27. 12. 2016

Integration im Eiltempo: Akhil aus Indien ist ein wahrer "Überflieger"

Akhil Akilesh an seinem Arbeitsplatz

Akhil Akilesh an seinem Arbeitsplatz

Akhil Akilesh Swami kann es gar nicht schnell genug gehen. Nur drei Wochen nach dem ersten Deutschunterricht wechselte der junge Inder in eine Regelklasse an der Schlossbergschule, sieben Monate nach seiner Ankunft als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in Landsberg hielt er seinen Quali in den Händen. Jetzt ist er bereits im zweiten Jahr seiner Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik bei den Stadtwerken und denkt daran, den Realschulabschluss nachzuholen. „Er ist ein echter Überflieger“, freut sich Christoph Zeidler, Akhils Bezugsbetreuer von SOS-Kinderdorf.

Auf der Suche nach Wasserrohrbrüchen: Akhil Akilesh Swami Bild vergrößern

Auf der Suche nach Wasserrohrbrüchen: Akhil Akilesh Swami

Vor ziemlich genau zwei Jahren saß Akhil Swami beim Rektor der Schlossbergschule und bat darum, eine reguläre Klasse besuchen zu können. Englisch und Mathematik beherrschte er bereits sehr gut, in den anderen Fächern unterstützte ihn eine Mitarbeiterin von SOS-Kinderdorf. Im Juni 2015 schrieb der gebürtige Inder den Quali ganz regulär, lediglich mit Deutsch als zweiter Sprache – und sicherte sich einen Schnitt von 2,9.

Eine Ausbildung bei den Stadtwerken

Nach etwa zehn Bewerbungen und ein paar Praktika in verschiedenen Betrieben im August 2015 hatte er seinen Ausbildungsplatz bei den Stadtwerken in der Tasche. Nun sucht Akhil Swami nach Wasserrohrbrüchen, reinigt Quellen oder analysiert Wasserproben im Labor, seinem Lieblingsarbeitsplatz. Dort fühlt er sich so zu Hause, dass er heuer auch eine Woche in den Labors der Kläranlage mithelfen durfte. Sein Meister sei ohnehin „einfach super“, schwärmt Akhil Swami. Umgekehrt betont der zuständige Abteilungsleiter Martin Michl, dass Akhil „hohes Engagement und großen Eifer“ sowie sehr gutes Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden zeigt. Er sei vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern gut, im Bereich der praktischen Tätigkeiten bestehe noch Verbesserungsbedarf. 

In der Berufsschule ist Akhil sogar Klasensprecher

Akhil Akilesh Swami und sein Bezugsbetreuer Christoph Zeidler von SOS-Kinderdorf Bild vergrößern

Akhil Akilesh Swami und sein Bezugsbetreuer Christoph Zeidler von SOS-Kinderdorf

Akhil Swami ist sich sicher, dass er die dreijährige Ausbildung schafft. An der Berufsschule in Lauingen an der Donau ist er bestens integriert und wirkt sogar als Klassensprecher. Momentan hat er einen Notenschnitt von 2,5. Weil er „im Unterricht immer gut aufpasst“. So will er später auch den Realschulabschluss nachholen. Der 19-Jährige würde nach Abschluss seiner Lehre gerne bei den Stadtwerken bleiben. Außerdem wünscht er sich sehnlichst eine eigene Wohnung. Derzeit lebt er mit drei anderen jungen Männern in einer nebenkostenintensiven Altbauwohnung. Alle vier Bewohner werden von SOS-Kinderdorf betreut – drei teilstationär, Akhil ambulant. Doch der 19-Jährige ist nun so selbständig, dass er mit der richtigen Unterstützung auch in einer eigenen Wohnung zurechtkommt: Mit Einkaufen, Kochen und der Hausarbeit hat Akhil Swami keine Probleme, freut sich Zeidler. Außerdem ist Akhils bisheriges Zimmer bei jungen erwachsenen Flüchtlingen heiß begehrt, die nun die rund um die Uhr von SOS-Kinderdorf betreuten Wohngruppen verlassen.