25. 06. 2012

Kinder in den Bundestag!

Teilnehmer der 2. SOS-Kinder- und Jugendkonferenz in Berlin

Bei der 2. SOS-Kinder- und Jugendkonferenz beschäftigten sich 200 junge Menschen mit ihrem Recht auf Bildung, Schule und Ausbildung

"Ein Gebildeter ist jemand, der mindestens vier Politiker kennt", da ist sich Philipp sicher. Der 13-Jährige ist einer von über 200 Teilnehmern der 2. SOS-Kinder- und Jugendkonferenz, die Ende Juni im SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit stattfand. Die Kinder und Jugendlichen aus 25 deutschen und polnischen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen beschäftigten sich in verschiedenen Workshops mit ihrem Recht auf Bildung, Schule und Ausbildung.

Kinder aus zahlreichen SOS-Kinderdorfeinrichtungen trafen sich in Berlin Bild vergrößern

 Kinder aus zahlreichen deutschen SOS-Kinderdorfeinrichtungen trafen sich in Berlin

Was für viele Kinder normal ist - den Eltern ein Theaterstück vorzuspielen oder jemandem zu erzählen, was man erlebt hat - ist für die meisten Kinder und Jugendlichen, die in den Einrichtungen von SOS-Kinderdorf betreut werden, eine neue Erfahrung. "Wenn sie zu uns kommen, wissen sie meist gar nicht, dass sie Rechte haben und finden es ungewohnt, dass es jemanden interessiert, was sie zu sagen haben", erklärt Kirsten Spiewack, Einrichtungsleiterin des SOS-Kinderdorfs Berlin-Moabit und Gastgeberin der diesjährigen SOS-Kinder- und Jugendkonferenz. "Doch nur, wenn Kinder ihre Rechte kennen, können sie sich selbst vor Gefährdungen schützen, indem sie darüber sprechen und sich wehren."
Dass sie viele Möglichkeiten haben, egal welcher Herkunft sie sind, das nahmen alle Teilnehmer aus den Workshoptagen mit. Schließlich haben sie Kinderrechte - und damit auch das Recht auf Bildung, Schule und Ausbildung.

Es mangelt meist an Bildungschancen und sozialen Kompetenzen

Die beiden Kinder-Reporterinnen Pia und Sandra interviewen SOS-Botschafterin Dennenesch Zoudé Bild vergrößern

Die beiden Kinder-Reporterinnen Pia und Sandra interviewen SOS-Botschafterin Dennenesch Zoudé

"Kinder sollten viel öfter in den Bundestag gehen und mit den Politikern sprechen", fordert die 15-jährige Alina selbstbewusst nach ihrem Besuch bei Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik, Bündnis 90/Die Grünen. "Und Mathe kann man echt so erklären, dass es jeder versteht", platzt es aus Sven heraus. "Wenn man erstmal weiß, wo man das überall braucht, macht es richtig Spaß." In den 21 verschiedenen Workshops entwickelten die Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 22 Jahren Wünsche und Forderungen, die in den nächsten Wochen aufbereitet werden, um sie dann der Politik zu übergeben. Doch ging es bei der SOS-Kinder- und Jugendkonferenz nicht nur um konkrete Ergebnisse, sondern ebenso um Verantwortung, Werteverständnis, Grundrechte und Persönlichkeitsbildung. Ob beim Paddeln auf der Spree, der Redaktion der "KiJuKo"-Zeitung oder dem Bildhauer-Workshop - jeder Einzelne gehörte dazu und spielte in der Gruppe eine wichtige Rolle. "Beteiligung ist in unseren Einrichtungen gelebter Alltag. Sie vermittelt Wertschätzung und stärkt für die Zukunft, im privaten, aber vor allem auch beruflichen Leben", so Kirsten Spiewack. Allein in Berlin, wo der Bedarf besonders groß ist, ist SOS-Kinderdorf mit drei Einrichtungen vertreten - dem SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit, dem SOS-Familienzentrum in Hellersdorf und dem SOS-Berufsausbildungszentrum im Wedding. Und auch außerhalb der Einrichtungen setzt sich SOS-Kinderdorf für Kinderrechte ein: Der Verein fordert bereits seit Längerem, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.

SOS-Kinder- und Jugendkonferenz stärkt langfristig

Die nächste SOS-Kinder- und Jugendkonferenz findet 2014 an einem Wunschort der Kinder statt. "Viele fanden es cool, in eine so große Stadt wie Berlin zu kommen, aber ich freue mich auch darauf, dass ich in zwei Jahren andere Kinder besuchen darf", erzählt Nico. Der 14-jährige lebt seit sechs Jahren im SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit und war schon bei der ersten SOS-Kinder- und Jugendkonferenz 2010 im SOS-Kinderdorf Lippe dabei. Diese legte unter dem Motto "Wir haben Rechte" den Grundstein für alle folgenden SOS-Kinder- und Jugendkonferenzen. "Nico hat seither sehr an Selbstbewusstsein zugelegt", erzählt Kirsten Spiewack. "Dieses Jahr hat er die SOS-Kinder- und Jugendkonferenz mit vorbereitet, seinen eigenen Workshop geleitet und hat sich sogar zugetraut, an der Pressekonferenz am Mittwoch teilzunehmen." Hier saß er unter anderem auf dem Podium neben Prof. Dr. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender des SOS-Kinderdorf e.V., Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, und Dennenesch Zoudé, Schauspielerin und Schirmherrin der 2. SOS-Kinder- und Jugendkonferenz. Und zeigte so, wie gelebte Beteiligung auch aussehen kann.