutter erfahren habe, hat mich stark gemacht für mein Leben. Heute habe ich selbst drei Kinder und kann als Ärztin bei SOS helfen", erzählt Françoise. Das kleine medizinische Zentrum unter ihrer Leitung gehört zur SOS-Kinderdorf-Einrichtung in Natitingou im Norden Benins, nahe der Grenze zum Nachbarstaat Togo.

1999 entstand hier das zweite SOS-Kinderdorf des Landes; samt Kindergarten, Grundschule und einer sechsklassigen, weiterführenden Hermann-Gmeiner-Schule für über 200 Schüler aus dem Dorf und der Umgebung. Das SOS-Krankenhaus wurde 2008 gegründet, um den SOS-Kindern eine angemessene medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Denn die bestehenden Krankenhäuser in der Gegend sind notorisch schlecht ausgestattet, es fehlt an Medikamenten, und das Personal ist häufig unzureichend ausgebildet. »Früher mussten wir unsere Kinder und SOS-Mitarbeiter oft in die Hauptstadt bringen, um sie medizinisch behandeln zu lassen. Und die liegt mehrere hundert Kilometer und mindestens acht Autostunden entfernt«, erinnert sich Innocente Sacca, die Leiterin der SOS-Einrichtung in Natitingou. "Heute ist das anders, denn das Zentrum hat sich so gut entwickelt, dass wir nun sogar die Bevölkerung vor Ort versorgen können".

Ein enger Kontakt zur SOS-Kinderdorfmutter

Jede Menge Leben: eine SOS-Kinderdorffamilie aus dem SOS-Kinderdorf Natitingou Bild vergrößern

Jede Menge Leben: eine SOS-Kinderdorffamilie aus dem SOS-Kinderdorf Natitingou

Das Zentrum besteht heute aus einem Untersuchungsraum, einem Behandlungsraum, einem Isolationsraum für vorübergehende stationäre Aufnahmen oder Quarantäne, zwei Krankenzimmern, einem Labor und einer gut ausgestatteten Apotheke. Neben Françoise Hougni arbeiten hier vier Krankenschwestern, ein Laborant, eine Pharmazeutin, eine Sekretärin und ein Psychologe. Die Mediziner arbeiten im Schichtdienst und helfen täglich bis zu 20 Patienten. Am häufigsten behandeln sie Malaria, Typhus, Lungenentzündungen oder Salmonellenerkrankungen.
Zu ihrer Kinderdorfmutter pflegt Françoise Hougni einen engen Kontakt. Sie telefonieren häufig und Maman Laetitia ist ihre wichtigste Ratgeberin, wenn es um die Erziehung ihrer eigenen Kinder geht, erzählt Françoise. "Sie ist sehr stolz auf mich und das, was ich erreicht habe. Sie motiviert mich jeden Tag aufs Neue, mich mit ganzem Herzen für die Kinder und Kranken hier im SOS-Krankenhaus Natitingou einzusetzen."

Das SOS-Kinderdorf Natitingou muss 2015 dringend renoviert werden!
Viele Häuser sind mittlerweile durch die Witterungsverhältnisse marode. Bitte helfen Sie hier mit Ihrer Spende!
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