01. 10. 2012

Mit Ritualen und Gesprächen gegen Alltagsstress

Familie in einer Wiese / Foto: Alexandra H. - pixelio.de

Wie Geborgenheit ganz einfach gelingt...

 
Hektik, Alltagsstress, ständig neue Anreize und Veränderungen. Familien – egal aus wie vielen Personen sie bestehen – stehen heute vor großen Herausforderungen, wenn sie ein Ort der Geborgenheit und Nähe für Kinder bleiben wollen. Um den Spagat zwischen den verschiedenen Anforderungen meistern zu können, sind erfolgreiche Kommunikation sowie Regeln und Rituale hilfreich, betonen die Familientherapeutinnen Silvia Riegel und Gabriele Schwab sowie Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Braun.

Rituale geben Verlässlichkeit

Wohltuende Entspannungs- und Ruhezeiten schaffen Rituale im Familienalltag, so Riegel und Schwab. Außerdem können sie Energien freisetzen und Übergänge leichter bewältigen helfen, vor allem wenn sie passend auf die jeweilige Familie zugeschnitten sind. So kommen Kinder morgens mit einem kleinen Ritual – zum Beispiel dem Besuch des "Weckkasperls" oder einem fröhlichen Knuddler – besser aus dem Bett. Und bei Babys gelingt die Körperpflege bestens mit einem Fingerspiel-Ritual.Umgekehrt helfen Abendrituale wie das Vorlesen einer (nicht zu spannenden) Geschichte oder das gemeinsame Singen eines Liedes den Kleinen, beim Zu-Bett-Gehen nach all den aufregenden Eindrücken des Tages zur Ruhe zu kommen. Die immer gleichen Verrichtungen geben ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit, betonen die Familientherapeutinnen. Das gilt auch für Abschiedsrituale wie die Umarmung, der Kuss oder die guten und positiven Wünsche für den Tag.

Gemeinsame Mahlzeiten können ebenfalls zum Ritual werden. Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl und haben einen starken kommunikativen Effekt, kann man doch beim Essen alle Neuigkeiten und Erfahrungen des Tages austauschen. Und dieser Austausch ist enorm wichtig auch für die Entwicklung der Kleinkinder, betont Wolfgang Braun. Denn Kommunikation hat viel mit Selbstwert zu tun: Je aufmerksamer Eltern ihren Kindern zu-hören, desto sicherer werden diese. Indem Väter und Mütter die Kleinen ausreden lassen, ihnen das Gehörte spiegeln und damit die eigene Wahrnehmung überprüfen, rückt ihnen die Gedankenwelt ihrer Kinder näher, so dass eine enge Beziehung zwischen Kind und Eltern entsteht.

"Ich" oder "Du"-Botschaften bewirken Vieles

Muntern Väter und Mütter ihre Kindern auf, auch über Gefühle zu sprechen, lernt es, damit besser umzugehen. Durch Gespräche erhöht sich zudem die Aufmerksamkeitsspanne der Kleinen und erweitert sich ihr Wortschatz, so Braun. Für die Eltern ist wichtig zu wissen, dass in der Kommunikation nur sieben Prozent der Botschaft von den verwendeten Worten, 38 Prozent von der Stimme und 55 Prozent von der Körpersprache bestimmt werden. Nachdem besonders Kinder sehr feine Antennen haben, sollte also das was gesagt wird, auch mit dem übereinstimmen, was man tatsächlich meint, um die Kleinen nicht zu verwirren und zu verunsichern. Hilfreich sind zudem Ich- statt Du-Botschaften, denn sie vermitteln Respekt vor den Kindern und vermeiden Schuldzuweisungen. „Ich habe mich geärgert“ klingt eben ganz anders als „Du hast mich verärgert“.

Nicht vergessen sollten Väter und Mütter, ihre Kinder oft und angemessen zu loben, so Braun. Zum Beispiel auch, wenn sie die Familienregeln einhalten. Diese werden am besten gemeinsam mit den Kindern formuliert, aufgemalt und aufgehängt, so Silvia Riegel und Gabriele Schwab. Ebenso wie die Rituale stimmt man sie genau auf die jeweilige Familie ab und legt die – nicht zu vielen – Regeln so fest, dass alle sie leicht befolgen können – Kinder wie Eltern.