09. 01. 2015

Neues Zuhause, neues Leben

Endlich ein dauerhaftes Zuhause: SOS-Kinderdorfmutter Nicole und ihre Kinder

Endlich ein dauerhaftes Zuhause: SOS-Kinderdorfmutter Nicole und ihre Kinder

Fünf Jahre nach dem schweren Beben wurde nun das dritte SOS-Kinderdorf in Haiti offiziell eröffnet. Endlich können die SOS-Kinderdorfkinder, die bisher in angemieteten Häusern untergebracht waren, ein neues dauerhaftes Zuhause beziehen.

SOS-Kinderdorfmutter Nicole hat bereits mit den Umzugsvorbereitungen angefangen. Überall in der Wohnung stapeln sich beschriftete Kartons mit dem Hab und Gut der Familienmitglieder. Die großen Kartons enthalten etwas Besonderes: die Spielsachen der Kinder. Die Vorfreude ist überall zu spüren: schon bald werden sie in das neu errichtete SOS-Kinderdorf Les Cayes umziehen.

Aufgeregt inspiziert die SOS-Kinderdorffamilie das neue Dorf Bild vergrößern

Aufgeregt inspiziert die SOS-Kinderdorffamilie das neue Dorf

Nicole Princivil betreut als SOS-Kinderdorfmutter neun Kindern zwischen 9 und 17 Jahren. Zum ersten Mal seit vier Jahren wird die Familie ihr eigenes Zuhause beziehen – endlich ein Zuhause auf Dauer, in dem sich jeder wohl fühlen und die Schrecken der Vergangenheit verarbeiten kann. Für Nicole und die Kinder ist das alles sehr aufregend. „Wir freuen uns sehr, denn im Dorf wird ein familiärer Zusammenhalt wie in einer Großfamilie herrschen. Draußen war das nicht so. Im Kinderdorf werden wir mehr Unterstützung erfahren und uns sicherer fühlen“, freut sich Nicole. 

Große Solidarität

Die Geschichte von Nicoles SOS-Kinderdorffamilie beginnt im Januar 2010. Nach dem verheerenden Erdbeben, das Haiti erschütterte, mussten kurzfristig fast 400 Kinder im SOS-Kinderdorf Santo nahe der Hauptstadt Port-au-Prince untergebracht werden. „Nach dem Erdbeben war die Lage in Haiti katastrophal. Viele Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, schliefen auf der Straße. Die Bedingungen waren oft verheerend“, erinnert sie sich. Gemeinsam haben alle Verantwortlichen versucht, so vielen unbegleiteten Kindern wie möglich zu helfen. An diesem kritischen Punkt öffnete SOS-Kinderdorf seine Türen und wurde zum sicheren Zuhause für viele Kinder. Mario Brusa war damals ehemaliger Direktor von SOS-Kinderdorf in Haiti: „Vor dem Erdbeben waren etwa acht oder neun Kinder in jedem Familienhaus untergebracht, dann waren es plötzlich 20. Aber alle Mitarbeiter kooperierten. Es herrschte eine sehr große Solidarität“. Celigny Darius, der aktuelle Direktor von SOS-Kinderdorf Haiti, hat die Solidarität damals hautnah miterlebt: „Die größte Herausforderung nach dem Erdbeben war es, alle unbegleiteten Kinder aufzunehmen. Das Dorf war einfach zu klein. Deshalb haben wir so viele temporäre Unterkünfte wie möglich errichtet“. 

Ein neues SOS-Kinderdorf für die Erdbeben-Waisen

Haiti: Die Hermann-Gmeiner-Schule ist schon fertig Bild vergrößern

Haiti: Die Hermann-Gmeiner-Schule ist schon fertig

Ein Hauptziel war auch, möglichst viele Kinder wieder mit ihren Herkunftsfamilien zu vereinen – doch zu viele hatten all ihre Verwandten verloren. 43 Waisen wurden auf die beiden bestehenden Kinderdörfer in Haiti aufgeteilt – für weitere 60 Kinder sollte ein neues Kinderdorf in ländlicher Gegend entstehen. Als Übergangslösung wurden ein paar Häuser in Port-au-Prince und anschließend in Les Cayes angemietet, in denen die Kinder bis zur Fertigstellung des Baus untergebracht wurden.  

Selbstvertrauen wieder aufbauen

„Viele Kinder haben ein schweres Trauma erlitten. Die Eingewöhnungsphase war zeitweise wirklich kompliziert“, weiß SOS-Kinderdorfmutter Nicole. Daher wurden schon bald nach dem Erdbeben die SOS-Mitarbeiter dahingehend geschult, traumatisierte Kinder besser unterstützen zu können. Besonders viel Unterstützung brauchte damals der kleine Charles. „Der kleine Junge hatte seinen Lebensmut verloren, sah keinen Sinn mehr darin, zur Schule zu gehen. Ich versuchte Charles immer wieder zu vermitteln, dass sein Leben noch nicht vorbei ist -  auch wenn Vater und Mutter gestorben sind! Mittlerweile ist Charles ganz gut in der Schule. Er mag Erdkunde.“ „Und Mamas Küche!“, fügt Charles hinzu. 

Vorfreude auf eine gute Zukunft

Nicole ist stolz darauf, was sie und die Kinder bisher zusammen geschafft haben. Sie genießt die Vorfreude der Kinder auf das neue Zuhause. Besonders Charles ist voller Enthusiasmus: „Ich möchte endlich in unser neues Haus einziehen. Mir gefällt es dort. Es ist ein großes, schönes Haus, in dem viel Platz ist“. Und SOS-Kinderdorfmutter Nicole fügt hinzu: „Was könnte Kinder glücklicher machen als ein neues Zuhause, in dem sie ihre Freunde öfter sehen können und ausreichend Platz zum Spielen und Rumtollen haben?“, fragt sie.

Vielen herzlichen Dank!

Ihre Hilfe war so wichtig: Dank der finanziellen Unterstützung unsere Spender konnten wir in nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami auf Haiti nicht nur schnell, sondern nachhaltig helfen. Auch heute noch ist SOS-Kinderdorf vor Ort und kümmert sich um die Kinder und Familien.

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