21. 02. 2014Quelle: Britta Schlesselmann / Weser Kurier

Sechsjähriger sammelt für SOS-Kinderdorf

Lenni

Lenni überreicht SOS-Kinderdorf-Mitarbeiterin Sylvia Schikker den Münzenberg

Lenni Stadeler übergibt 100 Euro an das SOS-Kinderdorf-Zentrum

100 Euro und 47 Cent. Diesen Betrag hat das Bremer SOS-Kinderdorf-Zentrum in der vergangenen Woche als Spende erhalten. Der Spender, Lenni  Stadeler, hatte das Geld in Münzen in einem roten Leinensack mitgebracht. Er wusste selbst nicht genau, wie viel es ist. Denn Lenni Stadeler ist erst sechs Jahre alt, geht in die erste Klasse – und kann eine so große Summe noch gar nicht zusammenzählen.

Inspiriert durch ein Buch

Aber gesammelt hat er sie. Und auf die Idee kam er, nachdem er ein Buch geschenkt bekommen hatte: In „Die Geschichte von dem kleinen Reiskorn“ erzählt der Bremer Autor Dirk Böhling, wie der SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner zu Beginn der 60er-Jahre in den Straßen des südkoreanischen Daegu den Waisenjungen Kim Chung Suk kennenlernte. Der Junge lebte auf der Straße und führte Gmeiner durch seine Stadt. Zum Abschied schenkte der kleine Koreaner dem Europäer ein Reiskorn – damit wünscht man sich in Südkorea Glück, Gesundheit, Frieden und ein langes Leben. Und dieses Reiskorn brachte den Kinderdorf-Gründer auf die Idee, Reiskörner in die ganze Welt zu verschicken. Für jedes Korn bat er um einen Dollar. Am Ende kam auf diese Weise genügend Geld für ein Kinderheim in Kims Heimatstadt zusammen.
Schon nach dem ersten Vorlesen dachte sich Lenni, dass er auch etwas für ärmere Kinder machen möchte. „Ich sammle Geld für arme Kinder“, sagte er zu seinen Eltern. Die waren überrascht – und ließen Lenni machen. Zunächst schnitzte und verzierte der Sechsjährige Stöcke und malte Bilder, diese Arbeiten verkaufte er dann in der Nachbarschaft. „Ich bin mit dem Kettcar rumgefahren und habe überall geklingelt“, erzählt Lenni. Fast alle hätten sehr nett reagiert – und auch wenn er seine kleinen Kunstwerke für wenige Cent verkaufen wollte, haben die meisten mehr gegeben.

Kreative Verkaufsidee

Nachdem das Geschäft erst einmal lief, hatte Lenni eine weitere Idee: Mit Hilfe einer Küchenraspel fertigte er Möhrenchips, die er in kleine Tüten verpackte und als „gesunde Chips“ in der Nachbarschaft und an die Eltern seiner Freunde verkaufte. Schließlich plünderte der Sechsjährige auch noch sein Sparschwein. „Wir haben ihn nicht dazu ermutigt, er wollte das einfach“, betont Lennis Vater Nicolaus Stadeler – der offen zugibt: „Ich bin schon stolz darauf, dass er sich so engagiert.“ 

In der vergangenen Woche übergab Lenni Stadeler das Geld nun im Kinderdorfhaus in der Neustadt. Als Dankeschön für sein Engagement bekam er von dem Autor Dirk Böhling und der SOS-Sprecherin Sylvia Schikker einen ganzen Klassensatz des Buches „Die Geschichte von dem kleinen Reiskorn“ geschenkt.

Neue Bastelmaterialien für die Kinder

Mit Lennis Spende sollen Bastelmaterialien für das SOS-Haus in der Neustadt gekauft werden. „Wir haben hier viele offene Angebote und brauchen immer Material“, sagt Sylvia Schikker. Dazu zählen etwa ein tägliches Café in kinderfreundlichen Räumen. Während die Kinder hier in der Spielecke toben können, haben die Eltern die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre zu unterhalten. Außerdem werden in der SOS-Kinderdorf-Einrichtung auch traumatisierte Kinder betreut, die vom Jugendamt hierher vermittelt werden. Sylvia Schikker: „All das kostet sehr viel Geld, darum freuen wir uns immer besonders über Geldspenden.“ Eine weitere könnte dabei auch von Lenni Stadeler kommen. Er verabschiedete sich nach der Übergabe jedenfalls mit den Worten: „Vielleicht spende ich noch mal was.“