13. 08. 2012

Vom Hotel ins SOS-Kinderdorf

Wie aus der früheren Hotelfachfrau Doris Kraux eine Worpsweder SOS-Kinderdorfmutter wurde

Porträt von Doris Kraux Bild vergrößern

Doris Kraux hat als SOS-Kinderdorfmutter ihren Traumberuf gefunden.

Die 17-jährige „Große“ ist bereits um 5:00 Uhr aufgestanden, um pünktlich an ihrem Ausbildungsplatz in Bremen zu sein. Um 8:15 Uhr sind auch die fünf jüngeren, zwischen neun und 15 Jahre alten Mitglieder ihrer Kinderdorffamilie alle aus dem Haus. Doris Kraux hat etwas Ruhe. Bis zur 9:00-Uhr-Besprechung mit ihrem Hausteam – der Erzieherin, dem Erzieher und der Auszubildenden, die in der Familie mitarbeiten.

"Genau das ist es!"

Als SOS-Kinderdorfmutter hat die 44-Jährige mit den Wuschellocken einen ausgefüllten Tag. Aber so hat sie es sich gewünscht. Sonst hätte sie 1995 nicht als Hotelfachfrau aufgehört, um als Praktikantin im SOS-Kinderdorf Worpswede anzufangen. „Hotelfach, das entsprach meinem jugendlichen Fernweh“, sagt Kraux, die ihren Erst-Beruf durchaus mochte. Aber: „Ich hatte mich immer für Pädagogik interessiert und wollte gerne mit Kindern arbeiten. War aber lange unsicher, ob ich das wohl kann.“ Dann hält sie eines Tages einen Spendenaufruf von SOS-Kinderdorf in der Hand. Liest darin etwas über die Arbeit als SOS-Kinderdorfmutter und denkt sich: „Genau das ist es!“

Inzwischen lebt Doris Kraux seit fast zwölf Jahren als Kinderdorfmutter im SOS-Kinderdorf. Der Weg ans Ziel war jedoch länger als gedacht. „Nach dem Praktikum noch drei Jahre Ausbildung zur Erzieherin – berufsbegleitend! Damit musste ich mich erst einmal abfinden.“ Im Nachhinein ist sie froh um die intensive Ausbildung im Mix aus Theorie und Praxis. „Die Rolle der Kinderdorfmutter ausfüllen und das Hausteam leiten – das ist gerade anfangs eine große Herausforderung“, sagt Kraux. Als sie 2000 ihre SOS-Kinderdorffamilie aufbaute, war es gut, dass sie Leben und Team im Kinderdorf Worpswede schon kannte. Oder wusste, welcher örtliche Kinderarzt auf ihrer Wellenlänge liegt.

Wunden müssen heilen

Heute haben, wie in Doris Kraux’ Kinderdorffamilie, die betreuten Kinder meistens noch Kontakt zu ihren leiblichen Eltern. Wie ist das also, SOS-Kinderdorfmutter zu sein? Vertrauen und Verlässlichkeit spielen eine zentrale Rolle, sagt Kraux. „Die Kinder brauchen vor allem die Gewissheit, dass ich zuverlässig für sie da bin. Wenn sie hierherkommen, haben sie Schweres erlebt. Ihre seelischen Verletzungen benötigen Zeit, um zu heilen. Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dies möglich ist. Indem ich den Kindern in der Kinderdorffamilie ein stabiles, geschütztes Umfeld mit einer liebevollen Atmosphäre gebe. Damit sie für ihr Leben einen guten Weg finden.“ Und langfristig zu ihren eigenen Eltern zurückkehren können, falls sich die Familiensituation stabilisiert.

Kraft tanken - im eigenen Garten

Zwei Tage pro Woche hat Doris Kraux frei, wechselweise am Wochenende oder Donnerstag und Freitag. Dann fährt sie in ihre rund zehn Kilometer entfernte Wohnung und stürzt sich in die Gartenarbeit. Um neue Kraft zu tanken für ihren „schönen, vielschichtigen und intensiven“ Traumberuf.

SOS-Kinderdorf Worpswede

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