26. 03. 2013

Familie im Grossformat

Hauseltern Riccarda und Angelo Talierco mit ihrer Großfamilie

Riccarda und Angelo Talierco mit den Zwillingen Chiara und Matteo, ihrem Jüngsten, Mio, einigen ihrer Mitbewohner und Haushaltshelferin Roswitha Strackenbrock (rechts).

Auf dem SOS-Hof Bockum leben Riccarda und Angelo Talierco mit ihren Kindern in einer besonderen Hausgemeinschaft.

Siebenjährige Zwillinge und ein einjähriges Kleinkind – das klingt an sich schon nach quirligem Familienleben. Doch zum Familienalltag von Riccarda und Angelo Talierco, 30 und 38 Jahre alt, gehören auch noch sieben Erwachsene mit einer geistigen Behinderung. Denn die Taliercos sind Hauseltern auf dem SOS-Hof Bockum. „Hier habe ich meine Frau kennengelernt“, erzählt Landwirtschaftsmeister Angelo Talierco, der seit 2001 auf Hof Bockum arbeitet. Seine Frau wuchs mit fünf Geschwistern sogar hier auf; auch ihre Eltern waren Hauseltern. Daher war der heutigen Erzieherin das Leben in einer großen Gemeinschaft von klein auf vertraut. Genau so wollte sie auch mit ihrer eigenen Familie leben. „Das stand für mich schon früh fest“, sagt Riccarda Talierco, die jetzt ihre eigene Hausgemeinschaft leitet. Ein Glück, dass ihr Mann sich für diesen Plan begeistern konnte. Nur Paare können sich darum bewerben, eine der sechs Bockumer Hausgemeinschaften zu betreuen.

Seit 2007 lebt die Familie mit ihren Mitbewohnern im Alter zwischen 20 und 60 Jahren unter einem Dach. Alle arbeiten auf dem SOS-Hof Bockum – in der Hauswirtschaft, der Gärtnerei, Tischlerei oder Käserei, in der Landwirtschaft oder Landschaftspflege sowie in der Abteilung Dienstleistung. Die Hauseltern stehen ihren Mitbewohnern täglich zur Seite. Egal, ob es  um Praktisches geht wie Aufräumen, Wäsche, Arzttermine oder ob Persönliches zu besprechen ist. Diese Nähe gibt Halt und Sicherheit, fördert zugleich die Selbstständigkeit der Einzelnen.

Hausmutter Ricarda Taliercio mit ihren Zwillingen Bild vergrößern

Die Zwillinge von Ricarda Taliercio wachsen in einer SOS-Hausgemeinschaft auf. Für sie ist der Umgang mit Menschen mit Behinderung selbstverständlich.

Jeder der Männer hat sein eigenes Zimmer, die Familie eine separate Wohnung im oberen Stockwerk. Doch nimmt das Gemeinschaftsleben viel Raum ein. So essen möglichst immer alle zusammen am großen Tisch im Gemeinschaftsbereich. „Dabei reden wir darüber, was die Einzelnen beschäftigt, was jeder so plant und erlebt hat“, sagt Riccarda Talierco. Wer Geburtstag hat, wird natürlich gefeiert und ein wenig verwöhnt. Feste wie Ostern und Weihnachten sind ebenfalls Höhepunkte für alle; auch wenn manche Hausbewohner die Feiertage selbst bei Verwandten verbringen. Damit der Zwölf-Personen-Haushalt rund läuft, hat die Hausmutter an den Wochentagen Hilfe, etwa beim Kochen und Putzen. Sind ihre Kinder im Bett, machen die Taliercos gegen 20:30 Uhr eine letzte Runde durchs Haus. „Alle wissen: Ab 22:00 Uhr dürfen sie uns nur noch im Notfall rausklingeln. Das wird auch respektiert“, erzählen sie.

Und wie läuft das, innerhalb dieser Hausgemeinschaft drei Kinder großzuziehen? „Prima“, meinen die Eltern – übrigens nicht das einzige Bockumer Hauselternpaar mit Kindern. Die wachsen damit auf, dass Menschen mit einer Behinderung gleichberechtigt dazugehören. „Wo sonst hätte ich außerdem meine Kinder tagsüber so viel um mich?“, sagt Angelo Talierco. „Das Gelände hier ist ja das reinste Paradies für sie: keine Autos, viel Platz, die Tiere – und jeder kennt jeden ...“ Auch das macht die besondere Gemeinschaft aller aus, die auf dem SOS-Hof Bockum leben und arbeiten. Riccarda Talierco weiß: Im Teenageralter wird ihren Kindern die Dorfwelt vielleicht zu klein. Doch jetzt genießt die Familie ihr Glück erst einmal.

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