21. 12. 2015

Rituale in der Familie

Während die Mama den Haushalt erledigt, kümmert sich die "Vorlese-Oma" um die Kinder

Tipps der SOS-Beratungsstelle Friesland

In allen menschlichen Kulturen und Gesellschaften finden sich Rituale. Diese Rituale sind wiederkehrende, ordnende Handlungen, die die Menschen begleiten und ihnen helfen die Anforderungen ihres Alltags zu meistern. „Sie geben uns Menschen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und bieten Verhaltenssicherheit im Umgang mit Ereignissen“, erklärt Diplom-Pädagogin Anke Karpuschewski als Mitarbeiterin der SOS-Beratungsstelle in Jever. So finden wir in verschiedenen Kulturen zum Beispiel Rituale, um mit Ereignissen wie Abschied, Trauer und Geburt umzugehen.
Genauso hilfreich sind Rituale in kleinen menschlichen Systemen, wie Familien. Auch hier geben diese wiederkehrenden, ordnenden Handlungen bereits dem neugeborenen Kind ein Gefühl von Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen. 

Verlässlichkeit und Vertrauen

SOS-Kinderdorfmutter in Georgien Bild vergrößern

Liebe und Geborgenheit: Zeit zum Kuscheln ist dieser SOS-Kinderdorfmutter aus Georgien besonders wichtig

Denn die Bindungsperson sich die Zeit nimmt, dem Kind auf dem Wickeltisch regelmäßig ein kleines Lied vorzusingen oder das Prozedere des Schlafengehens in einem bestimmten  Ablauf gestaltet wird, bietet dieses dem kleinen Säugling Orientierung. Das Kind wird sich leichter an den Tagesablauf wie zum Beispiel den Tag-und Nachtrhythmus gewöhnen können. „Gerade unruhige Kinder können durch solche sicheren, rituellen Handlungen leichter zur Ruhe kommen“, weiß A. Karpuschewski von der SOS-Beratungsstelle. Durch bestimmte, wiederkehrende Handlungen können sich Kinder auf neue Situationen im Leben einstellen. Das gleiche morgendliche Abschiedsprozedere von Mutter oder Vater erleichtert zum Beispiel den Übergang in andere Einrichtungen wie Kindergärten und Schule. 

Rituale helfen auch beim "Loslassen"

Die an die Rituale gewöhnten Kinder, können sich in diesen Einrichtungen besser eingewöhnen, denn auch hier gibt es festgelegte, wiederkehrende Handlungsabläufe, wie zum Beispiel festgelegte Zeiten für Frühstück im Kindergarten oder Pausenzeiten in der Schule. Diese geben den Kindern Verhaltenssicherheit und helfen den Einrichtungen den dortigen Tagesablauf zu strukturieren. Rituale in Familien bleiben nicht immer die gleichen. Teilweise werden sie über Generationen in Familien weitergegeben, wie zum Beispiel ein bestimmtes Essen zu Feiertagen. Andere Bräuche müssen für die jeweilige Familie passend entwickelt werden. Eltern sollten nicht auf Familienrituale beharren und sie zur verpflichtenden Regel werden lassen.

Karten spielen in einer SOS-Wohngemeinschaft Bild vergrößern

So kann für die neu entstandene Patchwork-Familie etwas ganz anderes zur Tradition werden, als die Familienmitglieder vorher gewohnt waren. Neue Zeremonien, wie zum Beispiel ein wöchentlich stattfindender Spieleabend oder das festgelegte Prozedere zum Abend und zur Nachtruhe können entstehen. Auch das Alter der Kinder spielt für die Veränderung der Rituale eine Rolle. Anke Karpuschewski: „Was nützt es bei pubertierenden oder fast erwachsenen Familienmitgliedern an Ordnungen, wie das sonntägliche gemeinsame Frühstück festzuhalten, wenn es für die Bedürfnisse der Einzelnen einfach nicht mehr passend ist?“ Dann können neue, sinnvolle Rituale, wie zum Beispiel eine gemeinsame Mahlzeit in Form eines Brunches zu einer späteren Uhrzeit am Tag, entstehen.

Rituale im Paaralltag bringen Nähe

Für Eltern, die vielerlei Herausforderungen im Familienalltag bewältigen müssen und kaum noch gemeinsame Zeit miteinander verbringen, können festgelegte Rituale wie zum Beispiel der Tanzkurs oder der gemeinsame Spaziergang an einem bestimmten Wochentag sehr wertvoll sein. Diese festgelegten Gewohnheiten bringen die Eltern im Alltag dazu, sich als Paar miteinander Zeit zu nehmen und stärken die emotionale Verbundenheit miteinander.