01. 06. 2017

Flutkatastrophe in Peru: Wie geht es den Menschen heute?

Peru_FlutP1000218

Täglich gibt es für die Kinder eine warme Mahlzeit

Wie geht es den Menschen zwei Monate nach der Flut? SOS-Mitarbeiterin Helene Boeser beschreibt die Lage vor Ort.

Nach wochenlangen heftigen Regenfällen traten im März dieses Jahres in Peru viele Flüsse über die Ufer. Schlammlawinen verschütteten große Teile der Straßen zwischen der Hauptstadt Lima und dem Zentrum des Landes. In vielen Gebieten Perus richteten Überschwemmungen und Erdrutsche verheerende Zerstörungen an.

Peru_FlutIvan Salinas - Inundaci+¦n 6 Bild vergrößern

Schlammlawinen verschütteten große Teile der Straßen

Besonders schwer betroffen wurden dabei die Hauptstadt des Landes Lima sowie der Norden des Landes. Rund 100 Menschen verloren ihr Leben, weitere 1,4 Mio. leiden bis heute unter den Auswirkungen.

Auch die SOS-Kinderdörfer Esperanza und Rio Hondo nahe der Hauptstadt Lima waren von den Überflutungen betroffen: Heftige Regenfälle beschädigten Dächer der Familienhäuser im SOS-Kinderdorf Esperanza. Das SOS-Kinderdorf Rio Hondo musste vorübergehend evakuiert werden. Das Kinderdorf liegt an den Ufern des Flusses Rimac und der gestiegene Wasserpegel bedrohte die Stabilität der Außenmauer.

Auch das im Norden Perus gelegene SOS-Kinderdorf Chiclayo wurde vorübergehend evakuiert. Aufgrund der enormen Wassermassen brach die komplette Wasser- und Stromversorgung zusammen. Das im März gestartete SOS-Nothilfeprogramm unterstützt bis heute 860 Familien und über 1000 Kinder der umliegenden Gemeinden in Chiclayo, Chosica und Carapongo.

Interview mit SOS-Mitarbeiterin Helene Boeser, die für uns die Lage vor Ort besichtigte

Welche Auswirkungen hat die Flutkatastrophe auf die Kinder und ihre Familien?

Viele Familien, die ich getroffen habe, haben alles Hab und Gut verloren, selbst grundlegende Dinge, wie Kleidung oder Schulbücher. Unzählige Menschen haben nicht nur ihre Häuser verloren, sondern ihre gesamte Lebensgrundlage. Eine Mutter erzählte mir, dass sie in einer Fabrik gearbeitet hatte. Durch die Wassermassen wurde das Gebäude schwer beschädigt, die Fabrik wurde stillgelegt. Nun steht sie vor dem Nichts und hat kein Einkommen mehr.

SOS-Kinderdorf konzentriert sich sehr auf die psychischen Auswirkungen der aktuellen Lebensumstände. Viele Eltern erzählen, dass ihre Kinder Angst davor haben schlafen zu gehen. Psychologische Hilfe wird nach wie vor dringend benötigt.

Sie waren zwei Monate nach dem Unglück vor Ort. Hat sich die Lage in der Zwischenzeit verbessert?

In den Gemeinden arbeiten wir mit Familien, die nach wie vor in Zelten leben, da ihre Häuser zerstört oder sehr schwer beschädigt wurden. Oft gibt es weder Strom noch fließend Wasser. Es gibt nicht genug Sanitäranlagen. Viele Menschen sind darauf angewiesen, Wasser in Flaschen zu kaufen. Nun steht der Winter vor der Tür, das macht die Lage noch schwieriger.

Peru_FlutIvan Salinas - Familias afectadas 5 Bild vergrößern

Die Schäden der Flut beeinträchtigen den Alltag

Anfangs zielte unsere Hilfe auf die Verteilung von Lebensmitteln, Wasser und Nothilfekits ab. Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, Tagesbetreuung und Freizeitaktivitäten für Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahre anzubieten. Diese Aktivitäten sind sowohl für das emotionale Wohlbefinden als auch für ein Gefühl der Sicherheit und Normalität der Kinder sehr wichtig. Außerdem bieten wir eine Art Nachhilfeunterricht an, damit die Kinder nach der langen Pause ihre Lücken schließen können. Durch diese Betreuung verschaffen wir den Eltern die Möglichkeit, ihre Häuser und ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen.

Zudem versorgen wir die Kinder mit täglichen warmen Mahlzeiten, die von Müttern aus der Gemeinde zubereitet werden. Glücklicherweise gehen mittlerweile alle Kinder wieder zur Schule.

Sind die beschädigten SOS-Kinderdörfer mittlerweile repariert?

Die wichtigsten Reparaturarbeiten sind fertig gestellt. So gibt es überall wieder Strom und fließend Wasser, auch die Dächer wurden neu gedeckt.

Allerdings sind die Schäden in der Gemeinde wesentlich größer als anfangs vermutet. Aus diesem Grund haben wir einige kleinere Reparaturen auf später verschoben, um mit dem frei werdenden Budget dringendere Hilfsmittel für Kinder und Familien in Not zu finanzieren.

Wie wichtig sind Nothilfeprogramme der SOS-Kinderdörfer in solchen Situationen?

Peru_FlutIvan Salinas - Inundaci+¦n 3 Bild vergrößern

Heftige Regenfälle beschädigten Häuser und Schulen

SOS-Kinderdorf Peru hatte in den betroffenen Regionen bereits SOS-Kinderdörfer und war eine der ersten, die geholfen haben. In Chosica verteilte das SOS-Team Lebensmittel und Nothilfekits zu Fuß, da die Straßen anders nicht passierbar waren.

In vielen Fällen sind wir die einzigen, die immer noch in den betroffenen Gemeinden arbeiten. Von daher sind die Kinder und ihre Familien auf uns angewiesen. Angesichts der großen Not werden wir diese Hilfen auch langfristig weiter anbieten müssen.

Die Familien kennen SOS-Kinderdorf und schätzen unsere Arbeit sehr. SOS-Kinderdorf ist ein verlässlicher und angesehener Partner für Gemeinden und Regierungsbehörden. Aus diesem Grund sind wir guter Hoffnung, das Nothilfeprogramm in langfristige SOS-Familienstärkungsprogramme in den betroffenen Gemeinden umwandeln zu können.

Armut in Deutschland bekämpfen

Kindern eine Chance geben - SOS-Kinderdorf engagiert sich

Ermöglichen Sie Kindern eine bessere Zukunft.

Mehr erfahren