25. 01. 2017

„Das Helfen und Unterstützen macht uns glücklich“

Deutschunterricht für junge Flüchtlinge

Deutschunterricht für junge Flüchtlinge

Renate Brandt und Annegret Jurczyk haben ihr aktives Berufsleben hinter sich. Beide arbeiteten als Lehrerinnen und könnten eigentlich glücklich sein, ihren Ruhestand nun ohne Schüler und Unterricht genießen zu können. Aber beide machen freiwillig weiter: als ehrenamtliche Helferinnen im SOS-Bürgerzentrum Wittenberge. Hier helfen sie Migranten beim Erlernen der deutschen Sprache und bei Vielem mehr.

„Warum ich helfe? Weil ich es kann“

So einfach kann Renate Brandt ihre Motivation erklären. Als die Deutschlehrerin und stellvertretende Schulleiterin aus Wittenberge ihren Ruhestand antrat, war für sie klar, dass sie sich ehrenamtlich engagieren wollte. Im gerade neu eröffneten SOS-Bürgerzentrum fand sie vor sieben Jahren den Ort, an dem ihr Engagement gerade recht kam. Anfangs waren es vor allem Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, denen sie Deutschunterricht gab. Inzwischen hat sich die Zusammenstellung der Kurse geändert und es sind überwiegend Flüchtlinge aus Afghanistan und osteuropäischen Ländern, die dringend auf Sprachunterricht angewiesen sind.

„Wir bräuchten mehr Lehrbücher“

Als Lehrerin erkennt Renate Brandt ein gutes Unterrichtsbuch und hat auch eine Grundausstattung für das Bürgerzentrum erworben. „Allerdings bräuchten wir ganz dringend noch mehr Bücher“, denn viele der Flüchtlinge möchten auch außerhalb der Unterrichtsstunden weiterlernen und so verschwindet immer wieder mal ein Band aus dem Fundus“, erzählt sie.

Deutschübungsheft Bild vergrößern

Lesen und Schreiben müssen trainiert werden

Bei ihrem Unterricht verlässt sich Renate Brandt jedoch nicht nur auf das Schulmaterial, sondern bereitet jede Stunde sorgfältig vor. Das Wichtigste ist natürlich das Alphabet, das sie mit ihren Schülern in jeder Stunde übt. Dazu wählt sie jedes Mal ein bestimmtes Thema aus dem täglichen Leben, dass sie mit den Lernwilligen erarbeitet. „Gerne arbeite ich mit Bildern, um Situationen aus dem Alltagsleben mit Wörtern zu füllen.“
Außerdem ermuntert sie ihre Schüler, Fragen zu stellen – was diese sehr gerne annehmen. Auch über die Unterrichtsstunden hinaus ist Renate Brandt für viele der Flüchtlinge eine wichtige Ansprechpartnerin, etwa wenn es um das Verstehen oder Ausfüllen von Formularen geht.

„Mein Motto: Hilfe zur Selbsthilfe geben“

Annegret Jurczyk unterrichtete Psychologie, Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium bevor sie in Rente ging. Wie Renate Brandt pflegt sie in ihrem Ruhestand weitere Projekte und kam über ihre frühere Kollegin ebenfalls als Ehrenamtliche ins Bürgerzentrum.

Schüler beim Deutschunterricht Bild vergrößern
„Ich arbeite gern mit Kindern und Jugendlichen und freue mich Menschen helfen zu können, in diesem Fall die deutsche Sprache zu erlernen.“ Ein besonderes Anliegen ist es ihr, junge Mädchen und Frauen stark zu machen, sie zu ermutigen, eine berufliche Ausbildung zu machen, zu studieren. In ihrer Betreuung haben zwei junge Afghaninnen die Fachoberschulreife erreicht und werden studieren. Annegret Jurczyk erzählt dies nicht ohne Stolz. Zu ihnen besteht nach wie vor ein ständiger Kontakt. Beide sind und waren durch ihre Erlebnisse in Afghanistan und während der Flucht traumatisiert. Annegret Jurczyk kam es darauf an, dass sie Vertrauen in die Zukunft entwickelten.

„Geht ins Bürgerzentrum“

Hier findet jeder, der sich engagieren möchte seinen Platz, davon ist Annegret Jurczyk überzeugt. „Mich macht das Helfen und Unterstützen hier glücklich und das ist der schönste persönliche Gewinn.“

Sie möchten sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren?
Dann wenden Sie sich an die Hausmanagerin Doreen Schulz im MGH Bürgerzentrum Wittenberge, Bürgermeister-Jahn-Str. 21, 19322 Wittenberge

Wenn Sie in einer anderen Region leben, finden Sie hier weiterführende Informationen:
Ehrenamtliches Engagement bei SOS-Kinderdorf