19. 04. 2016

„Die Gemeinschaft in einem SOS-Kinderdorf ist immer spürbar“

Musiker Rolf Zuckowski (ganz rechts) unterstützt SOS-Kinderdorf

Musiker Rolf Zuckowski (ganz rechts) im SOS-Kinderdorf Harksheide

"Stups, der kleine Osterhase", "In der Weihnachtsbäckerei", "Ich schaff' das schon" - wer Kinder hat, wird früher oder später bei den Mitmach-Gute-Laune-Liedern von Rolf Zuckowski mitträllern.
Der beliebte Sänger ist auch ein großer Freund von SOS-Kinderdorf, unterstützt die deutschen SOS-Kinderdörfer mit Spenden und hat vor über 35 Jahren Hermann Gmeiner persönlich die Hand geschüttelt. Ein Interview über Kindheit, Familie und Musik.


Herr Zuckowski, Sie haben Hermann Gmeiner 1979 kennengelernt. Wie kam es dazu?
Im Jahr 1979 erschien mein Album „Die Schulweg-Hitparade“. Ich durfte es in einer Ausgabe der NDR-Fernsehsendung „Aktuelle Schaubude“ vorstellen, die live aus dem SOS-Kinderdorf Lütjenburg in Schleswig-Holstein übertragen wurde. Auch Hermann Gmeiner war da. Ich wusste damals von SOS-Kinderdorf nicht mehr als die meisten anderen Spender auch. Doch die Begegnung mit dem Gründer von SOS-Kinderdorf, den ich als einen sehr bescheidenen Mann in Erinnerung habe, war ein starker Impuls, mich mit der Idee von SOS-Kinderdorf und seiner Entstehungsgeschichte näher zu beschäftigen. Es hat mich sehr beeindruckt, was Hermann Gmeiner auf die Beine gestellt hat und auf welche einfache und menschliche Art er Verbündete gefunden hat. Einige Jahre später habe ich ein Benefiztournee zugunsten von SOS-Kinderdorf gemacht und war mehrfach Gast in verschiedenen SOS-Kinderdörfern in Deutschland.

Sie kennen SOS-Kinderdorf seit vielen Jahren und haben miterlebt, wie sich der Verein entwickelt hat. Was bedeutet SOS-Kinderdorf für Sie?
Für mich bedeutet SOS-Kinderdorf vor allem Geborgenheit und Gemeinschaft. Die Menschen, die sich um die Kinder kümmern – Kinderdorfmütter und -väter, Erzieher und Erzieherinnen – strahlen auf mich immer sehr viel Wärme aus. Heutzutage ist SOS-Kinderdorf mehr, als die fünf oder sechs Häuser, in denen Kinderdorfmütter und ihre Kinder leben. SOS-Kinderdorf hat sich zu einer Welt entwickelt, zu der auch Mütter- und Familienzentren oder spezielle Angebote für Jugendliche, die sich in der Ausbildung befinden, gehören. Auch das ist für mich Familie. Eine große Familie und Gemeinschaft, die Kindern und Jugendlichen Geborgenheit und Zukunft bietet. Und diese Entwicklung von SOS-Kinderdorf finde ich sehr beeindruckend.

Jede Familie hat ihre eigenen, besonderen Traditionen. Welche gibt es in Ihrer Familie?
Ein Ritual ist, dass wir bei vielen Gelegenheiten spontan singen. Zum Beispiel bei Begrüßungen, bei Abschieden, bei schlechtem oder gutem Wetter – „Wie gut, dass es die Sonne gibt“ oder „Es schneit, es schneit“ – das sind also viele Lebenssituationen, große und kleine, die schnell im Gesang aufgenommen werden. Das finden unsere kleineren Kinder manchmal unangenehm, aber sie wachsen da hinein. Sie lernen, dass man nicht nur bewusst vorsingen kann, sondern dass Lieder zum Alltag gehören und ganz spontan angestimmt werden können.

Wenn Sie an Ihre eigene Kindheit denken: Was sind Ihre schönsten Erinnerungen?
Die schönste Erinnerung ist das Gefühl, gebraucht zu werden. Unsere Eltern konnten vieles ohne uns Kinder nicht schaffen. Wir halfen im Haushalt: Es gab keine Spülmaschine, keinen Trockner, oft auch keine Waschmaschine – die Eltern waren auf unsere Hilfe angewiesen. Und dieses Gefühl gebraucht zu werden, fand ich nie anstrengend, es war eher ein spielerisches Helfen. Die gemeinsame Beschäftigung hat uns gut getan.

Wenn Sie kein Musiker geworden wären, wären Sie...?
Als Kind hatte ich nie konkrete Berufswünsche.  In der Schule wollte ich Journalist werden, aber diesen Wunsch habe ich nicht verfolgt. Weil ich mir am Anfang  nicht sicher war, ob ich mit Musik Geld verdienen kann, habe ich Betriebswirtschaft studiert. Aber dann habe ich gemerkt, dass die Musik einfach mein Ding ist. Ich habe in meinem Studium sehr viel gelernt, und diese kaufmännische Erfahrung hat mir in meinem Beruf als Produzent und Verleger immer geholfen. Als Musikmacher für Kinder und Eltern konnte ich sehr viel ausprobieren und alles machen, von Musical bis Rock, sogar Ausflüge in die Klassik. Die Zeit, die ich mit Kindern und Eltern verbringe, hat mich als Mensch – geprägt, wie es kein anderer Job vermocht hätte. Es ist ein absoluter Traumberuf. Wenn man davon auch noch leben kann, darf man dem Schicksal wirklich dankbar sein.