07. 11. 2014

SOS-Kinderdorf betreut unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

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Sie sind 16 oder 17 Jahre alt, stammen aus Tibet, dem Senegal oder Nigeria und sind vor Gewalt und Verfolgung geflohen – ganz allein. Vier von bayernweit gut 3.500 unbegleiteten Minderjährigen sind in der vergangenen Woche im Landkreis Landsberg eingetroffen, weitere acht sollen noch im November folgen. Die jungen Menschen werden im Rahmen der Jugendhilfe von SOS-Kinderdorf zunächst in Hagenheim betreut, berichtet SOS-Kinderdorfleiter Erich Schöpflin, der die Jugendlichen “nicht als Problem, sondern als Chance” sieht.

Verständigung hat Priorität

Schöpflin hat “großen Respekt” vor den Jugendlichen, die sich teils eineinhalb Jahre alleine durchgekämpft haben. Alle Vier seien “hoch motiviert” und darauf aus, sich möglichst rasch eine Zukunft aufzubauen. Einer von ihnen spricht bereits Deutsch, die anderen verständigen sich auf Englisch und lernen täglich zwei Stunden lang die neue Sprache, erzählt SOS-Bereichsleiterin Angelika von Au. Sie und ihre Kollegen leisten derzeit vor allem Hilfe zur Alltagsbewältigung, begleiten bei Arztbesuchen oder statten die jungen Männer in der Kleiderkammer des BRK aus. Wichtig sei ein strukturierter Alltag mit Sportangeboten und das Knüpfen erster Kontakte, so Schöpflin. Wie bei allen Angeboten von SOS-Kinderdorf werde die Grundversorgung über den Tagessatz der Jugendhilfe gesichert, den am Ende der Freistaat übernimmt. Alles, was darüber hinausgeht – zum Beispiel Therapien – finanziert SOS-Kinderdorf über Spenden.

Derzeit wird ein Haus eingerichtet

SOS-Kinderdorf setzt sich für unbegleitete Minderjährige im Landkreis ein Bild vergrößern

Setzen sich gemeinsam für unbegleitete Minderjährige im Landkreis ein (von links): SOS-Kinderdorfleiter Erich Schöpflin, SOS-Pressesprecher Sebastian Berger, SOS-Regionalleiterin Maria Schwarzfischer, Jugendamtsleiter Peter Rasch und Abteilungsleiterin Yvonne Nissen vom Landratsamt Landsberg beim Pressegespräch.

Wenn die Jugendlichen die Berufsschule besuchen, hofft Schöpflin zudem auf ehrenamtliche Schulpaten und verständnisvolle Anbieter von Praktikumsplätzen. Momentan kann der Schulbesuch mangels Lehrkräften jedoch noch nicht erfolgen. Zudem bedauert der zuständige Leiter des Amts für Jugend und Familie, Peter Rasch, dass der Staat derzeit die Minderjährigen ausschließlich verteilt und sich nicht weiter engagiert. Rasch will nun möglichst unbürokratisch und im Verbund mit allen Stellen “das Beste für die Jungen möglich machen”.   

Vorbereitet hatte sich das Amt schon länger auf die unbegleiteten Minderjährigen – und in SOS-Kinderdorf einen “flexiblen” Partner mit “sehr gutem Ruf” gefunden, betont Rasch. So wird derzeit ein Haus in der Nikolaus-Mangold-Straße in Landsberg eingerichtet, das der Landkreis an SOS-Kinderdorf untervermietet. Dort werden ab Mitte Dezember zehn Jugendliche rund um die Uhr betreut. Anfang Mai 2015 soll dazu ein Gebäude im Wiesenring entsprechend umgebaut sein, das 25 Plätze bietet.

Nachdem SOS-Kinderdorf einst für Kriegswaisen gegründet wurde, passe das aktuelle Hilfsprojekt sehr gut, so SOS-Regionalleiterin Maria Schwarzfischer. Sie hofft auf das Mitwirken der Bevölkerung, damit sich die Jugendlichen schnell integrieren und Perspektiven für die Zukunft entwickeln können. Schöpflin setzt dabei auf Transparenz und das Einbeziehen der Umgebung. So hat er die vier Jugendlichen bereits den Nachbarn und dem Bürgermeister in Hagenheim vorgestellt. Dass die meisten der jungen Flüchtlinge in Deutschland bleiben werden, sieht der SOS-Kinderdorfleiter wie SOS-Pressesprecher Sebastian Berger gerade angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung “als Chance”. Wenn sie schnell beruflich Fuß fassen, meinte auch Peter Rasch, leisteten sie über Arbeit und Steuern „ihren Beitrag zum Gemeinwohl“.

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