13. 01. 2014

Kein Geld für neue Kleidung

Second-Hand Klamotten

Klein gegen groß: Die Tauschbörsen helfen Familien am Existenzminimum

"Mama, ich bekomme meine Hose nicht mehr zu", jammert die sechsjährige Vanessa. Bei diesen Worten bekommt Carina S. Herzklopfen. Ihre Tochter ist in den vergangenen Monaten ein großes Stück gewachsen, mit Schrecken hat die alleinerziehende Mutter beobachtet, wie die Hosen erst zu kurz und jetzt zu eng wurden.

Eine neue Garderobe für ihre Große kann sich Carina S. nicht leisten. Der Vater ihrer zwei Kinder hat sie verlassen, zahlt keinen Unterhalt. Mit der finanziellen Grundsicherung kommt die Familie kaum über die Runden. "Da ist jeden Monat nur das allernötigste drin – auch wenn wir penibel sparen", weiß Carina S. Über fünf Ecken erfährt die Mutter schließlich von der Kleidertauschbörse im SOS-Kinderdorf Saarbrücken und macht sich auf den Weg in den kleinen laden im SOS-Mütterzentrum. "Mir fällt ein großer Stein vom Herzen. Ich habe jede Menge brauchbarer Wintersachen in der passenden Größe gefunden und eine andere Familie freut sich über die Anziehsachen meiner Mädchen", ist Carina S. nach dem Durchstöbern der gut sortierten Regale dankbar. Eine ganze Tüte nimmt sie mit nach Hause – und wird bestimmt bald wiederkommen.

Eine "Herzenssache" findet viel Zuspruch

Vor vier Jahren haben vier junge Frauen – alle in einer ähnlichen Situation wie Carina S. heute – die Kleidertauschbörse ins Leben gerufen:  „Die zu klein gewordenen Kleider meiner Kinder waren noch Top in Ordnung, aber ich konnte nichts mehr damit anfangen. In der Familie oder in der Bekanntschaft gab es niemanden, der mir etwas  dafür gegeben hätte", erinnert sich Initiatorin Renate, die seit Jahren mit ihren drei Kindern das SOS-Mütterzentrum in Saarbrücken besucht.
Wegwerfen wollte sie die Kleider auch nicht – zum Glück. Bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee wurde die Idee der Tauschbörse geboren – und  im SOS-Mütterzentrum fand sich schnell ein kleines Zimmer, das als Laden genutzt werden konnte. Eine tolle Symbiose: In dem Laden können Eltern gebrauchte Kleidung abgeben und sich im Gegenwert andere, passende Stücke mitnehmen. Die Kinder können gleichzeitig spielen und die Mütter und Väter haben die Möglichkeit, bei einer Tasse Kaffee zu plaudern oder eines der vielfältigen Angebote des SOS-Mütterzentrum-Teams in Anspruch zu nehmen. Eine Idee, die großen Anklang fand – und auch von der SWR-Aktion "Herzenssache" gefördert wurde.

Tausche Kuchenbacken gegen T-Shirts

Und wer keine gebrauchten Kleider zum Tauschen hat? "Der hilft einfach mit!", erzählt Leiterin Tanja Duttlinger. "Einige Familien, die zu uns kommen, leben wirklich am Existenzminimum. Da sind die Hosen und Pullover  über Generationen so aufgearbeitet dass sie kein weiteres Kind mehr tragen kann. Aber diese Mütter und Väter sind dankbar, wenn sie stattdessen einfach einen Kuchen backen oder beim Aufräumen oder Abspülen im SOS-Mütterzentrum mithelfen können."

Berufliche Orientierung für Jugendliche

In den vergangenen Jahren wurde der Bereich erweitert: Einige Straßen weiter öffnete das Projekt "Tausch und Plausch" seine Türen, eine Spielwaren-Tauschbörse für Kinder. Geleitet und organisiert wird der kleine Laden von Jugendlichen, die bislang auf der Straße gelebt haben und nun wieder langsam im "normalen" Leben Fuß fassen möchten. „Die Idee, einen eigenen Spielwaren-Tauschladen zu eröffnen, hilft doppelt: Zum einen können wir benachteiligte Familien unterstützen und so Kindern eine Freude machen und zum anderen bekommen die Jugendlichen im Rahmen der STABIL-Maßnahme eine praktische Aufgabe, bei der sie viel Theoretisches in die Praxis umsetzen können: Die Spiele müssen auf Vollständigkeit überprüft und dann mit einem Punktesystem bewertet werden, so dass die kleinen Kunden beispielsweise gleich wissen, wie viel alte Bücher sie gegen ein Puppenhaus tauschen können. Und auch die Kommunikation ist nicht zu unterschätzen. Durchnachfragen der Kinder merken die Jugendlichen, dass sie gebraucht werden und Dinge selbsttätig lösen können.", erzählt Einrichtungsleiter Albrecht Scherer.

Viele Jugendliche bekommen durch die niederigschwellige Arbeit das nötige Selbstvertrauen, weitere Berufsorientierungskurse im SOS-Kinderdorf Saarbrücken zu besuchen und Schritt für Schritt wieder Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und für sich selbst zu sorgen.


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