03. 07. 2014

Kochen als Schritt in die Selbstständigkeit

Susanne Lubos, Amon, Kathrin Schlummer, Sandra und Robert lassen sich das afrikanische Menü schmecken

Nach dem gemeinsamen Kochen lassen sich (von links) Susanne Lubos, Amon, Kathrin Schlummer, Sandra und Robert das afrikanische Menü schmecken.

Projekt für fünf Jugendliche im SOS-Kinderdorf

Kochen sollten junge Erwachsene können, wenn sie ihre erste eigene Wohnung beziehen. Doch es zu  lernen ist gar nicht so einfach, wenn das Essen bei der späten Rückkehr von der Schule schon fertig auf dem Tisch steht. Die angehenden SOS-Kinderdorfmütter Susanne Lubos und Katrin Schlummer boten deshalb einen Kochkurs  für Jugendliche kurz vor dem Schritt in die Selbstständigkeit an – und landeten auf Wunsch und zur Begeisterung der Teilnehmer bald bei exotischen Gerichten.

Gourmet-Reise durch die Kontinente

Sandra mit einem “Roti”. Bild vergrößern

Sandra mit einem “Roti”.

"Eigentlich wollten wir den Jugendlichen vor allem die „Basics“ beibringen”, lacht Susanne Lubos. Doch die Jungen wollten partout „nur Sachen kochen, die wir nicht zu Hause essen“.  So entstand schnell der Plan, sich einmal um die Welt zu kochen - und bei Gerichten aus Mexiko, Italien, Osteuropa, Frankreich, Asien, Nordafrika, der Schweiz und den USA möglichst viele neue Geschmacksrichtungen  und Zutaten zu erkunden.

„Sehr offen“ und mit großer Begeisterung  probierten die „Cooking Fanatics“ Artischocken mit Dip, italienische Antipasti, „richtig geniale Sushi“, rotes Curry mit Garnelen, Nüssli- und Waldorfsalat, Schinken-Camembert-Quiche, Tortillas oder den Lachs, von dem vor allem Tamara so begeistert war, erzählt Katrin Schlummer. Die Grundlagen, etwa wie man Gemüse wäscht und schneidet, lernten die Teilnehmer nun „ganz nebenbei“ beim gemeinsamen Kochen. So zeigt beim Thema Afrika der erfahrene Hobbykoch Leonhard seiner Kollegin Tamara, wie man Blumenkohl in kleine Röschen teilt.

Kreative Köche am Werk

Robert beim Zubereiten der Hauptspeise. Bild vergrößern

Robert beim Zubereiten der Hauptspeise.

Standen die Jugendlichen anfangs noch etwas ratlos vor den Rezepten, genügt beim heutigen neunten Treffen ein kurzer Blick auf das Blatt. Die drei Jungen erwiesen sich von Beginn an als „äußerst kreativ“ und schufen  aus den Vorlagen ihre eigenen Rezepte, schmunzeln die Betreuerinnen. So verfeinern Amon und Leonhard auch diesmal den „Chakalaka-Salat“ kurzerhand mit Kokosmilch und Kurkuma. Ihre weiblichen Kolleginnen dagegen halten sich sehr genau an die Vorgaben - und zaubern so leckere „Roti“-Teigfladen, Tomatensalat und gelben Reis. Trotz unterschiedlicher Vorkenntnisse haben sie alle „viel gelernt“ bei den monatlichen Treffen, die sich über ein Jahr hinzogen. Außerdem hat es „Hammerspaß“ gemacht, meint Sandra, die das gemeinsame Kochen mit Gleichaltrigen sehr genossen hat.

Die „Basics“ kamen trotz aller Exotik nicht zu kurz: Schlummer und Lubos ließen Warenkunde zu saisonalen Gemüsesorten ebenso einfließen wie Informationen zu verschiedenen Gewürzen oder zum sinnvollen Fleischkonsum. Vor allem aber lernten die Jugendlichen, wie preisgünstig selbst hochwertige Gerichte sind, wenn man sie selbst kocht.

Das alles und noch viel mehr ist in dem bebilderten Rezeptbuch festgehalten, das die angehenden SOS-Kinderdorfmütter ihren Schützlingen zum Abschluss des Projekts überreichen. Und das diese wohl spätestens dann wieder in die Hand nehmen werden, wenn sie in der Küche ihrer ersten eigenen Wohnung stehen.