29. 06. 2012

Schauspielerin Dennenesch Zoudé im Gespräch

Sandra und Pia interviewen Dennenesch Zoudé

 Sandra und Pia interviewen einen echten Star: Schauspielerin Dennenesch Zoudé

"Auch in Berlin gibt es viele bedürftige Kinder"

Sandra und Pia haben als Reporterinnen auf der SOS-Kinder- und Jugendkonferenz im Juni in Berlin einen echten Star getroffen: SOS-Kinderdorfbotschafterin und Schauspielerin Dennenesch Zoudé. Und sie haben etwas Wichtiges gelernt: Bei einem Interview muss man gar nicht aufgeregt sein, auch wenn man eine Schauspielerin befragt. Denn interviewen bedeutet einfach: miteinander sprechen.

Wo sind Sie geboren?
Ich bin in Äthiopien geboren, das ist in Ostafrika. Und ich bin mit eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Ganz freiwillig war das nicht. Mein Vater war so gut in der Schule, dass er ein Stipendium
bekommen hat. Daher durfte er in Deutschland studieren. Und weil er nicht alleine sein wollte, sind meine Mama und ich mitgekommen.

Die beiden Kinder-Reporterinnen Pia und Sandra interviewen SOS-Botschafterin Dennenesch Zoudé Bild vergrößern

Die beiden Kinder-Reporterinnen Pia und Sandra interviewen SOS-Botschafterin Dennenesch Zoudé

Sie sprechen gut Deutsch. Können das Ihre Eltern auch?
Nein gar nicht. Meine Eltern kamen ja aus einem komplett fremden Land und einer ganz anderen Kultur. Allerdings war es für mich ganz einfach – denn da ich noch so klein war, habe ich automatisch Deutsch als erste Sprache gelernt.

Können Sie auch afrikanisch?
In Äthiopien heißt das Amharisch, das ist eine Stammessprache, aber die kann ich nicht ganz so gut. Aber ich habe sie gelernt, weil ich so neugierig war, was meine Eltern immer miteinander sprechen.

Sind Sie gerne in Deutschland?
Oh ja, Deutschland ist meine Heimat! Ich habe zwei Heimaten. Ich mag das äthiopische Essen gerne, das ist mein Soulfood, aber zu Hause bin ich hier.

Warum sind Sie Schauspielerin geworden?
Oh, das ist eine gute, aber auch eine schwierige Frage. Schauspielern ist eine künstlerische Tätigkeit und das ist einfach meine Leidenschaft: Rollen zu spielen, Geschichten zu empfinden und zu erfinden. Aber was mir am meisten Spaß macht, ist Leute zu unterhalten. Wenn Leute ins Kino gehen und sich zwei Stunden lang amüsieren, ist das ganz toll. Und als Schauspielerin kann ich ihnen das ermöglichen.

Warum setzen Sie sich für SOS-Kinderdorf ein?
Ich finde das Kinderdorf eine ganz tolle Einrichtung, gerade in Berlin. Man meint ja immer, dass die Kinder in Deutschland alles haben. Aber auch hier in Berlin gibt es viele bedürftige Kinder und Familien. Es gibt so viele Kinder, die einen Schutzraum und Aufmerksamkeit brauchen. Ich finde das Haus großartig und alle Angebote und wünsche mir, ich hätte diese Möglichkeiten auch als Kind gehabt. Im Kinderdorf finden ja Kinder, die keine intakte Familie haben, ein neues Zuhause – und diese Idee finde ich toll!

Was läuft Ihrer Meinung falsch auf der Welt?
Oh, viele Sachen! Es gibt so viele Ungerechtigkeiten zwischen arm und reich, gegen die man nichts machen kann. Ungerechtigkeiten im Zwischenmenschlichen, Gewalt, Verbrechen und natürlich die Ungerechtigkeit, dass Kinder vernachlässigt und nicht richtig gefördert werden.

Ich habe Sie als bodenständigen Menschen kennengelernt – sind sie normal auch so nett?
Na klar, aber ich kann auch anders! Ich habe ein sehr unterschiedliches und sehr aufregendes Leben. Ich lerne viele verschiedene Menschen und Länder kennen – und da muss man natürlich schnell und gut miteinander auskommen. Aber manchmal fühlt man sich auch sehr beobachtet – gerade wenn man immer in der Öffentlichkeit steht

Was für Filme machen sie?
Ganz unterschiedliche: mal habe ich in einer Teenagerserie mitgespielt, in der es ums Surfen geht, dann habe ich in einem Tatort gespielt. Im Sommer fliege ich nach Amerika und spiele eine taffe und resolute Designerin – mal eine ganz andere Rolle, denn sonst spiele ich oft nette Rollen.

Haben Sie Geschwister?
Ja, habe ich! Einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

Haben Sie einen Lieblingstanz?
Ich mag Musik unglaublich – alles funktioniert besser mit Musik. Kennt Ihr den Pata-Pata-Tanz? Den finde ich schön, den mag ich gerne!

In welcher Schule waren sie?
Ich bin in Spandau groß geworden. Da war ich auf einer Privatschule. Dann war ich in Wilmersdorf auf dem Gymnasium und habe Wirtschaftskorrespondenz studiert – falls es mit der Schauspielerei nicht klappt. In diesem Studium steckt viel drin: Sprachen, Mathe, Betriebswirtschaft – alles was man in einem Büro so braucht.

Das Thema der SOS-KInder- und Jugendkonferenz ist Bildung – wie wichtig finden Sie Bildung?
Bildung ist ganz wichtig – das höchste Gut und es sollte wirklich freien Zugang zur Bildung für alle geben. Und zwar auf der ganzen Welt. Und an alle Kinder kann ich nur appellieren, alle Chancen wirklich zu nutzen! Jedem Kind will ich raten, die Augen und Ohren weit zu öffnen und alles wie ein Schwamm aufzusaugen

Vielen Dank für das Gespräch!