17. 11. 2017

Internationaler Tag der Kinderrechte

Henry hat im SOS-Kinderdorf ein neues Zuhause gefunden

Wie viele arme Kinder können wir uns leisten?“

Anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November fordert der deutsche SOS-Kinderdorfverein die Politik auf, endlich wirkungsvolle Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut umzusetzen. „Fast 2,8 Millionen junge Menschen in der Bundesrepublik sind armutsgefährdet - zu oft zwingt sie das ein Leben lang gesellschaftlich ins Abseits. Das ist in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland inakzeptabel. Wir müssen uns fragen: Was ist uns das Wohlergehen einer Generation und die Entwicklung der  zukünftigen Gesellschaft wert? Es kann nicht sein, dass für diese grundsätzlichen Fragen von der Politik zu wenige Ressourcen vorgesehen werden. Wir erwarten von einer neuen Regierung endlich wirksame Lösungen, um den Armutskreislauf zu durchbrechen und allen Kindern Perspektiven zu eröffnen. Und zwar unabhängig von den Möglichkeiten des Elternhauses“, sagt Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V. Neben einer angemessenen finanziellen Ausstattung von Familien, fordert die Kinderhilfsorganisation weitere Investitionen in die Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur sowie in spezielle Förderangebote für Familien.

Zum Tag der Kinderrechte: Kinderarmut wirkungsvoll bekämpfen

Ausgerechnet im wohlhabenden Deutschland sind die Aufstiegschancen armer Kinder gering. Noch immer entscheidet die wirtschaftliche Situation des Elternhauses viel zu häufig über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen. „Jedes Kind muss die Chance auf eine gute Zukunft haben, unabhängig vom materiellen und familiären Hintergrund. Armut darf nicht vererbt werden“, kritisiert Lambertz. „Wir fordern die Parteien auf, in einem möglichen Koalitionsvertrag endlich konkrete Aussagen zur Bekämpfung von Kinderarmut zu treffen! Deutschland kann es sich gar nicht leisten, auf das Potential so vieler junger Menschen zu verzichten. Kinderarmut gefährdet nicht nur das Wohlergehen jedes einzelnen Kindes, sondern rüttelt auch an den Grundfesten der gesamten Gesellschaft“, so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende weiter. Um Kinderarmut in all ihren Facetten zu bekämpfen und echte Chancengerechtigkeit herzustellen, fordert SOS-Kinderdorf ein abgestimmtes Gesamtkonzept: Neben adäquaten Ressourcen, um jede einzelne Familie zu unterstützen, braucht es dringend den Ausbau von Betreuungs- und Bildungsangeboten mit bundeseinheitlich hohen Qualitätsstandards sowie Investitionen in Förderprogramme für benachteiligte Familien.

Arm bleibt arm?

In Deutschland sind laut aktueller Studien rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche armutsgefährdet. Kinderarmut bedeutet dabei nicht nur materielle Armut: Benachteiligte Kinder haben oft schlechtere Bildungschancen, stehen häufiger im gesellschaftlichen Abseits und sind vielfach in ihrer gesundheitlichen Entwicklung beeinträchtigt. Besonders betroffen sind Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil, in kinderreichen Familien oder in Familien mit Migrationshintergrund leben. Kinder, die in Armut aufwachsen, haben oft nicht den Mut oder die nötige Unterstützung, um ihre Potentiale auszuschöpfen. Das führt dazu, dass ihre Zukunftschancen von Anfang an eingeschränkt sind.

Kinderarmut widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention
Am 20. November ist der internationale Tag der Kinderrechte – um Kindern und Jugendlichen ihre Rechte zu sichern, wurde am 20. November 1989 das Übereinkommen über die Rechte des Kindes von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. In Deutschland trat die Konvention im April 1992 in Kraft. Die Kinderarmut stagniert in Deutschland seit Jahren auf hohem Niveau. Diese Situation widerspricht in hohem Maße den Kinderrechten, denn sie verhindert die Verwirklichung der Rechte auf gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit und Bildung für fast 2,8 Millionen Kinder in Deutschland.