26. 10. 2017

Ein Jubiläum der besonderen Art

„Fräulein Weimar“ und „Herr Träger“ mit ihren drei SOS-Kindern: Beratungsstelle, Familienzentrum und Kontaktstelle

„Fräulein Weimar“ und „Herr Träger“ mit ihren drei SOS-Kindern: Beratungsstelle, Familienzentrum und Kontaktstelle

25 Jahre SOS-Beratungs- und Familienzentrum Weimar

Ende September fand es statt – das große Jubiläum zum 25 jährigen Bestehen des SOS-Beratungs- und Familienzentrums in Weimar, der ersten Einrichtung des SOS Kinderdorf e.V. in den "neuen Ländern."  In den Festreden - wie zum Beispiel von der Thüringer Sozialministerin Heike Werner, von Oberbürgermeister Stefan Wolf, dem SOS-Vorstandsvorsitzenden Dr. Kay Vorwerk oder von Einrichtungsleiter Herrn Hofmann - wurden in ganz unterschiedlichen Akzentuierungen das Entstehen, Wirken und die Bedeutung der SOS-Einrichtungen in Weimar gewürdigt.

Eine spannende Anfangsphase

Insbesondere der Umstand, dass die Jugendhilfe allgemein und damit auch die Angebote des SOS-Kinderdorf e.V. im Osten in einer Pionierphase völlig neu entstanden und ihre gesellschaftliche Notwendigkeit und Akzeptanz fanden, interessierte das Publikum sehr. 1991/92 kannte man in den Neuen Ländern keine Erziehungsberatungsstellen, keine Soziale Gruppenarbeit oder andere Angebote der Familienhilfe. Lediglich Heimerziehung und Jugendwerkhöfe (ähnlich den heutigen Jugendarrestanstalten) waren allseits bekannt. „Mütterberatung“ war dem Gesundheitswesen unterstellt. Deren Besuch nach der Geburt eines Kindes war obligatorisch, mit heutigen Beratungsstellen nicht zu vergleichen. Die Institutionen waren wenig ausdifferenziert und Auswahlmöglichkeiten gab es kaum. Das Ziel, dass junge Menschen sich zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln, stand ganz sicher nicht im Fokus.

Das gesamte Team des SOS-Beratungs- und Familienzentrums Weimar Bild vergrößern

Das gesamte Team des SOS-Beratungs- und Familienzentrums Weimar

All dies änderte sich mit der Wende quasi über Nacht. Gerade deshalb war die Gründung der kommunalen Erziehungsberatungsstelle 1991 und die Übernahme dieser, durch den SOS-Kinderdorf Verein 1992, eine besonders spannende, alles verändernde Zeit. Zum Startschuss 1992 führte Herr Hofmann in seiner Festrede aus: „Am Anfang standen Brüche, gesellschaftliche und biographische. Die Wende (Nov. ´89) war 1 1/2 Jahre her und die Welt der ehemaligen DDR-Bürger hatte sich entschieden verändert. Es gab Gewinner und Verlierer. Welche die es endlich geschafft haben, welche, die es wieder nicht geschafft haben und die, die es immer schaffen. Für eine große Mehrheit der Bevölkerung bedeutete die neu errungene Freiheit eine schier unendliche Zahl von Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Es gab jedoch auch viele Menschen, denen dieser Transformationsprozess nicht gelang, die Orientierungsprobleme in der komplexer gewordenen Gesellschaft hatten, deren erste Hoffnungen enttäuscht wurden, die arbeitslos wurden, Zukunftsängste hatten und Unterstützung brauchten.“

