10. 01. 2012

Tierische Hilfe für das SOS-Kinderdorf Sauerland

Mädchen kuschelt mit einer Katze

Es tut sich was im SOS-Kinderdorf Sauerland: 2012 wird nicht nur eine weitere Familie gegründet, es soll auch ein neues pädagogisches Projekt realisiert werden, bei dem der Kontakt zu Tieren im Mittelpunkt steht.

Gabriele Polle Bild vergrößern

Einrichtungsleiterin Gabriele Polle

Sie sei anfangs skeptisch gewesen, berichtet Kinderdorf-Leiterin Gabriele Polle über die Idee, die aus ihrem Team kam. Aber die Mitarbeiterinnen, die selbst Hunde halten, hätten sie schließlich überzeugt: Gerade in der Arbeit mit beziehungsgestörten Kindern könnten Tiere wertvolle Hilfe leisten. Wer sich um Hühner oder Meerschweinchen kümmert, der lernt auch Verantwortung zu übernehmen. Wann es besser ist, Distanz zu wahren, und wie schön im Gegenzug körperliche Nähe sein kann: auch das können Kinder im Umgang mit Haustieren erfahren. Kinder, die das bei ihren Eltern nie erfahren haben.Vom benachbarten Hof Stück Land gepachtet

Komplett durch Spenden finanziert

Für das „tiergestützte Projekt“, so der Arbeitstitel, pachtet das Kinderdorf ein Stück Land von einem Bauerhof in der Nähe, der Pferde, Esel und Schafe hat. Auf dem Hof soll ein Gehege für die Haltung von Kleintieren wie Hühner und Meerschweinchen entstehen, verrät Gabriele Polle, die sich besonders darüber freut, dass das Projekt komplett mit Spendenmitteln finanziert werden kann. Der Kinderdorf-Chefin ist es gelungen, das Vorhaben bei der bundesweiten Aktion „Red Nose Day“ unterzubringen.

Bald gibt es sieben Familien!

Junge mit Hund Bild vergrößern

Zwei dicke Freunde

Vor sieben Jahren hatte Gabriele Polle ihre Abteilungsleiterposition im städtischen Jugendamt aufgegeben und die Leitung des SOS-Kinderdorfs am Dickenberg übernommen. Der hohe Sympathiewert der „Marke“ und der größere Gestaltungsspielraum hätten sie gereizt, mit 40 Jahren noch einmal eine neue Aufgabe zu übernehmen. Bereut hat sie den Wechsel nie. In den letzten Jahren hat das Kinderdorf Sauerland eine rasante Entwicklung genommen. Aus 45 Vollzeitstellen mit 60 Mitarbeitern im Jahr 2004 wurden 70 Vollzeitstellen und circa 100 Mitarbeiter. Sechs Kinderdorffamilien mit 60 Kindern, eine Klärungsgruppe und drei WGs für Jugendliche sind neben einer Kindertagesstätte, die sich zum Familienzentrum mit Stadtteilcafé, Bildungs- und Beratungsangeboten weiterentwickelt hat, die tragenden Bestandteile des Dorfes. Neu sind in diesem Jahr vier Plätze für teilstationär betreutes Wohnen für Jugendliche, flexible ambulante Hilfen für 30 Familien mit sechs Mitarbeitern und die Schulsozialarbeit für die Friedensschule hinzugekommen. Seit zwei Jahren liegt die Ganztagsbetreuung an der Förderschule in der Regie des Kinderdorfes.

Perspektiven für weiteres Wachstum

Das alles kostet viel Geld - deshalb freut sich Gabriele Polle über alle Spenden. Natürlich profitiere die Marke SOS-Kinderdorf von ihrem außerordentlich hohen Bekanntheitsgrad von 98 Prozent. „Aber Qualität und Professionalität müssen wir schon bringen“, beschreibt Gabriele Polle das Geschäft der Spenden-Einwerbung als durchaus anspruchsvoll. Die Forderung nach Professionalität richtet sich nicht nur ans Dorfmanagement. Heute müssen auch die Kinderdorfmütter ihre Qualifikation nachweisen, die eine vierjährige Ausbildung erfordert. Es sei ein Glücksfall für Lüdenscheid, gleich zwei Kinderdorfmütter in Ausbildung zu haben. Das bietet Perspektiven für weiteres Wachstum.

Wir danken Chefredakteur Rolf Bähner (Der Westen) für die Unterstützung