02. 01. 2013

Auf der Opernbühne

SOS-Kinderdorfkinder schnuppern Opernluft

Auf der Bühne der Opernakademie Blankenese sitzen 12 Meerjungfrauen in schillernden Kostümen. Und wer die erwartungsvoll dreinblickenden Meerjungfrauen, die mit verschränkten Armen in der ersten Reihe sitzen, bemerkt hat, der könnte fast meinen, tatsächlich in der Unterwasserwelt gelandet zu sein.

Als Meerjungfrauen auf der Bühne...

zauberhaft: Die Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf als Nixen Bild vergrößern

Zauberhaft: Die Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf als Nixen

Doch es sind 12 Mädels aus dem SOS-Kinderdorf Schwarzwald, die sich aufgemacht hatten, in die ihnen bis dahin unbekannte Welt der Oper einzutauchen. Keine von ihnen kannte bis dahin „Don Giovanni“, „Nabucco“ oder „Die Macht des Schicksals“. Und nun waren sie nicht nur da, um einer Aufführung beizuwohnen, nun standen sie selbst auf der Bühne – mit Sängern wie Wilhelm Schwinghammer und Andrea Siebert. Letztere hatte die Idee zu dem besonderen Projekt, Kinder aus dem Kinderdorf mit namhaften Künstlern zusammen zu bringen und so die Liebe zu einer Musik zu wecken, die für die meisten von ihnen bis dahin unerschlossenes Terrain war. Zusammengefügt von der Erzählung der kleinen Meerjungfrau, von niemanden Geringerem gelesen als von Jens Wawrczeck, den viele Kinder von den „Drei ???“ oder „Petterson und Findus“ kannten, führte der Abend durch ein breites Spektrum der Opernliteratur. Wer beobachtete, wie selbstverständlich sich die Kinder zuletzt in das Einsingen des Opernchores der Akademie einklinkten, wie sie sich während der Proben in Hamburg auf die Musik einließen, könnte den Eindruck gewinnen, all dies sei Normalität.

Oper macht doch Spaß!

Doch der Kenner weiß, wie lang ein Weg zu solchen Sternstunden sein kann. Welten scheinen zwischen den ersten Proben in Sulzburg und dem letzten Abend in Hamburg zu liegen. Zwischen Diskussionen über Probendisziplin auf der einen Seite und der hoch motivierten Aufmerksamkeit auf der anderen Seite. Aber am Ende ergeht es allen beteiligten Erwachsenen gleich, als die hellen und klaren Stimmen der Mädchen sich zum „Ave Maria“ (Caccini) vereinigen – dem besonderen Zauber des Augenblickes kann sich kaum jemand entziehen. Für einen Moment scheint die Zeit still zu stehen und als Lohn für einen langen Weg sinkt die Gewissheit in das Bewusstsein, dass sich der Weg mehr als gelohnt hat. Für die Mädchen blieb indes am Ende des Abends natürlich noch eine Frage offen: Würde die Autogrammkarte des Opernsängers Wilhelm Schwinghammers zwischen den Postern von Luca und Justin Biber noch Platz finden?