10. 02. 2016

Meinung haben lohnt sich

Neu gewählt: die Kinder- und Jugendvertretung hat viel vor!

Neu gewählt: die Kinder- und Jugendvertretung hat viel vor!

Die Kinder- und Jugendvertretung im SOS-Kinderdorf Harksheide erreicht viel Konstruktives

Das Dorfhaus im SOS-Kinderdorf Harksheide ist gut besucht. Es herrscht die übliche quirlige Lebhaftigkeit, die immer herrscht, wenn alle Kinder des Dorfes sich versammeln. Doch die Unruhe legt sich bald von alleine, denn heute geht es um etwas Wichtiges, das allen am Herzen liegt: Die Neuwahl zur Kinder- und Jugendvertretung steht an.

Als 2014 nach langer Pause wieder eine Kinder- und Jugendvertretung im SOS-Kinderdorf Harksheide gewählt wurde, gab es durchaus ein paar skeptische Stimmen, die der Sache mit geringen Erwartungen entgegen sahen. Heute nennt Dorfleiter Jörg Kraft die Zusammenarbeit "belebend und konstruktiv", und auch die Kinder- und Jugendlichen haben erlebt, dass es sich lohnt, eine Meinung zu haben und sich dafür einzusetzen.

Debbie wird in ihrem Amt bestätigt

Fußballfreunde aus Harksheide Bild vergrößern

Das Thema "Fußball" wird im SOS-Kinderdorf Harksheide groß geschrieben

"Klar, am Anfang hatten wir auch keinen echten Plan, was da wohl laufen wird" sagt Debbie, die später an diesem Nachmittag zum zweiten Mal zur Jugendvertreterin des Dorfes gewählt werden wird. „Aber mittlerweile läuft das wirklich gut, und wir haben schon ein bisschen was erreicht“. Tatsächlich liest sich die Bilanz des vergangenen Jahres nicht schlecht. So setzte man Umbaumaßnahmen am Sportplatz durch, war an der Neueinrichtung des Beschwerdemanagements ebenso beteiligt wie an der Entwicklung des Ferienprogramms, und brachte dazu noch etliche weitere Themen wie Wlan für alle, Nachhilfeprogramm und Fahrradwerkstatt auf die Tagesordnung, um die sich jetzt die nächste Kinder- und Jugendvertretung kümmern muss.

Am Anfang musste sich das alles erst finden, und es habe Momente gegeben, wo die Skeptiker Recht zu behalten schienen, erzählt Cindy Klein vom Harksheider Jugendtreff NO7, die den Prozess unterstützt und intensiv begleitet. So gab es beispielsweise anfangs die Forderung nach Flutlicht für den Sportplatz. "Heute spielt Unrealistisches in der Diskussion aber keine Rolle mehr. Die Jugendlichen nehmen das sehr ernst und fangen jetzt erst an, sich ihrer Themen wirklich bewusst zu werden, weil sie auch ihre Wirksamkeit gespürt haben". Geholfen habe dabei sicherlich, dass man sich beim Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Orientierung verschafft habe. „Die Sitzung dort zu besuchen war für unsere Kinder sehr aufschlussreich und hat ihnen viele Hemmungen genommen“, so Klein. Mittlerweile sei das Selbstbewusstsein so weit gewachsen, dass man bereits die Teilnahme am nächsten Landesjugendkongress plane. Später am Nachmittag wird die Motivation der Jugendlichen auch durch die Wahlbeteiligung belegt. "Lassen wir die Jugendwohngruppe, die weitgehend ihren eigenen Alltag lebt, außen vor, hätten wir eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent“.

Gute Ideen, sinnvolle Argumente

Fröhliche Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide Bild vergrößern

Die Kinder- und Jugendvertretung setzt sich für die Belange aller Kinder ein

Auch der SOS-Kinderdorfleiter Jörg Kraft bestätigt diese Eindrücke. „Die Kinder arbeiten sehr konzentriert, sehr zielgerichtet. Sie haben sich wirklich darauf eingelassen und wollen etwas erreichen“. Die Gespräche verliefen in guter Atmosphäre, so Kraft, und die Jugendlichen würden es auch mal verkraften, wenn es zu keinem gewünschten Ergebnis kommt. Für Sebastian Wietz, den zweiten neugewählten Harksheider Jugendvertreter, ist die konkrete Verantwortung zwar noch neu, aber die Idee der Kinder- und Jugendvertretung kennt er als langjähriger Harksheider SOS-Kinderdorf-Bewohner natürlich gut. Und damit auch die Aufgaben, die auf ihn warten. Die richtig heißen Eisen für das kommende Jahr? Sebastian muss nicht lange nachdenken. „Das Soccerfeld und Wlan für alle“. Gerade das letztgenannte Thema bewege die Jugend des Dorfes sehr. „Natürlich begreifen wir die Bedenken der Erwachsenen, aber die denken immer als erstes an den Missbrauch. Wir denken aber an die Hausaufgaben, denn unsere Lehrer glauben, wir haben alle ohne weiteres Internetzugang“.

Leicht macht es die Kinder- und Jugendvertretung dem Dorfleiter dabei nicht, denn sie fordert nicht einfach nur Wlan für alle, sondern macht auch bereits Vorschläge zu der sicheren Umsetzung, wie Passwortverwaltung durch Erwachsene oder die Einrichtung eines kontrollierten Hotspots. Und Debbie und Sebastian wissen auch, dass der Verein zu diesem Thema seine generellen Bedenken hat. "Das kennen wir, ja, aber vielleicht muss der SOS-Kinderdorfverein dann eben dazulernen". Fallen lassen, so Sebastian, könne man das Thema Wlan nicht, schließlich sitze man ja auch einmal im Monat mit allen anderen Kindern im Kinderteam zusammen, „und die wollen wissen, wie das weitergeht“.

Kommunikation als Schlüssel für mehr Verständnis

Man wird sehen, wie sich das entwickelt, da gerade bei so wichtigen Themen, die viele bewegen, auch schnell Missverständnisse entstehen. Diese verhindern helfen soll Stefan Holm, ein junger Mitarbeiter, der bei der diesjährigen Wahl von den Kindern und Jugendlichen des Dorfes zur Vertrauensperson gewählt wurde. Er soll zukünftig bei allen Besprechungen der KJV dabei sein und, neben seiner Aufgabe als vertraulicher Ansprechpartner die Kommunikation fördern.