10. 07. 2012Quelle: SOS-Kinderdorf

"Diese Freude findest Du nur in Kinderaugen"

Schauspieler Herbert Knaup mit Kindern aus dem SOS-Kinderdorf Berlin

„Ich bin schon als Grundschulkind mit der Büchse herumgelaufen und habe für SOS gesammelt. Ich hatte ja selbst eine relativ unbeschwerte Kindheit, komme mütterlicherseits aber auch aus einfachen Verhältnissen. Ich finde es großartig, dass Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer, sich aus eigener Betroffenheit heraus weltweit für Kinder ohne Eltern oder ein richtiges Zuhause eingesetzt hat. Wie meine Mutter kam er aus einer Bauernfamilie – und wuchs übrigens in der Nähe meines eigenen Heimatortes auf. Er hat ganz klein angefangen und bis heute ist daraus ein soziales Hilfswerk gewachsen – mit SOS-Kinderdörfern und -Einrichtungen in allen Kontinenten. Dort wird überall Familie gelebt, und Kinder bekommen das, was für sie am wichtigsten ist: Sicherheit, die Zuwendung von Menschen, denen sie vertrauen können, Förderung und die Kontinuität eines geregelten Familienalltags; auch hier, mitten in Berlin, wo ich jetzt lebe.“

Schauspieler Herbert Knaup engagiert sich als Botschafter für den SOS-Kinderdorf e.V. Als Vater zweier Söhne ist er bei aller Prominenz mit beiden Beinen auf der Erde geblieben. Und sein Herz schlägt für Kinder, die nicht so viel Glück hatten wie er selbst.

Herbert Knaup ist mitten in Berlin zu Hause. Aber wer mit ihm über sein Engagement für SOS-Kinderdorf sprechen will, muss bei seiner Kindheit im Allgäu anfangen. Denn schon im Grundschulalter ist er mit der Sammelbüchse für SOS herumgelaufen.

Was hat Sie damals auf die Idee gebracht, für SOS-Kinderdorf Geld zu sammeln?
Wir haben uns in der Schule freiwillig gemeldet. Zuerst haben wir selbst ein paar Pfennige in die Büchse geworfen, damit es richtig scheppert. Und damit die Leute aufmerksam werden auf uns und die Kinder, denen es nicht so gut geht. Das hat die Herzen bewegt, viele haben was gegeben. Denn alle wussten: Bei SOS-Kinderdorf ist das Geld am richtigen Fleck und kommt ganz sicher den Kindern zugute.

Sie haben einen ganz persönlichen Bezug zu Hermann Gmeiner, dem Gründer der SOS-Kinderdörfer, wieso?

Herbert Knaup mit Kindern im Streichelgehege Bild vergrößern

„Besonders spannend war die Begegnung mit fremden Tieren. Diese Freude findest du nur in Kinderaugen“, so Herbert Knaup.

Gmeiner stammte aus Alberschwende. Das ist nur fünfzig Kilometer von meinem Heimatort entfernt auf der anderen Seite der Berge. Gmeiner ist 1920 geboren, meine Mutter 1919 – diese Generation hat den Krieg erlebt und gesagt: Das darf nie wieder passieren. Der Mensch muss lernen, hilfreich für andere zu sein. Gmeiner hat aus diesem Gedanken heraus ein soziales Hilfswerk aufgebaut mit heute über 500 Kinderdörfern weltweit. Er war ein ganz besonderer Mensch und ein richtiger „Bergler“, wie wir sagen: bescheiden, immer ein offenes Ohr für andere, pragmatisch und stur. Wenn solche Menschen etwas gefunden haben, ob das ein Stein, eine Quelle oder eine Idee ist, dann verfolgen sie das, bis sie ihr Ziel erreichthaben.

Und das, obwohl Gmeiner aus sehr einfachen Verhältnissen stammte.
Meine Mutter kommt ja auch von einem Bauernhof. Und meine Tante wohnte in einem so winzigen Bauernhaus, dass ich mich beim Besuch immer klein machen musste, weil die Decken so niedrig waren. Die Atmosphäre war dort sehr heimelig und geprägt von großem Zusammenhalt. Darum geht es ja auch bei SOS-Kinderdorf. Um dieses Grundgefühl der
Sicherheit, das es nur in einer Familie gibt. Gemeiner hatte diese Sicherheit verloren, als seine Mutter starb – ein schmerzlicher Verlust. Deshalb sagte er: Es muss für jedes Kind ein liebevolles Zuhause geben, auch wenn die Eltern nicht mehr für ihre Kinder da sein können. 

In einer SOS-Kinderdorffamilie wachsen Kinder mit Geschwistern auf. Sie haben ja selbst drei Geschwister. War das als Kind ein Vorteil?
Geschwister sind Vertraute, die einem großen Halt geben können. Nicht nur als Kind habe ich das hilfreich erlebt. Großfamilien mit mehreren Kindern gibt es ja heute kaum mehr, dafür immer mehr Kleinfamilien. Umso wichtiger ist es, dass Familie als Lebensraum erhalten bleibt. Schließlich ist Kinder zu haben eine Aufgabe, die dem Leben Sinn gibt. Und es ist schön, sie beim Heranwachsen und Erwachsenwerden zu begleiten.

Eine Aufgabe, die Sie als Vater zweier Söhne sehr ernst nehmen. Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig, wenn man Kinder begleitet?

Herbert Knaup besuchte  mit den Kindern des SOS-Kinder- und Familienzentrums München das "Sea Life". Bild vergrößern

Herbert Knaup besuchte  mit den Kindern des SOS-Kinder- und Familienzentrums München das "Sea Life".

Gegenseitiges Vertrauen, aber auch verlässliche Regeln im Familienalltag und Kontinuität: Morgens aufstehen, gemeinsam frühstücken, zur Schule gehen, und jeder hat seine Aufgaben im Haushalt. Besonders wichtig ist: Kinder müssen Selbstvertrauen lernen, damit sie stark werden für ihr eigenes Leben. Wie gut das in SOS-Kinderdorffamilien gelingt, beeindruckt mich immer wieder. Dazu fällt mir ein junger schwarzer Mann ein, der im SOS-Kinderdorf Südafrika aufgewachsen ist und eine Schreinerlehre gemacht hat. Jetzt hat er eine eigene Schreinerei mit 20 Angestellten und bildet Jugendliche aus SOS-Kinderdörfern aus. Das ist eine echte SOS-Erfolgsgeschichte. Ich unterstützte SOS-Kinderdorf, damit es noch viele solcher Geschichten gibt, und wünsche mir, dass dies auch viele andere tun.  

ZUR PERSON
Herbert Knaup wuchs im Allgäu als Sohn eines Musikers auf und  besuchte die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München. Danach arbeitete er als Darsteller an renommierten Bühnen wie dem Schauspielhaus Köln, dem Volkstheater Wien und den Hamburger Kammerspielen. Mit „Wallers letzter Gang“ gab er 1988 sein Spielfilmdebüt und arbeitet seitdem mit Deutschlands Top-Regisseuren zusammen, darunter Joseph Vilsmaier („Schlafes Bruder“), Rainer Kaufmann („Unschuldsengel“) und Sherry Hormann („Irren ist männlich“). Herbert Knaup verkörperte als vielseitiger Darsteller schon viele anspruchsvolle Rollen. Er erhielt unter anderem den Deutschen, den Bayerischen und Hessischen Filmpreis sowie die Goldene Kamera. Nebenbei ist er mit seinen beiden Neffen als Musiker aktiv.