12. 08. 2015

SOS-Kinderdorfmütter jetzt und damals

Zwei SOS-Kinderdorfmütter, zwei Generationen

Zwei SOS-Kinderdorfmütter, zwei Generationen: Zum 60. Geburtstag von SOS-Kinderdorf Deutschland tauschten sich Rosina Irlacher (links) und Anke Hertzsch aus.

“Es war anders” sagen Rosina Irlacher und Anke Hertzsch

Es war anders. Nicht leichter, nicht schwerer, einfach anders. Seitdem Rosina Irlacher 1959 als eine der ersten SOS-Kinderdorfmütter Deutschlands in Dießen ihre Arbeit aufnahm, hat sich die Welt rasant verändert. Heute stehen SOS-Kinderdorfmütter wie Anke Hertzsch vor ganz anderen Herausforderungen als damals. Doch manches ist auch gleich geblieben: Die Not der ihnen anvertrauten Kinder und der Wunsch, ihnen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.
Als Rosina Irlacher in Haus 6 einzog, gab es in Dießen bereits fünf SOS-Kinderdorffamilien. Sie startete wie alle anderen mit neun Kindern, die in Dreier-Zimmern schliefen. Das Leben spielte sich im Wohnzimmer ab: Während die Kleinen dort spielten, machten die Größeren ihre Hausaufgaben. „Das war nicht immer einfach“, erinnert sich Irlacher. In Haus 13 bei Anke Hertzsch leben sechs Kinder, das ist heute die Höchstbelegung in SOS-Kinderdorffamilien. Je zwei Mädchen teilen sich ein Zimmer, der einzige Junge hat einen Raum für sich.

Die ersten SOS-Kinder am Ammersee Bild vergrößern

Das SOS-Kinderdorf Dießen ist das älteste SOS-Kinderdorf Deutschlands

Rosina Irlacher wusste vor knapp 60 Jahren nichts über die Vorgeschichte ihrer Kinder – „man wollte nicht, dass wir Vorurteile entwickeln“, sagt sie. So wie SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner anfangs auch keine Erzieherinnen wollte, sondern „nur Mütter“. Heute dagegen ist eine Erzieherausbildung unabdingbar, erklärt Anke Hertzsch. Außerdem kennen die SOS-Kinderdorfmütter die Vorgeschichte „ihrer“ Kinder, um sich auf sie einstellen zu können.

Verschiedene Gründe, um im SOS-Kinderdorf aufzuwachsen

Sie kommen heute zumeist nach Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch durch oft psychisch kranke Eltern aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern ins SOS-Kinderdorf. Der Kontakt zu den leiblichen Eltern wird nach Möglichkeit beibehalten, die meisten Kinder rufen Anke Hertzsch mit Vornamen. Zu Rosina Irlachers Zeiten lebten vor allem unehelich geborene Buben und Mädchen aus ganz Deutschland im SOS-Kinderdorf, die sie „Mutti“ nannten. Damals konnten alleinstehende Frauen ihre Kinder in den seltensten Fällen behalten, erklärt Rosina Irlacher. Sie erinnert sich, dass sich anfangs viele Menschen nicht mit dem gemeinsamen Aufwachsen von Jungen und Mädchen in einer Familie anfreunden konnten. Und dass die evangelischen Kinder schon bald ins zweite deutsche SOS-Kinderdorf im Schwarzwald umziehen mussten. Heute dagegen leben die verschiedensten Religionen friedlich und unbehelligt zusammen am Vogelherd. Dafür muss sich Anke Hertzsch mit der immer komplexer und wichtiger werdenden Welt der Neuen Medien auseinandersetzen, die es damals schlichtweg noch nicht gab.

Auch die Aufgaben haben sich verändert

Hermann Gmeiner zusammen mit Rosina Irlacher Bild vergrößern

Hermann Gmeiner mit Rosina Irlacher (links) und einigen ihrer damaligen Kinder bei einem Tag der offenen Tür im SOS-Kinderdorf in Dießen.

So wie es auch keine eigene Waschmaschinen für die SOS-Kinderdorffamilien gab. Nur einmal pro Woche, erzählt Rosina Irlacher, konnte Wäsche im Gemeindehaus abgegeben werden. Entsprechend viel Zeit verbrachte sie mit dem Haushalt. Anke Hertzsch hat dafür zwar eine Helferin. Doch sie investiert nun etliche Stunden in die vielen Berichte und Dienstpläne, die heute für jedes Kind und das Mitarbeiter-Team verfasst werden müssen. Die Aufgaben sind nicht weniger, nur anders geworden.

Großer Zusammenhalt unter den SOS-Kinderdorfmüttern
Gleich geblieben ist dagegen der Zusammenhalt unter den SOS-Kinderdorfmüttern. Rosina Irlacher trifft sich bis heute mit ehemaligen Kolleginnen, Anke Hertzsch unternimmt auch gemeinsame Familienurlaube. Zum Austausch in der „Mütter-runde“ gibt es pädagogische Fachkräfte, die die Mütter unterstützen.

Gleich geblieben ist auch der Wunsch der SOS-Kinderdorfmütter: „Mir war es wichtig, dass die Kinder sich geborgen fühlten und ihre Ausbildung so gut es ging absolvierten“, sagt Rosina Irlacher. Auch Anke Hertzsch wünscht sich für ihre Kinder einen guten Schulabschluss, dass der Zusammenhalt in der Familie bestehen bleibt und die Kinder eines Tages „ihr Leben selbst in die Hand nehmen können“.

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