17. 02. 2015

SOS-Kinderdorf betreut jugendliche Flüchtlinge

Konzentriert arbeiten die Unbegleiteten Minderjährigen im Deutschunterricht an der Schlossbergschule mit.

Konzentriert arbeiten die Minderjährigen Flüchtlinge im Deutschunterricht in Landsberg mit.

Mohammad, Ali und Obayd können in die Schule gehen!

Das Schicksal der Kriegswaisen ließ Hermann Gmeiner vor mehr als sechs Jahrzehnten nicht mehr los: Angesichts ihrer Not und der damals katastrophalen Zustände in den Waisenhäusern gründete er seine „Societas socialis“. Genau 60 Jahre, nachdem SOS-Kinderdorf in Deutschland Fuß gefasst hat, schließt sich jetzt der Kreis mit der Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger, die vor Krieg, Gewalt und Terror aus ihrer Heimat geflohen sind. Ali (18), Charles (15), Khalid (17), Mohammad (18) und Obayd (17) aus der SOS-Wohngruppe in Hagenheim sind fünf davon.

Vor den Kriegswirren geflohen

Zwischen einem Monat und drei Jahren waren die Jugendlichen unterwegs, um aus Ihren Heimatländern nach Deutschland zu gelangen. Zumeist völlig auf sich allein gestellt schlugen sie sich durch, bis sie endlich aus Afghanistan, Nigeria, dem Iran oder Syrien die bayerische Landeshauptstadt erreichten.
In München „war es nicht so gut“, berichtet Khalid. Bis zu 24 Menschen schliefen in einem Zimmer, dazu war alles „total neu und anders“: Die Menschen, die Kultur, zumindest für ihn auch das Essen und vor allem die Sprache. Die fünf Jugendlichen wünschten sich deshalb vor allem eines – deutsch lernen zu können. Doch das war erst nach ihrem Umzug in den Landkreis Landsberg möglich.

SOS-Kinderdorf hilft bei der Integration

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Sie freuen sich, dass sie im Landkreis angekommen Bild vergrößern

Mohammad, Ali, Obayd, Charles und Khalid haben bei SOS-Kinderdorf in Landsberg ein neues Zuhause gefunden.

Vier Wochen nach ihrer Ankunft ging es los: Die Schlossbergschule stellte Räume zur Verfügung und SOS-Kinderdorf verpflichtete eine eigene Lehrerin, um den mittlwerweile 23 Jugendlichen Wörter, Grammatik und das für sie ungewohnte Schreiben von links nach rechts beizubringen. Khalid kennt sich mittlerweile am Besten aus. Weder Präpositionen wie „auf“, „unter“ und „neben“ noch die erste Vergangenheit machen ihm Probleme. Nur mit „zum” und „zur” steht er noch auf Kriegsfuß. „Die Jugendlichen machen schnell Fortschritte“, freut sich Lehrerin Johanna Schaufler über den Eifer der Unbegleiteten Minderjährigen, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind. "Selbst die Analphabeten unter ihnen beherrschen mittlerweile Lesen, Rechnen und Schreiben." Das Schwierigste war anfangs die Schulstruktur, erzählt Johanna Schaufler. Viele der Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan, dem Senegal und anderen krisengeschüttelten Ländern haben nie eine Schule besucht, kannten die Situation „ein Lehrer – viele Schüler“ nicht, wollten Schaufler ganz für sich alleine. Doch mittlerweile ist es ruhig geworden im Klassenzimmer, arbeiten die neun Jugendlichen in der fortgeschrittenen Gruppe konzentriert an den Aufgaben zur komplizierten deutschen Grammatik.

Smalltalk in der neuen Sprache

Im Klassenzimmer nebenan beschäftigen sich 13 schwächere Schüler gemeinsam mit den Sozialpädagogen Eva Jung und Markus Wierl damit, wie man jemanden in kurzen Sätzen vorstellt. Ganz nebenbei lernen sie das Wort „Faulpelz“, das ihnen großen Spaß macht und kein bisschen auf sie zutrifft. Denn einige von ihnen waren Analphabeten und haben in kürzester Zeit Deutsch schreiben und lesen gelernt. „Sie sind voll motiviert“, strahlt Eva Jung und berichtet, dass viele abends mit dem Deutschbuch in der Hand einschlafen. Zwar sind etliche Wiederholungen des Stoffs nötig, schließlich müssen sich die Jugendlichen nicht nur mit die deutsche Sprache, sondern auch die hier geltenden Regeln, Werte und Gepflogenheiten erlernen. Aber das machen die Jugendlichen mit ihrem Eifer wieder wett.

Integration in die Regel-Klassen

Ein paar von ihnen wie der 14-jährige Harrison aus dem Senegal dürfen deshalb schon stundenweise eine Regelklasse in der Schlossbergschule besuchen. „Dort ist ein toller Klassenlehrer, die Jugendlichen sind sehr gut integriert“, freut sich Schaufler. Überhaupt unterstütze die Schule die Unbegleiteten Minderjährigen „wo es nur geht“. Die Lehrerin übt mit ihren Schützlingen heute für den Einstufungstest, mit dem die Berufsschuleignung der Unbegleiteten Minderjährigen eingeschätzt werden soll. Dazu verteilt sie Arbeitsblätter, die es in sich haben: Die Jugendlichen müssen wissen, was sie in Bäckereien und auf dem Postamt erledigen können, sollen richtig nach dem Weg fragen, aus einem Bild Präpositionen korrekt ableiten und Verkehrszeichen erkennen.
Schaufler mahnt sie, deutlich zu schreiben. Schließlich wäre bei Bestehen des Tests ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu den angestrebten Berufsausbildungen geschafft. Dann könnten die Jugendlichen zumindest an zwei Tagen die Berufsschule besuchen – und ansonsten weiterhin in der Schlossbergschule Deutsch lernen.

Zukunftspläne motivieren

Für die weitere Zukunft haben die fünf Jugendlichen vorerst folgende Pläne: Ali will Modedesigner werden, Mohammad Elektroniker, Obayd Automechatroniker, Charles Profifußballer und Khalid Informatik studieren. Doch zunächst wünschen sie sich ein wenig mehr Mobilität – und die würden ihnen Fahrräder verschaffen.

SOS-Kinderdorf hilft unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Hier erfahren Sie mehr.

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