Ein starkes Team

Noah

Noah wurde von seiner Mutter misshandelt und allein gelassen. Doch sein Vater und er sind ein starkes Team.

Stefan und Noah* sind ein starkes Team. „Mein Junge ist das Wichtigste in meinem Leben“, sagt Stefan. „Mein Papa ist der Mensch, der immer für mich da ist“, sagt Noah. Die beiden leben an der Nordsee. Am Wochenende gehen sie zusammen auf den Deich und schauen den Schiffen am Horizont hinterher. Wenn er in die Ferne blickt, wird der achtjährige Noah oft wehmütig. An manchen Tagen ist sein Herz so schwer, dass er nicht mehr richtig denken kann. Dann ist er unaufmerksam in der Schule, kabbelt sich mit den Lehrern und hat Probleme mit anderen Kindern. Dabei will er doch alles richtig machen. Vor allem seinem Papa gegenüber.

Tage voller Herzweh

Noah und sein Vater sind ein starkes Team - unterstützt von SOS-Kinderdorf Bild vergrößern

Hilfe für benachteiligte Familien: Noah und Stefan werden unterstützt von SOS-Kinderdorf

Noahs Mutter hat die Familie vor ein paar Jahren verlassen. Sie lebt jetzt in einer anderen Stadt, mit einem neuen Mann und neuen Kindern. Den Kontakt zu ihrem Ältesten hat sie abgebrochen. „Das ist wohl besser so“, sagt Stefan und blickt auf den Boden. „Sie hat den Jungen geschlagen, ihn einmal sogar mit dem Kopf in die Kloschüssel getaucht. Da war die Grenze erreicht.“ Nach dem Auszug gab es noch ein paar Telefonate. Besuchstermine ließ die Mutter platzen. Bis gar nichts mehr kam. „Ich bin nichts wert, deshalb interessiert sich meine Mama nicht für mich“, sagt Noah an den Tagen mit Herzweh. Dann nimmt sein Vater ihn in den Arm und erklärt ihm, dass das nicht stimmt.

Zum Glück gibt es auch gute Tage. Vor allem, seit Stefan seine Ausbildung begonnen hat. Wenn alles klappt, ist er in zwei Jahren Facharbeiter für Lagerlogistik. „Nie wieder Hartz IV“, hat er sich geschworen. Auf staatliche Unterstützung war er zunächst angewiesen, als er mit dem Noah plötzlich alleine dastand und seinen alten Job in der Gastronomie aufgeben musste. Wochenend- und Nachtarbeit verträgt sich nicht mit den Aufgaben eines alleinerziehenden Vaters. „Der Junge braucht ein geregeltes Leben“, befand Stefan und krempelte die Ärmel hoch.

SOS-Kinderdorf in Wilhelmshaven unterstützt Kinder wie Noah

Mittagsbetreuung im SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven Bild vergrößern

Ein warmes Mittagessen und gute Hausaufgabenbetreuung: Bei SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven ist Noah gut aufgehoben.

Geholfen hat den beiden dabei ein Angebot, das SOS-Kinderdorf Kindern und Eltern in Wilhelmshaven macht. Im Stadtteil Wiesenhof können Grundschulkinder zu Mittag essen, sie erhalten Hilfe bei den Hausaufgaben, werden da gefördert, wo sie Unterstützung brauchen. Bis 16 Uhr ist die SOS-Einrichtung montags bis donnerstags geöffnet. „Wir möchten benachteiligte Familien stärken, den Kindern eine bessere Kindheit ermöglichen“, sagt Ricarda Kallweit von SOS-Kinderdorf. Die Diplompädagogin leitet die Gruppe in Wiesenhof, unterstützt von weiteren SOS-Mitarbeitern und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

„Wilhelmshaven kämpft mit vielen Problemen, Arbeitslosigkeit und Kinderarmut sind hoch“, weiß Kallweit. „Ohne die Betreuung, die SOS-Kinderdorf meinem Jungen bietet, könnte ich meine Zukunftspläne wohl in den Wind schreiben“, sagt Stefan. Vor allem könne er ohne diese Hilfe keine Ausbildung machen, die den ganzen Tag beansprucht. Bisher klappt es. Punkt 16 Uhr steht Stefan vor der SOS-Einrichtung und wartet auf Noah. Bis zum Abendbrot ist dann noch Zeit für Fußball oder gemeinsames Spielen in der Wohnung. „Ich will ein ganz normales Leben für uns beide“, sagt Stefan. Es sieht danach aus, dass er sein Ziel erreichen wird.


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