Professionelle Familienhilfe mit viel Herz

Genau in diesem gesellschaftlichen Umfeld professionalisierten sich die MitarbeiterInnen in ihrer neu gegründeten Beratungsstelle. Fehler durften gemacht werden, es wurde gelernt, ausprobiert, angepasst, reflektiert und der SOS-Kinderdorfverein unterstützte die „Aufbauarbeit Ost“ beratend und konzeptionell. Dazu Herr Hofmann: „Und dann ging´s los. Die ersten Klienten wurden geradezu von der Straße weggefangen. Die Einrichtung musste erst einmal Klinken putzen, sich und ihr Angebot bekannt machen. Anfangs wurden die Kinder – verbunden mit einem Reparaturauftrag - einfach in der Beratungsstelle abgegeben, während die Eltern in der Zeit häufig im Auto auf dem Parkplatz warteten.“ Heute gibt es kaum noch wartende Eltern. Sie sind selbstverständlich neben ihren Kindern in die Beratungsprozesse miteinbezogen und somit Bestandteil der Lösung. Oder sie treffen sich im Familiencafé des Familienzentrums, das seit 2003 die Palette um niedrigschwellige, flexible Angebote der Familienbildung und –begegnung erweitert.
Doch selbst der beste Festredner rückte schließlich bei der sich anschließende Performance in den Hintergrund. Die historischen Meilensteine und kleinen Alltagsanekdoten der 25 jährigen Geschichte der Einrichtungsteile inklusive Gegenwartsbestimmung, wurden von den MitarbeiterInnen szenisch dargestellt. Einrichtungsleiter, Verwaltungsangestellte, sämtliche Pädagogischen MitarbeiterInnen sowie das Hauswirtschaftspersonal und sogar eine ehrenamtliche Mitarbeiterin standen auf der Bühne. In kleinen Sequenzen wurden Entwicklungen, Trends und der (harte) Arbeitsalltag meist humoristisch und höchst unterhaltsam präsentiert. Es war kaum auszumachen, wer sich bei der Darbietung mehr amüsierte – die Zuschauer und Gäste oder die MitarbeiterInnen des SOS-Beratungs- und Familienzentrums. Aber auch „schwere“ Themen unseres Arbeitsalltages wie beispielsweise „Häusliche Gewalt“ oder „Trennung und Scheidung“ wurden in für das Publikum ergreifender Art und Weise schauspielerisch aufgeführt.

Wenn der Chef zum Schauspieler wird...
Paartherapie – Die Lage eskaliert Bild vergrößern

Ein lustiger Sketch: "Paartherapie – Die Lage eskaliert"

Höhepunkt war eine, auch uns Mitarbeitern zuvor nicht bekannte, paartherapeutische Sitzung, gespielt von unserer Verwaltungsfachkraft Frau Heller und unserem Einrichtungsleiter Herrn Hofmann. Wie fasst schon zu erahnen, wurde aus dem sehr harmonischen Paar, das nur mal so vorbeikommt, um sich danach noch besser zu verstehen, die Katastrophe schlechthin. Der Beruhigungstee für sie, landet dagegen postwendend in seinem Gesicht. Die Lage eskaliert. Weitere Therapiesitzungen, natürlich im SOS-Beratungs- und Familienzentrum – wo sonst, sind wohl sehr wahrscheinlich. Den dritten Teil unseres Jubiläums gestaltete Prof. Martin Geisler mit einem interaktiven Vortrag zum Thema „Humor in der Sozialen Arbeit“. Auch wenn in diesem Veranstaltungsblock kein Auge trocken blieb, war die Grundidee des Vortrages ein ernstzunehmendes Anliegen: Wie kann Humor in Beratungs- und Therapieprozessen schwere Themen leichter machen – sowohl für unsere Klienten und Besucher als auch für die Berater selbst? Der Verweis von Prof. Geisler auf die Auswirkungen von Clownspädagogik in Kinderhospizen verdeutlichte uns, wie wichtig Humor in allen, auch besonders schwierigen Lebenslagen ist.

Auf die nächsten 25 Jahre...

Das gesellig-kulinarische Abendprogramm bereicherte der „Foxi-Chor“. Der aus Kindern und Erwachsenen bestehende Familienchor probt sein Repertoire seit etwa zwei Jahren in den Räumlichkeiten des SOS-Familienzentrums und gehört daher fast zum Inventar. Wunderschöne selbstgeschriebene Kinderlieder, aber auch aktuelle Folksongs ließen am Abend den Spannungsbogen nie abfallen.
Die Rückmeldungen vieler Besucher zeugten von einer rund um gelungen Jubiläumsfeier – kreativ, kurzweilig und unterhaltsam. Das Team des SOS-Beratungs- und Familienzentrums freut sich auf die nächsten 25 Jahre.