03. 11. 2012

„Ich will die Situation der Kinder verbessern“

Weltkugel

Durch die erfolgreiche Auslandsarbeit von SOS-Kinderdorf werden weltweit tausende Kinder, Jugendliche und Familien erreicht.Karin Thurn ist beim deutschen SOS-Kinderdorfverein für die Internationalen Projekte verantwortlich. Sie arbeitet seit 20 Jahren für die Organisation in München und hat die Entwicklung der Auslandsarbeit seitdem begleitet und gestaltet. Immer noch ist es ihr Hauptanliegen, die Situation der Kinder im Ausland zu verbessern.

Prävention wird immer wichtiger

Karin Thurn: Seit 2003 gibt es die SOS-Familienstärkungsprogramme. Deren Ziel ist es, dass die Eltern selbstständig für die bestmögliche Betreuung und den Schutz ihrer Kinder sorgen können. Angegliedert an die SOS-Kinderdörfer entstanden in den letzten Jahren immer mehr SOS-Sozialzentren, die eine Anlaufstelle für bedürftige Familien aus der Umgebung sind. Die Arbeit mit den Familien ist notwendiger denn je. Oft gelingt es, durch unsere Maßnahmen, die Familie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Nur wenn es gar nicht anders geht, werden die Kinder herausgenommen und in einem SOS-Kinderdorf aufgenommen.

Im Katastrophenfall sind wir da

Karin Thurn: Nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien oder dem schweren Erdbeben, das im Januar 2010 Haiti traf, sind wir vor Ort und können schnell und gezielt helfen. Nach dem Beben versorgte SOS-Kinderdorf zehntausende Kinder täglich mit Essen und betreute sie bei Bedarf medizinisch, hunderte unbegleitete Kinder wurden temporär aufgenommen und der Bau eines neuen Kinderdorfs eingeleitet. Zurzeit liegt unser Hauptaugenmerk auf Syrien. Durch die anhaltenden kriegerischen Unruhen sind viele Menschen auf der Flucht und leiden unter der schlechten Versorgungslage. Das aktuelle SOS-Nothilfeprogramm erreicht 4.000 Kinder und ihre Familien.

SOS-NOTHILFE

Mädchen aus einem SOS-Kinderdorf in Serbien

Nur Ihre Hilfe macht die Arbeit von SOS-Kinderdorf möglich! Mit einer Nothilfe-Spende sorgen Sie dafür, dass wir in Krisenregionen schnell vor Ort sein und die Kinder und Familien unterstützen können.

Jetzt spenden

Nähkurse statt Kleiderspenden

Karin Thurn: Zu Beginn der internationalen Tätigkeit kümmerten wir uns auch um die Beschaffung von Material für die ausländischen Einrichtungen. Manche Firmen kamen auf uns zu, um ihre Maschinen oder Produkte für unsere Auslandseinrichtungen zu spenden. Heute prüfen wir genau, ob tatsächlich Bedarf besteht und ob sich die Transportkosten lohnen. Sehr hilfreich ist dabei mein Kontakt mit den Regionalleitern vor Ort. Tatsächlich ist das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sinnvoll. Dazu ein Beispiel aus Uruquay, das ich im Abstand von zwei Jahren besuchte: Frauen sind in den Ländern Lateinamerikas leider häufig noch aufs Kinderkriegen reduziert und unterstehen dem Schutz  des Mannes. Bei meinem ersten Besuch lernte ich eine Mutter kennen, die im Rahmen des SOS-Familienstärkungsprogrammes eine Ausbildung zur Schneiderin machte. Zwei Jahre später brachte diese Frau anderen das Nähen bei. Diese Potenzierung von Hilfsangeboten stärkt die Familien und die ganze Gesellschaft.

Bedarfssituation der Länder prüfen

Karin Thurn: Viele SOS-Kinderdörfer sind mittlerweile 40 bis 50 Jahre alt, dringende Renovierungsarbeiten stehen an. Jetzt ist die beste Gelegenheit, die Nutzung zu überdenken. Dabei kommt den nationalen Trägervereinen von SOS-Kinderdorf eine wichtige Rolle zu. Wir prüfen genau, wie sinnvoll Sanierungsinvestitionen sind. Manche der vor Jahrzehnten armen und heruntergekommenen Gegenden haben sich entwickelt, so dass unsere Angebote in anderen Regionen des Landes nötiger wären. Auch die Einrichtung „ambulanter Hilfeprogramme“ wird diskutiert.
Dazu kommt, dass die Bedarfssituationen der Länder ganz unterschiedlich sind. In Afrika sind nach wie vor Aids und Hunger die gravierendsten Probleme, während in den Ländern Lateinamerikas versucht werden muss, die Machogesellschaft zu durchbrechen und die Frauen zu stärken. Die jahrzehntelangen Hilfsmaßnahmen und Erfahrungen vor Ort helfen SOS-Kinderdorf dabei, sinnvolle Bedarfsstrategien für die einzelnen Länder zu entwickeln.

Info:

Alle nationalen SOS-Vereine sind der 1964 gegründeten Dachorganisation SOS-Kinderdorf International angeschlossen. Diese  koordiniert von Innsbruck und Wien aus die SOS-Kinderdorfarbeit rund um den Globus, initiiert Neugründungen von SOS-Einrichtungen, berät und betreut die nationalen SOS-Kinderdorf-Vereine.
Der deutsche SOS-Kinderdorfverein ist mit 129 Einrichtungen in 43 Ländern einer der weltweit größten SOS-Vereine, der die internationale Arbeit von SOS-Kinderdorf ermöglicht.