04. 04. 2016

Familiengründung à la SOS-Kinderdorf

Neuer Inhalt

Yvonne Nienhuysen und Sophie Rose: Als Kinderdorfmutter muss man auch schrauben können.

Was muss man eigentlich mitbringen, wenn man Kinderdorfmutter werden will? „Möbel sollte man schon zusammenbauen können“, sagt Yvonne Nienhuysen (50) und lacht. Denn mit Muttersein haben ihre ersten Tage als offiziell nächste Kinderdorfmutter im SOS-Kinderdorf Harksheide in Norderstedt derzeit wenig zu tun. Jetzt gilt es erst einmal, ein einladendes Zuhause zu schaffen für die Kinder, die in Kürze hier einziehen werden, und die eben das nicht kennen: Einen sicheren Ort zu haben, auf dessen Bestand man sich verlassen kann.

Seit einigen Jahren schon ist für die frischgebackene Kinderdorfmutter, die ursprünglich aus der Textilindustrie kommt und bereits einen erwachsenen Sohn hat, Harksheide „ihr“ Kinderdorf. Hier hat sie ihre ersten Schnuppertage in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung erlebt, bevor sie sich zu einem Praktikum entschlossen hat, und hier hat sie ihre anschließende Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Jetzt hat sie das Haus Nr. 4 im Dorf, das „Schleswig-Holstein-Haus“, übernommen, das ab sofort ihr privates Zuhause und gleichzeitig ihr Arbeitsplatz sein wird. In dieses Haus wird sie in Kürze sechs Kinder aufnehmen und ihnen Geborgenheit geben. Aber dafür muss es erst einmal eingerichtet werden. Und da beginnt sie wie jede Kinderdorfmutter ganz von vorne, denn ein wesentlicher Aspekt im Kinderdorf sei, so Dorfleiter Jörg Kraft, jeden institutionellen Charakter zu vermeiden. „Der persönlich nach eigenem Geschmack gestaltete, private Lebensraum trägt enorm zum Erfolg unserer Arbeit bei“. Mit anderen Worten, kein Haus ist eigenrichtet wie das andere, persönliche Vorlieben sind ausschlaggebend, und es darf auf keinen Fall aussehen wie in einem Kinderheim.

Für die Kinder ist es ein Neustart

Deshalb verbringt Yvonne Nienhuysen ihre ersten Arbeitstage mit dem Aussuchen von Wandfarben und Lampen, dem Stöbern im dorfeigenen Möbellager nach Kinderbetten, oder, wenn sie dort nicht fündig wird, in den Möbelhäusern der Umgebung. „Der Einrichtungsetat ist nicht unbegrenzt“, sagt sie, „gebrauchte Sachen sind da nützlich.“ Aber man müsse auch darauf achten, dass die Kinder die Wertschätzung erkennen könnten, die man ihnen hier entgegen bringe, denn das erleichtere ihnen den Einstieg beträchtlich. Offensichtlich alte Sachen mit starken Gebrauchsspuren seien da nicht hilfreich. „Unser Angebot darf nicht wie ein Almosen wirken. Für die Kinder ist das Leben im Kinderdorf ein echter Neustart, und entsprechend konsequent muss das angegangen werden“. Dazu müsse man eben auch die Details beachten.

Unterstützt wird Yvonne Nienhuysen bei diesen Aufgaben bereits von ihrer Mitarbeiterin, der Erzieherin Sophie Rose (25), die das Kinderdorf ebenfalls aus ihrer Zeit als Praktikantin kennt, und die auch schon bei der Prüfung der ersten Aufnahmeanfragen dabei ist. Nochmal Dorfleiter Jörg Kraft: „Erfahrene Mitarbeiter machen es den Kindern gerade in der Anfangsphase viel leichter, weil sie die Garanten stabiler Strukturen sind“. Der berechenbare und gelingende Alltag sei überhaupt das Mittel der Wahl, um Ruhe in das Leben der teilweise stark verunsicherten Kinder zu bringen.

Gründung weiterer SOS-Familien geplant

Die Kinderdorffamilie Nienhuysen wird die 54. im SOS-Kinderdorf Harksheide seit der Gründung im Jahr 1963 sein, und aktuell die sechste Familie im Dorf. Nach der Pensionierung älterer Kolleginnen hat man in dieser Hinsicht in Harksheide eine Durststrecke hinter sich, aber jetzt sollen in absehbarer Zeit weitere Kinderdorffamilien gegründet werden. Die entsprechendem Kandidatinnen – und Kandidaten! – befinden sich bereits auf der Zielgeraden ihrer Erzieherausbildungen. „Unser Ziel ist es, wieder acht Familien zu haben“, so Jörg Kraft. „14 Familien wie zu Beginn der 90-er Jahre werden es nie mehr werden“. Heute, so Kraft, würden ambulante oder teilstationäre Hilfen eine größere Rolle spielen, die vom Kinderdorf Harksheide übrigens auch alle geleistet würden. „Insgesamt wachsen unsere Betreutenzahlen ständig“.

Fragen dieser Art bewegen Yvonne Nienhuysen und Sophie Rose derzeit aber wenig. Jetzt muss das Haus fertig werden damit alles bereit ist, wenn die ersten Kinder demnächst einziehen. Nur die Kinderzimmer werden dann mit nur einem Bett und einem Schrank noch etwas karg eingerichtet sein. Denn fertig eingerichtet wird es mit dem Kind zusammen. „Sie wissen schon“, sagt Yvonne Nienhuysen, „die persönliche Note!“

Pate für das SOS-Kinderdorf Harksheide werden

SOS-Kinderdorf hilft Kindern in Not - helfen Sie mit Ihrer Patenschaft

Als SOS-Dorfpate schenken Sie Kindern in Deutschland eine glückliche Kindheit – weil jeder eine Familie braucht!

mehr erfahren