30. 05. 2016

Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

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Tipps aus der SOS-Beratungsstelle des SOS-Kinderdorf e.V.

Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen seit Jahren nicht mehr weg zu denken. In fast allen Haushalten in Deutschland sind zahlreiche technische Geräte vorhanden, u.a. Handy, Computer, Laptop, Fernseher und Internetzugang.

97 Prozent aller Kinder und Jugendlichen nutzen das Internet

Laut der JIM Studie 2015, eine Studienreihe, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest jährlich erstellt, sind mit 10 Jahren fast alle Kinder online, mit 12 Jahren haben die meisten Kinder ein eigenes Smartphone, mit 14 Jahren nutzen 97 Prozent aller Jugendlichen das Internet. 80 Prozent aller Jugendlichen sind täglich online, 92 Prozent haben vom eigenen Zimmer aus Zugriff auf das Internet. Für 87 Prozent der Kinder und Jugendlichen ist das Handy ein ständiger Begleiter und aus ihrem Leben nicht mehr weg zu denken.

"Auch wenn das für uns Leser erst einmal nur Zahlen sind, so sollten wir Erwachsene und besonders Eltern sich klar machen, in welchem Umfang und Ausmaß unsere Kinder die heutigen Medien nutzen“, so Andrea Schulte, Leiterin der Beratungsstelle Friesland. 83 Prozent aller Eltern erklären, sie hätten kaum ein internetfähiges Gerät mit einem Kinderschutz-Programm gesichert. „Viele Eltern wissen tatsächlich nicht, auf welchen Seiten ihre Kinder surfen, wodurch die Gefahr besteht, dass die Kinder auf ungeeignete Seiten gelangen. Das liegt daran, dass die Eltern sich oftmals nicht die Zeit nehmen oder nicht das entsprechende Wissen haben, um zum Beispiel entsprechende Schutzprogramme aufzuspielen.

Informationsüberflutung und der richtige Umgang damit

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Andrea Schulte kennt sich mit Medienpädagogik aus.

Aber, eine zu große Unbedarftheit mit dem Umgang im Internet halte ich, besonders für jüngere Kinder, nicht angebracht“, erläutert Andrea Schulte. So kann es durch aus passieren, dass Kinder, die noch nicht geschäftsfähig sind, über das Internet auf Shoppingtour gehen, was für die Eltern dann eine weniger erfreuliche Überraschung sein kann. „Eltern verwechseln oft die technischen Fertigkeiten ihrer Kinder mit den kognitiven Fähigkeiten, d.h. besonders junge Kinder sind von ihrer geistigen Entwicklung noch gar nicht in der Lage, die Masse an Informationen, die sie durch das Internet erhalten, zu reflektieren und zu sortieren.“

Soziale Netzwerke und die echten Freunde

Je älter die Jugendlichen sind, desto höher ist der Anteil der intensiven Nutzung, d.h. die 18-19 jährigen nutzen zu 90 Prozent täglich das Internet. Genutzt wird das Netz für Kommunikation, Unterhaltung und Information seitens der Jugendlichen. Die wichtigsten Apps auf den Smartphones sind Whats App, Facebook, Foto Apps, Spiele Apps und YouTube. Eine aktuelle Forsa Studie sagt, dass inzwischen fast 4 Prozent der Jugendlichen eine Internetsucht entwickelt haben, d.h. sie sind mehr als sechs Stunden täglich online. Fast 14 Prozent zeigen einen exzessiven Gebrauch und davon sind Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen. Die Langzeitfolgen von diesem ausufernden Gebrauch des Internets kann man aktuell noch nicht genau bestimmen. Erwiesen ist aber jetzt schon, dass Jugendliche eine schlechtere Bindung zu Gleichaltrigen aufbauen, sich sozial isolieren und sich daher von anderen ausgegrenzt fühlen.

Eltern sollten mit ihren Kindern in Kontakt bleiben

Andrea Schulte rät Eltern daher, mit ihren Kindern im Kontakt zu bleiben. „Handyverbote oder andere Strafen helfen da nur wenig. Besser ist es, wenn Eltern mit ihren Kindern regelmäßig reden, sie fragen, was gerade in ihrem Leben ansteht. Auch wenn Jugendliche kaum ein Interesse an einem Gespräch zeigen, signalisieren die Eltern somit ihren Kindern, dass sie für sie da sind. Kinder und Jugendliche sollen wissen, dass ihre Eltern „auf dem aktuellen Stand“ sind, dass es Regeln für die Nutzung der Geräte gibt, die natürlich dann auch von allen Familienmitgliedern eingehalten werden.“

Alternativen zur elektronischen Welt entwickeln

Jede Stunde, die die Kinder und Jugendlichen am Computer verbringen, ist ein Verlust an Zeit für Bewegung. „Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist die Bewegung für die motorische Entwicklung“, so Frau Schulte. „Es gibt sogenannte Zeitfenster, in denen Kinder ganz besondere motorische Fähigkeiten erlernen. Wenn diese Fähigkeiten durch unzureichende Bewegung nicht erlernt werden, können Kinder in späteren Jahren diese Fähigkeiten nur schwer nachlernen.“ Daher ist es wichtig, wenn Eltern ihren Kindern Alternativen anbieten, d.h. Freizeitaktivitäten, die ohne die Nutzung von technischen Geräten auskommen. „Es gibt so viele Möglichkeiten, die freie Zeit in einer Familie anders zu nutzen als nur vor dem Computer oder Handy zu sitzen. Auch wenn viele Kinder erst mal wehren, wenn Eltern hartnäckig bleiben und tatsächlich eigenes Interesse zeigen, lassen sich die meisten Kinder und Jugendlichen noch gerne für andere Unternehmungen überreden“, weiß Andrea Schulte zu berichten.

Die SOS-Berastungsstelle hilft

Die SOS-Beratungsstelle, mit ihren Häusern in Jever und Varel, bietet für alle Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahren Beratung an. Alle Berater unterliegen der Schweigepflicht, für die Ratsuchenden ist die Beratung kostenlos. Anmeldungen können in der Zeit von montags bis freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr und donnerstags von 14 Uhr bis 18 Uhr unter der Telefonnummer: 04461-3050 angenommen werden.

Weitere Informationen unter www.sos-kinderdorf-wilhelmshaven.de