01. 06. 2012Quelle: Helena Meier VIE-MAGAZIN

Ein Tag bei SOS-Kinderdorf, der Helena Meier verzauberte

Helena Meier schaut Ausbildungskoch Günther Gary in die Töpfe

Helena Meier schaut Ausbildungskoch Günther Gary in die Töpfe

Redakteurin Helena Meier  durfte einen Tag lang hinter die Kulissen der Berliner SOS-Kinderdorfeinrichtungen blicken

Kleine Einfamilienhäuschen mit idyllischen Vorgärten, eine Mutter, die mit Kindern – mindestens fünf – Ball spielt. Bilder, die ich sofort vor Augen hatte, als die Einladung von SOS-Kinderdorf Berlin auf meinen wie immer viel zu vollen Schreibtisch flatterte. Für einen kurzen Moment hatte ich all den Alltagsstress vergessen und lächelte. SOS-Kinderdorf mitten in der Stadt? Berufsausbildungszentrum? Ich wurde neugierig! Noch nie davon gehört. Also sagte ich zu.

11 Uhr: die OSRAM-Höfe im Wedding

Eingang des Restaurants ROSSI Bild vergrößern
Gemeinsam mit zwei offensichtlichen Geschäftsmännern fahre ich mit dem Aufzug hoch in den 4. Stock des ehemaligen Industriegebäudes. Ihren Gesprächen entnehme ich, dass sie Kooperationspartner von SOS-Kinderdorf sind und wohl schon einige Azubis aus dem BAZ, wie das SOS-Berufsausbildungszentrum genannt wird, übernommen haben. Empfangen werden wir im ROSSI, dem Ausbildungsrestaurant. Ich geselle mich an einen der Stehtische zu einer Dame, die sich als Leiterin des SOS-Kinderdorfes Berlin-Moabit vorstellt. "Ha, also doch ein richtiges SOS-Kinderdorf, aber in Berlin-Moabit? Wo soll das denn sein?", platzt es aus mir raus und gleich habe ich wieder die idyllischen Einfamilienhäuschen im Kopf.

Viel mehr als nur ein Kinderdorf

Kirsten Spiewack lächelt und klärt mich auf: SOS-Kinderdorf umfasst heute weit mehr als die klassischen SOS-Kinderdörfer, die die meisten (gut, es geht nicht nur mir so) mit dem Verein verbinden – SOS-Kinder- und Jugendhilfen, SOS-Ausbildungszentren, SOS-Beratungszentren, SOS-Mütterzentren, SOS-Dorfgemeinschaften und SOS-Mehrgenerationenhäuser. Allein in Berlin ist SOS-Kinderdorf mit drei von mehr als 40 Einrichtungen vertreten: dem SOS-Berufsausbildungszentrum, in dem wir gerade sind, dem SOS-Familienzentrum in Hellersdorf und dem SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit. „Dem ersten SOS-Kinderdorf in einer deutschen Großstadt“, wie Kirsten Spiewack nicht ohne Stolz hinzufügt. „Derzeit geben wir 24 Kindern, die in vier Familien leben, Perspektiven auf ein gutes Leben.“ Bevor ich fragen kann, warum man mit den Kindern nicht ins Grüne zieht, erklärt mir Kirsten Spiewack, dass es für die Kinder wichtig ist, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben – in der Nähe von Freunden, der Schule und der Familie. Heute haben die Kinder, die im SOS-Kinderdorf leben, meist noch leibliche Eltern, können aber aus verschiedenen Gründen nicht bei ihnen aufwachsen. Und grün sei es sehr wohl im Garten des SOS-Kinderdorfs in Moabit.

Das SOS-Familienzentrum: Offen für alle Berliner

Zwei Mädchen essen Spaghetti Bild vergrößern

Auch alle anderen Menschen im Stadtteil können die Einrichtung nutzen, zum Beispiel deren Erziehungs- und Familienberatung oder den Familientreff. Diese und viele weitere Angebote gibt es auch im SOS-Familienzentrum in Hellersdorf, erfahre ich weiter. Das leitet der Kollege Thomas Walter. Sie deutet auf einen Herren im Eck, der sich gerade angeregt mit den Auszubildenden des BAZ unterhält. Ich könnte Frau Spiewack noch ewig lauschen, bin völlig verzaubert, wie sehr sich SOS-Kinderdorf in Berlin für Kinder, Jugendliche und Familien einsetzt. Doch jetzt geht’s offiziell los. Nach der Begrüßung und einem mitreißenden und unglaublich professionellen Film, den die Mediengestalter-Azubis kreiert haben, startet die Führung durch das BAZ – und zwar gleich passend in den sos.studios. Hier haben die jungen Menschen in den letzten Jahren zahlreiche Clips auch für externe Auftraggeber produziert. Burkhard Schäfer, Leiter des BAZ und ein Berliner wie er im Buche steht, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Wie bei Kirsten Spiewack spürt man auch bei ihm sofort die Leidenschaft in jedem Wort, das er über die Einrichtung erzählt. Durchschnittlich 250 Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund ihrer Vorgeschichte keinen oder nur einen unzureichenden Schulabschluss mitbringen bzw. individuellen Förderbedarf haben, bekommen hier seit 15 Jahren Perspektiven. Dank Ausbildung, Qualifizierung, Berufsberatung, -orientierung und -vorbereitung. Er führt uns weiter in die Übungsküche. Kochausbilder Günter Gary, dessen Pralinenkreationen legendär sind, wie Thomas Walter aus dem SOS-Familienzentrum mir zuflüstert, erwartet uns schon. Am liebsten möchte ich gleich mit ihm den Kochlöffel schwingen. Aber es gibt noch viel zu sehen.

Hilfe und Unterstützung für Alleinerziehende

Friseur-Azubis beim Haareschneiden Bild vergrößern

Zum Beispiel das BAZini. Hier werden Kinder von jungen alleinerziehenden Müttern betreut, die im BAZ ihre Ausbildung machen oder beim beruflichen Wiedereinstieg begleitet werden. Ein simples, aber sinnvolles Prinzip, das sich so mancher Unternehmer auf die Fahnen schreiben sollte. Unsere letzte offizielle Station ist der Hoffriseur, der sich im Erdgeschoss der OSRAM-Höfe befindet. Hier kann sich übrigens jeder von den Auszubildenden stylen lassen, natürlich unter fachkundiger Anleitung der beiden Friseurmeisterinnen. Burkhard Schäfer verrät mit einem Augenzwinkern, dass man manchmal ein wenig Geduld mitbringen muss, aber Preis und Ergebnis das allemal wettmachen. Auch wenn ich versucht bin, mir eine spontane Maniküre bei den netten Mädels zu gönnen, treibt mich mein Appetit mit der Gruppe zurück ins ROSSI. Die Spargelkreation und das Erdbeerdessert waren es wert. Mmmmhhh! Wer sich selbst überzeugen möchte, macht es wie viele Geschäftsleute aus der Umgebung und schlemmt beim täglichen Mittagstisch im ROSSI für kleines Geld.

Das gesparte Geld lässt sich beispielsweise ganz wunderbar spenden. Denn nach allem, was ich heute erleben durfte, weiß ich: Berlin braucht SOS-Kinderdorf. Und SOS-Kinderdorf braucht Euch, liebe Berliner.

Weitere Informationen gibt es unter www.sos-kinderdorf-berlin.de

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2 Mädchen aus dem Kinderdorf Berlin-Moabit

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