25. 11. 2016

Vier Nationen, eine Sprache: Fußball und Deutsch

Der Ausflug nach Kiel: Ein Highlight für die Fußballer

Der Ausflug nach Kiel: Ein Highlight für die Fußballer

Erfolgreiches Jahr für „Team Chenes“ von SOS-Kinderdorf

Patrick Krompholz ist „total begeistert“ von „seinen“ Jungs. Das „Team Chenes“ hat sich im vergangenen Jahr bei zahlreichen Turnieren in ganz Deutschland einen Namen gemacht und „richtig schönen“ Fußball gespielt. Vor allem aber sind die mittlerweile 30 von SOS-Kinderdorf betreuten jugendliche Flüchtlinge zu einer Mannschaft zusammengewachsen, in der Alter oder Nationalität keinerlei Rolle spielen und alle dieselbe Sprache sprechen: Die des Fußballs – und Deutsch.

Egal ob Syrer, Afghane, Eritreer oder Somalier – im Team Chenes ist jeder gleich viel wert

Kritik und Anregungen können genauso gut von einem 14-Jährigen wie von einem 18-Jährigen kommen und werden gleichermaßen respektiert. „Die Jugendlichen reflektieren ihr Spiel“, freut sich Trainer Krompholz.  Großen Respekt zollt er den Flüchtlingen, weil sie auf dem Feld und in der Kabine ausschließlich deutsch sprechen, „selbst wenn mal gezofft wird“. Das gibt es allerdings selten. Meist treten die jungen Männer als eine geschlossene Mannschaft auf und sind Gastspielern und Gegnern gegenüber gleichermaßen fair. Und das, obwohl sie schon öfter auf dem undankbaren Zweiten Platz landeten, zum Beispiel beim selbst organisierten Turnier in Denklingen, das Sport 2000 gesponsert hatte. Auch wenn es manchmal mit Tränen vom Platz ging, bauten sich die Jungs in der Kabine gegenseitig wieder auf. „Das sieht man sehr selten“, freut sich Krompholz.

Fußball kennt nur eine Sprache

Fußball verbindet: Das "Team Chenes" bei der Deutschen Meisterschaft in Kiel. Bild vergrößern

Fußball verbindet: Das "Team Chenes" bei der Deutschen Meisterschaft in Kiel.

Ein besonderes Highlight war die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft in Kiel: Vier Tage lang bewiesen die Flüchtlinge nicht nur fußballerische Klasse, sondern stachen vor allem durch Fairness, Sauberkeit und Disziplin unter anderem im Umgang mit Alkohol sehr positiv hervor, berichtet Krompholz. Kein Wunder, dass das Team Chenes auf Turnieren gern gesehen und die eigens eingerichtete Facebook-Fanseite „Fußball kennt nur eine Sprache“ mittlerweile gut besucht ist.

Im kommenden Jahr will der Trainer eine eigene SOS-Straßenfußball-Liga mit regelmäßigen Spieltagen aufbauen. Zum Glück stehe SOS-Kinderdorf als Träger dem Sport sehr positiv gegenüber, so Krompholz, der zudem die Zusammenarbeit mit „Anstoß e.V.“ und „Sozialer Sport Nürnberg“ lobt. Er möchte außerdem die Jugendlichen stärker in die Organisation mit einbinden: Sie sollen helfen, eigene Turniere wie das am 4. Februar 2017 in Kaufbeuren auszurichten. Und sie sollen Trainingseinheiten selbständig abhalten, wenn Krompholz durch seinen Schichtdienst verhindert ist. Schließlich sei das der Sinn der Sache, meint der Trainer: „Unser Job ist dann erledigt, wenn wir überflüssig geworden sind“.