06. 07. 2016

Flüchtlingsgäste in der Wohngruppe

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Herzlich Willkommen!

Ihre Flucht aus Afghanistan führte sie durch neun verschiedene Länder - und zur Wohngruppe für Jugendliche und junge Erwachsene  des SOS-Kinderdorf nach Hamburg. Seit Anfang April sind drei Schwestern aus Afghanistan zu Gast in der Wohngruppe für Jugendliche und junge Erwachsene  in Eimsbüttel.

Von einem Tag auf den anderen mussten die Mädchen gemeinsam mit anderen Frauen und Kindern  der Familie ihre Heimat verlassen. Ihre erste Anlaufstation in Hamburg war eine der Erstaufnahmeeinrichtungen. Seit acht Wochen kommen die Schwestern nun regelmäßig und gern zu den angebotenen Gruppenaktivitäten des SOS-Kinderdorfs Hamburg.

Gehen manchmal die Gespräche in die Richtung ihrer  persönlichen Erfahrungen mit Vertreibung und Flucht, füllt eine gewisse Beklommenheit den Raum. Dann erzählen die Schwestern etwas davon, dieses aber sehr dosiert. Es ist spürbar, dass sie die anderen nicht belasten wollen mit ihrer Geschichte und  stellen dem Schweren mit ihrem ihnen eigenen fröhlichen Humor eine unerwartete Leichtigkeit entgegen.

Die Begegnungen sind erst am Anfang...

... und am Anfang sind auch ihre Kenntnisse in der deutschen Sprache. Die drei Mädchen besuchen  zwar die Deutschkurse in "ihrem Camp“, wie sie es nennen, doch sind diese viel zu selten. "Eigentlich wollen und können wir viel mehr", erzählen sie uns. Überhaupt ist dieses "unbedingte lernen wollen" wesentlich für die Besucherinnen, berichtet SOS-Kinderdorfmitarbeiterin Corinna Boller. "Für die Mädchen fühlt es sich so an, als seien sie auf einem anderen Planeten gelandet. Die Sprache, die Kultur und der Alltag sind für sie völlig fremd und komplett neu. Und sie haben einen offensichtlichen Eifer, der uns alle überrascht hat. Zum Beispiel erfahren viele unserer Bewohner den Schulbesuch eher als notwendige, aber lästige Tätigkeit. Im Beisammensein  mit unseren Gästen direkt zu erleben, wie glücklich es machen kann, einen Schulplatz  - allein in Aussicht!  - zu haben, bedeutet eine neue Perspektive einzunehmen. Unsere Blickwinkel verändern sich durch diese Freude und es ist einfach schön zu sehen, mit welcher Zuversicht sie es ihre Herausforderungen bewältigen.

Die Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf Hamburg  gestalten mit diesen Mädchen und  ihren Betreuten einen äußeren und inneren Raum, in dem Integration durch Begegnung als Selbstverständlichkeit stattfindet. So werden auch Kontakte außerhalb des Settings der Einrichtung  gefördert und geknüpft - sowohl zwischen den Betreuten und den afghanischen Gästen, in der Nachbarschaft und im Sozialraum. "Das ist überaus wertvoll in beide Richtungen", fasst Corinna Boller zusammen. "Wir  danken in diesem Zusammenhang auch der in der Flüchtlingsarbeit aktiven Kirchengemeinde  vor Ort, die unsere Idee einer Einladung an junge Flüchtlinge in den Stadtteil hinein trug. So konnten die Begegnungen Realität werden. Sie sind eine Bereicherung für unser Gruppenleben und wir sind  gespannt auf die weitere gemeinsame Wegstrecke."