15. 11. 2013Quelle: Rio Faye Yrasga, SOS-Kinderdorf Calbayog

Taifun Haiyan: So erlebte SOS-Kinderdorfmutter Nanay die Katastrophe

Die pensionierte SOS-Kinderdorfmutter Nanay hilft, wo sie kann.

Weiterleben nach der Katastrophe.

SOS-Kinderdorfmutter Nanay Dottie erlebte den Taifun hautnah mit. Mittlerweile sind sie und viele SOS-Kinderdorfkinder im SOS-Kinderdorf Calbayog in Sicherheit

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Philippinen: Der Taifun hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen

"Es war zwei Uhr morgens. Alles war noch dunkel und still. Ich stand aus dem Bett auf und betrachtete den Ort. Die Stille der Nacht ließ mich erzittern. Es war ein eigenartiges Gefühl und es gefiel mir nicht. Ohne weiter nachzudenken, nahm ich mein Gebetbuch und fing, an zu beten. Nach drei Uhr flackerte die Glühbirne in meinem Zimmer. Einige Sekunden später flackerte sie erneut. Beim dritten Mal fiel der Strom komplett aus. Besorgt ging ich aus dem Haus, um zum am nächsten liegenden Nachbarhaus zu laufen. Draußen wehte ein starker Wind und es regnete leicht. Ich rannte zum Haus von SOS-Mutter Mayette, klopfte und wurde eingelassen. Mutter Mayette war, ebenso wie ich, hellwach und besorgt."

Die Frauen schalteten ein batteriebetriebenes Radiogerät ein und hörten die neuesten Meldungen zum heraufziehenden Sturm. Aber die Nachrichten brachen ab und das Radio-Signal wurde dauerhaft unterbrochen.

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Sturm, Wassermassen und die Flucht aufs Dach

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Philippinen: Der Taifun hat ganze Landstriche zerstört Millionen, Menschen sind obdachlos.

Gegen sechs Uhr morgens wurde der Wind stärker und es regnete heftig. Mutter Mayette weckte ihre Kinder und versammelte sie nah bei sich. Dann zersprangen durch die Wucht des Windes die Fensterscheiben. Verängstigt nahmen die Kinderdorfmütter die Matratzen aus den Betten und bauten sie um die Kinder herum auf. Sie nahmen einen Platz bei der Tür ein, um schnell hinauszukommen. „Ich stand an der Wand, während das jüngste Kind seine Milch trank, als ich plötzlich etwas Kaltes an meinen Füßen fühlte“, erinnert sich Nanay Dottie. „Als ich nach unten sah, sah ich das Wasser an der Eingangstür. Ich öffnete die Tür und erschrak über den Anblick draußen!“ Das Wasser stieg im Dorf, Wind und Regen waren so stark.

Wegen des plötzlichen Anstiegs des Wassers entschieden sich die Frauen, die Kinder zunächst auf dem Bürotisch in Sicherheit zu bringen. Wenig später siedelten sie ins Dachgeschoss um. "Wir mussten die Kinder sichern, bevor wir nach oben klettern konnten. Ich hätte es beinahe nicht geschafft! Ich verlor immer mehr Kraft. Zum Glück half mir die Familienhelferin, indem sie mich über ihre Schulter klettern ließ. Mutter Mayette kletterte als letzte hoch, als ihr das Wasser schon bis zur Schulter stand", berichtet Nanay Dottie.

Das SOS-Kinderdorf Tacloban wurde stark beschädigt Bild vergrößern

Das SOS-Kinderdorf Tacloban wurde stark beschädigt - die Wassertanks sind zerstört.

Wohlwissend um den tobenden Sturm draußen, setzten sich alle im Dachgeschoss ganz still hin. "Der Wind war so stark, dass wir Angst hatten, das Dach könnte wegfliegen. Ich fing an zu beten, damit er uns in dieser Katastrophe verschont", sagt Nanay. Während sie betete, bemerkte die Gruppe einige Meter entfernt eine offene Stelle im Dach. Der Wind hatte eine Dachplatte angehoben, so dass ein kleines Loch entstanden war. "Es war, als hätte uns der himmlische Vater einen Fluchtweg geöffnet, für den Fall, dass es noch schlimmer werden sollte." Nanay Dottie weint, während sie sich an den Schrecken dieser Situation erinnert. "Wir hätten keine Möglichkeit gehabt, das Dach zu öffnen, wenn uns das Wasser erreicht hätte. Aber dieses Loch war groß genug, um einen Menschen durchzulassen. Da das Wasser bereits durch die Decke stieg, kletterten wir alle nacheinander durch das Loch aufs Dach. Durch das Unwetter draußen waren wir schnell durchnässt, aber der Gedanke, dass wir in dieser Situation alle zusammen waren, ließ uns fast zwei Stunden durchhalten."

"Ich dachte, ich würde sterben"

Nach Stunden des Schreckens ließ der Regen nach und der Wind wurde schwächer. Nanay Dottie, ihre Kolleginnen und die Kinder kletterten vom Dach und sahen sich die Verwüstungen an, die der Sturm hinterlassen hatte. „Das ganze Haus war nass“, erzählt SOS-Kinderdorfkind Daniel. „Es gab nichts, was nicht nass, durcheinander und zerstört war. Ich habe gezittert. Ich dachte, ich würde sterben!“

Die Evakuierung

Die erste Gruppe von Kindern und Mitarbeitern wurde am Montagabend ins SOS-Kinderdorf Calbayog in Sicherheit gebracht. Sie sind jetzt unter der Obhut der SOS-Familien dort. Kinder und Jugendliche aus dem Dorf helfen mit, die Kinder aus dem Kinderdorf Tacloban zu betreuen und sie durch diese schwierige Zeit zu bringen. Die Katastrophe hat viele Kinder schwer traumatisiert.

Es ist herzzerreißend zu sehen, dass es so viele Opfer durch den Taifun gab und wie die Überlebenden jetzt kämpfen müssen, um weiterzukommen. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch sind wir dankbar, dass unsere SOS-Kinder und -Jugendlichen in Sicherheit sind.

Dank der weltweiten Hilfe und Ihrer Spenden können sie weiterleben, ihr erlittenes Trauma überwinden und hoffentlich bald erneut lächelnd in die Zukunft blicken!

Nothilfe auf den Philippinen

Verunsichert: Die Kinder in den SOS-Einrichtungen auf den Philippinen

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