31. 07. 2014Quelle: SOS-Kinderdörfer weltweit

Gazastreifen: "Es ist ein Albtraum!"

Die Kinder im Gaza-Streifen sind verängstigt und traumatisiert

"Warum werden so viele Menschen getötet?": Die Kinder im Gaza-Streifen sind verängstigt und traumatisiert

Die Lage der Menschen wird immer verzweifelter

Während im Gazastreifen weiter schwere Kämpfe toben, wird die Lage der Menschen immer verzweifelter. Nahezu unablässig fallen Bomben, unter den Opfern sind weiter viele Kinder und Zivilisten. Überall werden die Nahrungsmittel knapp, sauberes Wasser ist Luxus, die Stromzufuhr ist weitgehend ausgefallen.

"Es ist alles wie ein Albtraum, es gibt keine Worte, um dieses Leid und den Schmerz zu erklären", teilte eine SOS-Mutter des SOS-Kinderdorfs in Rafah dem Verein SOS-Kinderdörfer weltweit mit Sitz in München mit. "Meine Kinder, 4 und 7 Jahre alt, fragen mich, warum so viele Menschen getötet, warum so viele Häuser zerstört werden. Und ich finde keine Antworten."

"Bombeneinschläge lassen die Wände wackeln"

Samy Ajjour, Leiter des SOS-Kinderdorfs Rafah, über die aktuelle Lage: "Das Leben im SOS-Kinderdorf ist derzeit sehr schwierig. Die Kinder können nicht mehr draußen spielen. Durch die Bombeneinschläge in der Umgebung wackeln ständig die Wände. Die Fenster müssen Tag und Nacht offen bleiben, damit sie nicht unter den Druckwellen zersplittern. Niemand kann schlafen." Das Büro im Kinderdorf musste geschlossen werden. Die SOS-Mitarbeiter können wegen der Gefahr auf den Straßen nicht zur Arbeit kommen. "Wir alle haben Angst um unsere Kinder und unsere Familien", sagte Ajjour. "Auch die Kinder haben Angst. Sie hören Bomben einschlagen und fragen, was passiert. Wir sagen ihnen die Wahrheit über den Konflikt mit Israel, aber auch, dass das SOS-Kinderdorf der sicherste Ort ist und sie sich nicht zu sorgen brauchen."

Traumatisierte Kinder brauchen psychologischen Beistand

Die Kinder im Gazastreifen sind durch den jahrelangen Krieg traumatisiert. SOS-Kinderdorf hilft! Bild vergrößern

Die Kinder im SOS-Kinderdorf Rafah und seiner Nachbarschaft brauchen dringend psychologische Betreuung. Das ist laut Ajjour derzeit aber nicht möglich, weil es im Gazastreifen lebensgefährlich sei, sich auf der Straße zu bewegen: Die Psychologen des Kinderdorfs können daher nicht zur Arbeit kommen. "Manche Mitarbeiter, die außerhalb des Dorfes wohnen, mussten ihre Häuser verlassen und zu Verwandten ziehen, wo es sicherer ist. Oft fehlt es auch dort an Strom oder Lebensmitteln. Die Schwester eines unserer Kollegen und ihre acht Kinder sind letzte Nacht getötet worden. Viele bleiben momentan ganz zu Hause, um sich um ihre Kinder zu kümmern."

SOS fordert Kinderschutzzonen

Die Angst ist nicht auf den Gaza-Streifen begrenzt: Das israelische SOS-Kinderdorf Neradim bei Arad liegt in Reichweite der palästinensischen Raketen, sodass auch dort Angst und Unsicherheit vorherrschen. Zwei Raketen trafen ein nahes Beduinen-Lager und forderten dort mehrere Opfer.  Angesichts der aktuellen Entwicklungen richten die SOS-Kinderdörfer weltweit einmal mehr einen Friedensappell an die Konfliktparteien und fordern darüber hinaus, SOS-Kinderdörfer als weiträumige Kinderschutzzonen anzuerkennen - und generell Schutzzonen für die vom Krieg schwer traumatisierten Kinder zu schaffen, wo sie zur Ruhe kommen können und psychologische Betreuung erhalten.

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