05. 07. 2016

Selbstständigkeit lernen, Integration fördern

Die neue Wohngruppe hilft bei der Integration

Interkulturelle Jugendwohngruppe startet in Osterholz-Scharmbeck

"Unser Ziel ist, junge Menschen auf das selbstständige Leben gut vorzubereiten“, erklärt Joachim Schuch, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfes Worpswede. Das gilt auch für die neue interkulturelle Jugendwohngruppe des Kinder- und Jugendhilfeträgers in Osterholz-Scharmbeck, in die am Freitag, den 1. Juli 2016 acht junge Flüchtlinge zwischen 15 – 18 Jahren einziehen. Zwei der acht jungen Männer werden in separaten Apartments des zentral gelegenen Wohnhauses ihre Selbstständigkeit trainieren. Ein Team aus vier pädagogischen Fachkräften wird die interkulturelle Jugendwohngruppe begleiten.

Das Engagement für junge Flüchtlinge in der Region liegt dem SOS-Kinderdorf Worpswede besonders am Herzen

Schließlich war der Ursprung vom SOS-Kinderdorf e.V. 1949 die Hilfe für Kriegswaisen. „Nach dem Ankommen in einem fremden Land in Notunterkünften oder im geschützten Raum des SOS-Kinderdorfes Worpswede ist es für die jungen Männer schon etwas Besonderes, ganz zentral mitten in einer deutschen Stadt zu leben“, so Joachim Schuch. Die Flüchtlinge mussten ihre vertraute Heimat verlassen, um Krieg, Terror oder Verfolgung zu entgehen. Sie gaben alles auf und haben eine risikoreiche, monatelange Reise hinter sich. Bevor die acht jungen Männer aus Afghanistan, Pakistan, Somalia und Syrien ihr neues Wohnhaus beziehen, lebten sie in improvisierten Notunterkünften in Schwanewede bzw. im SOS-Kinderdorf Worpswede.

Das Umfeld ermöglicht eine gute Integration

Im Zentrum von Osterholz-Scharmbeck sind für sie jetzt Schule, Ausbildungsstätten und Freizeitangebote vor Ort und besser erreichbar. Das Leben in der Kleinstadt lässt die Jugendlichen aus aller Welt auch tiefer in die deutsche Kultur eintauchen und Kontakte zu Gleichaltrigen aufbauen. Das fördert ihre Integration. Eine gute Vorbereitung für ein zukünftiges, eigenverantwortliches Leben. Ein wichtiger Schritt ins Erwachsensein ist auch das "Trainingswohnen“, das das SOS-Kinderdorf in der neuen interkulturellen Jugendwohngruppe in Osterholz-Scharmbeck anbietet. Zwei der jungen Männer wohnen erstmalig allein in Einzelappartements – kochen, putzen und gestalten ihren Alltag selbst.

Ein fester Ansprechpartner unterstützt sie bedarfsweise in Alltagsfragen, wie z.B. bei der Haushaltsführung, beim Umgang mit Finanzen, Behördengängen oder Arztbesuchen. Übersetzer und Kulturvermittler des SOS-Kinderdorfes Worpswede erleichtern allen Verständigung und Integration. Die sechs anderen Jugendlichen werden von vier pädagogischen Fachkräften wie Sozialarbeitern, Ergotherapeuten, betreut. Sie stehen ihnen bei der Verarbeitung ihrer Vergangenheit, in seelischer Not, bei der Klärung ihrer Perspektiven und beim Weichenstellen für die Zukunft fachlich versiert zur Seite.

Großes Netzwerk der Hilfe

Dabei arbeitet das vierköpfige Pädagogenteam in der interkulturellen Jugendwohngruppe in Osterholz-Scharmbeck eng mit den Fachdienstkollegen des SOS-Kinderdorfes Worpswede zusammen. „Gerade für Heranwachsende sind Angebote wie die ínterkulturelle Jugendwohngruppe in der Stadt enorm wichtig“, sagt Joachim Schuch. Außerhalb des Kinderdorfes prägen vielfältige neue Einflüsse ihr Leben. Wertvolle Impulse, sich Neuland zu erobern, die Entwicklung und Individualisierung fördern. „All unsere Schützlinge sind sehr motiviert, deutsch zu lernen, sich beruflich zu orientieren und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden“, berichtet Joachim Schuch, dessen Pädagogenteam des SOS-Kinderdorf Worpswede schon seit Ende 2015 im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, kurz UMA´s, erfahren ist. Zukünftig ist denkbar, auch deutsche Jugendliche in das neue „interkulturelle Wohnmodell“ in Osterholz-Scharmbeck zu integrieren.