Jeremias hat ein Ziel: jeder soll über Kinderrechte Bescheid wissen

Jeremias ist in einem SOS-Kinderdorf aufgewachsen - heute engagiert er sich für Kinderrechte

Jeremias ist in einem SOS-Kinderdorf aufgewachsen - heute engagiert er sich für Kinderrechte

Beteiligung hilft jungen Menschen, ihre Ideale zu leben. Aber auch Erwachsene profitieren davon

„Ich engagiere mich für Kinderrechte, weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn Kinderrechte täglich gebrochen werden“ Wer den 16 jährigen Jeremias heute erlebt, kann sich schwer vorstellen, was für schwere Zeiten er hinter sich hat. Selbstbewusstes Auftreten, ein Studium am United World College Robert Bosch in Freiburg, Junior Beirat bei UNICEF Deutschland – das alles hat er sich hart erarbeitet.

Jeremias suchte Hilfe - und fand sie bei SOS-Kinderdorf

Beim ZEIT Wirtschaftsforum engagierte sich Jeremias für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Bild vergrößern

Beim ZEIT Wirtschaftsforum engagierte sich Jeremias für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Mit 11 Jahren tat Jeremias einen Schritt, den man gerne jedem Kind ersparen möchte – und der den Anfang seines Kampfes für Kinderrechte darstellte: er ging selbst zum Jugendamt, weil er es nicht mehr Zuhause aushielt. Beide Eltern waren psychisch krank, Jeremias litt sehr darunter. Sein Bruder lebte schon drei Jahren in einer Jugendeinrichtung. Durch die Vermittlung des Jugendamtes kam der verschüchterte und übergewichtige Junge in ein SOS-Kinderdorf. Der Anfang dort war trotz der liebevollen Aufnahme durch seine Kinderdorfmutter und Geschwister schwer. Es dauerte, bis er Vertrauen aufbaute – in seine Umwelt und sich selbst. Nach und nach kam er aus seinem Schneckenhaus und fing an, sich selbst zu entdecken: „ Zum ersten Mal kannte ich Freiräume. Hier konnte ich mich entfalten und mich neu erfinden, aber auch ausprobieren und Fehler machen, ohne gleich eins auf den Deckel zu bekommen. Hier darf ich sein wer ich bin und was ich bin.“

"Beteiligung hilft jungen Menschen und Erwachsenen"

Eher durch einen Zufall fing Jeremias an, sich für Kinderrechte zu engagieren. Auf einem Kinderrechtstag kam er mit dem Thema in Kontakt und ist seitdem nicht zu bremsen: er fing an Kinderrechtestunden in der Schule zu organisieren, Spenden zu sammeln,  vertrat SOS-Kinderdorf bei dem „European Year for Development“, nahm an einer Jugendkonsultation zur Erarbeitung eines entwicklungspolitischen Aktionsplanes der GIZ teil, wurde Juniorbotschafter von UNICEF, macht bei UNICEF eine Gruppenleiterausbildung zum Thema Verwirklichung und Umsetzung von Kinderrechtsthemen und vertrat SOS-Kinderdorf beim Wirtschaftsforum 2017 in Hamburg. „Mein Ziel ist es, dass jeder junge Mensch und jeder Erwachsene über die UN-Kinderrechtskonvention Bescheid weiß.

"Der soziale Stand darf nicht über Bildungschancen entscheiden"

Für mich das wichtigste Thema dabei ist Beteiligung. Beteiligung fördert junge Menschen darin, ihre Potenziale zu entfalten und ihre Ideale zu leben. Der soziale Stand entscheidet sehr stark, welche Chancen junge Menschen haben. Beteiligungsmöglichkeiten geben ihnen die Chance, sich für ihre Zukunft selbst zu engagieren. Aber nicht nur Jugendliche profitieren von Beteiligung, sondern auch Erwachsene. Denn durch Beteiligung entsteht ein Austausch. Und Erwachsene können auch von Jugendlichen lernen.“ so beschreibt der Aktivist seine Motivation. Gerade hat Jeremias angefangen, am United World College Robert Bosch in Freiburg zu studieren – mit einem Stipendium, das er sich gegen viele Widerstände hart erkämpft hat. Wenn er heute zurückblickt, kann er kaum glaube, welch rasante Entwicklung sein Leben genommen hat – seit dem er sich entschlossen hat, es selbst in die Hand zu nehmen und darum kämpft, an wichtigen Entscheidungen beteiligt zu werden.