25. 03. 2015

Syrien: SOS-Kinderdorf hilft Kriegswaisen

Kinder in Syrien: Spielen mit einer Puppe

Eine Puppe für eine ganze Kinder-Gruppe: die Kinder in Syrien sind freuen sich über jede Ablenkung

In den Wirren des Krieges finden Kinder wie Ahmad in den Übergangsunterkünften von SOS-Syrien ein liebevolles Zuhause

Auch vier Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien ist kein Ende abzusehen. Über 220.000 Menschen wurden bisher getötet, mehr als sieben Millionen Menschen sind auf der Flucht. Besonders hart trifft der Krieg die Kinder: Sie verlieren ihr Zuhause, müssen den Tod von Verwandten und Freunden miterleben und sind aufgrund des täglichen Kampfes ums Überleben stark traumatisiert. So wie der zwölfjährige Ahmad, der derzeit mit seinem kleinen Bruder in einem SOS-Übergangsheim in Damaskus lebt.

Ahmad - seine Familie und Freunde starben im Krieg Bild vergrößern

Ahmad - sein Vater und eine Freunde starben im Krieg

In Al Mleha, einem geschäftigen Viertel von Damaskus, verlebten Ahmad und sein jüngerer Bruder eine glückliche Kindheit. Doch dann kam der Krieg. Und Ahmads Nachbarschaft lag plötzlich direkt an der Front.

Konfrontiert mit dem Tod

Die tägliche Konfrontation mit Tod, Zerstörung und Angst wurde für die Familie unerträglich. „Mein Onkel kam und sagte, er hole uns in einem Pickup ab“, erinnert sich Ahmad. „So packten wir unsere Sachen und luden ein paar Möbel auf die Ladefläche. Mein Vater saß hinten, damit nichts runterfallen konnte. Ich kann mich noch genau an diesen Tag erinnern. Und an die Granaten, die hinter uns einschlugen, als wir versuchten zu fliehen. Eine Granate schlug direkt neben dem Auto ein. Ein Splitter traf meinen Vater am Herzen. Sein Hemd war voller Blut. Er fiel vom Auto und war tot“. Ahmads Stimme versagt bei der Erinnerung an dieses schreckliche Erlebnis. „Ich weinte und schrie und flehte meinen Onkel an zu halten. Doch um uns in Sicherheit zu bringen, fuhr mein Onkel immer weiter und weiter. Ich sah, wie der Körper meines Vaters immer kleiner und kleiner erschien, je weiter wir wegfuhren. Irgendwann sah ich ihn gar nicht mehr. Ich habe seit dem Tag, an dem mein Vater ums Leben kam, nicht mehr geweint. Wenn ich traurig bin, schlucke ich meine Tränen hinunter“.

Hilfe von SOS-Kinderdorf

Kinder in Syrien Bild vergrößern

Ahmads Familie lebte anschließend bei der Großmutter – doch auch dort verfolgte ihn das Leid des Krieges. Eine Granate schlug mitten auf dem Schulgelände ein und Hassan alle seine Freunde sterben. Nach zwei Jahren entschied sich Hassans Familie wieder in ihr Heimatdorf zurückzukehren. „Ich war sehr aufgeregt, mein Zuhause, meine Schule, die Nachbarschaft und meine Freunde wieder zu sehen. Doch als wir dort ankamen, war unser Haus dem Erdboden gleich gemacht. Und meine Schule zerbombt. Die Nachbarn und Freunde waren entweder tot oder vermisst oder sind für immer weggezogen“.  Dann trifft die Familie ein weiterer Schicksalsschlag: Die Mutter verliert ihren Job in der Fabrik und kann nicht mehr für Hassan und seinen jüngeren Bruder sorgen. Doch in all dieser Verzweiflung gab es einen Hoffnungsschimmer: Das Nothilfeteam von SOS-Syrien wird auf die desolate Lage von Ahmad und seinem Bruder aufmerksam. Sie bringen die beiden Jungen in einem SOS-Übergangsheim in Damaskus unter. In dem Haus finden die Kinder  vorübergehend ein warmes, geschütztes und geborgenes Zuhause und werden von erfahrenen SOS-Kinderdorfmüttern umsorgt.
Die Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf in Syrien prüfen derzeit, ob Angehörige die beiden Brüder langfristig aufnehmen und versorgen können.

Der Traum von einer kindgerechten Zukunft

Ahmad träumt oft von der Zeit bevor der Krieg ausbrach. „Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind mit meiner Familie einen Cousin in Aleppo besucht habe und wir  in der Nähe der Zitadelle spazieren gingen. Wir machten bei einem bekannten Eisgeschäft halt. Mein Vater kaufte uns allen ein Eis und sang meinem kleinen Bruder auf dem Rückweg etwas vor. Ich erinnere mich an die gelben Lichter, an tobende Kinder und an lachende Menschen. Ich wünsche, dieser Moment könnte ewig dauern. Ich wünsche, es wäre kein Krieg in meiner Heimat.

SOS-Kinderdorf in Syrien

SOS-Kinderdorf ist seit Mitte der 1970er Jahre in Syrien tätig. In den beiden SOS-Kinderdörfern in der Nähe von Aleppo und Damaskus wird nicht nur Kindern ein zweites Zuhause gegeben – SOS-Kinderdorf unterstützt auch Familien und Kinder in der Nachbarschaft durch Familienstärkungsprogramme.

Seit August 2012 stellen die SOS-Kinderdörfer ein Nothilfeprogramm für die am meisten gefährdeten Menschen zur Verfügung. Wir arbeiten mit verschiedenen Behörden, UN-Agenturen und lokalen NGOs sowohl in den ländlichen als auch städtischen Gebieten rund um Damaskus, Aleppo und Latakia zusammen. Um die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zu decken, haben die SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter Lebensmittel, Medikamente zur Grundversorgung und Hygieneartikel verteilt. Wir bieten psychologische und pädagogische Unterstützung für Familien und Kinder zur Verfügung zu stellen.

2012 wurden die SOS-Kinderdorf-Familien aus dem SOS-Kinderdorf Aleppo aufgrund der Kämpfe evakuiert. Seitdem leben die Familien im SOS-Kinderdorf Qodsaya.

Im Dezember 2014 wurde  in Damaskus aufgrund der steigenden Anzahl von Kindern ohne elterliche Betreuung eine provisorische Kindertagesstätte eröffnet. Bis zu 20 Kinder finden dort ein sicheres, liebevolles Zuhause und werden von einer SOS-Kinderdorf-Mutter betreut. In der Zwischenzeit versucht SOS-Kinderdorf ihre Familien zu finden. Ist dies nicht möglich, bleiben die Kinder in unserer Obhut.  

SOS-NOTHILFE

Ein Mädchen mit Kuscheltier

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