Swasiland: Jeder Tag ein neuer Balanceakt

In Swasiland ist Wasser zum kostbaren Gut geworden

In Swasiland ist Wasser zum kostbaren Gut geworden

Auch in Swasiland sind Kinder von der großen Dürre betroffen

Nomtombi Malinga* bückt sich, um ihren Plastikkanister hochzuheben. Mühsam hievt sie den 25-Liter-Koloss auf den Kopf. Mit ihrer schmalen Hand wischt sie sich ein paar Tropfen aus dem Gesicht, die vom Kanister hinunterrinnen. Als sie den Heimweg antritt, wird es endlich hell – vom kleinen Bach den Hang hinauf, und dann noch einen Kilometer nach Hause. Bis der Tag endet, wird Nomtombi diesen Weg noch zweimal gehen müssen.

„Die Dürre macht mir das Leben sehr schwer”, sagt die 17-jährige Nomtombi. „Es gibt keinen Regen und nichts zu essen. Ich habe ständig großen Hunger.“ Wieder reibt sie sich die Stirn. „Der Fluss ist fast völlig ausgetrocknet, bald hat er gar kein Wasser mehr.“ Nomtombis tägliche Wanderung zum Fluss macht deutlich, vor welchen Herausforderungen einige Länder Afrikas angesichts der anhaltenden Dürre stehen. In vielen Regionen dauert die Trockenheit seit Monaten an, in manchen sogar seit Jahren. Als eine Ursache gilt das Wetterphänomen El Niño, das rund um den Globus zu extremen Witterungsverhältnissen führt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mehr als eine Million Kinder ernsthaft unterernährt sind und deshalb dringend Hilfe brauchen. Insgesamt sind in der Region fast 50 Millionen Menschen von der unsicheren Lebensmittelversorgung betroffen.

Ein Mädchen versorgt die ganze Familie mit Wasser

SOS-Kinderdorfmitarbeiter bei einer Wasser-Sammelstelle Bild vergrößern

SOS-Kinderdorfmitarbeiter bei einer Wasser-Sammelstelle

Es ist kurz vor fünf Uhr morgens in Maseyisini. Das Städtchen liegt bei Nhlangano im Süden Swasilands in einer sanften Hügellandschaft. Nur hier und da sieht man noch grünliche Flecken zwischen den gelben, größtenteils vertrockneten Maisfeldern. Maseyisini, eine Gemeinde mit mehr als 8000 Einwohnern, stellt die meisten Familien im Familienstärkungsprogramm von SOS-Kinderdorf. Im Haus von Nomtombi leben zwölf Personen. Die meisten ihrer Geschwister sind schon unterwegs in die Schule. Nomtombis Großmutter ist zu alt, um Wasser zu holen, die vierjährige Siya* ist noch zu klein. Also bleibt die tägliche Wasserschlepperei an Nomtombi hängen. Ihre Schulausbildung musste sie erstmal unterbrechen, um der Familie bei der Wasserversorgung zu helfen.

Nomtombi hält kurz an und rückt den Kanister zurecht. „Wasserholen ist gefährlich“, sagt sie. „Wenn ich losgehe ist es noch dunkel, und in dieser Gegend gibt es Schlangen und Diebe. Manchmal liegen auch tote Tiere im Wasser und es stinkt. Das können wir dann nicht trinken, und wir können uns auch kein Desinfektionsmittel leisten. Dieser Kanister ist eigentlich zu klein für uns alle. Wir brauchen ja Wasser zum Kochen, Waschen, Putzen und zum Bewässern der Pflanzen. Aber mehr kann ich einfach nicht tragen.“

SOS Kinderdorf hilft – mit Geld, Saatgut und Lebensmitteln

SOS Kinderdorf bezahlt für jedes Kind monatlich, um die Folgen der Dürre zu lindern. Als Basis dient eine Erhebung aus dem Jahr 2015. Damals stellte das SOS-Team fest, dass sich die Lebensumstände der Familien durch die lang anhaltende Trockenheit extrem verschlechterten. Das zur Verfügung gestellte Saatgut ging häufig nicht auf. Viele Familien warteten monatelang bevor sie aussäten – immer in der Hoffnung, dass sich das Wetter ändern würde. Am Ende mussten sie dann einfach loslegen, aber die Maispflanzen sind völlig verkümmert. Auch Nomtombis Familie erging es so. „Jetzt unterstützen wir die Familien dabei Süßkartoffeln anzubauen. Die sind widerstandsfähiger, brauchen weniger Wasser und können schon nach drei Monaten geerntet werden“, erklärt Zinhle Mavuso, die als Sozialarbeiterin für SOS-Kinderdorf in Nhlangano arbeitet. „Wir beobachten die Familien sehr genau. Wenn wir sehen, dass die Lage noch schlimmer wird, werden wir auch Lebensmittelpakete verteilen.“

Zu Hause wartet die Großmutter auf Nomtombi und nimmt ihr das Wasser ab. Es sieht heute ganz gut aus. Wenn die Geschwister von der Schule kommen, müssen sie noch Wasser von der anderen Seite des Flusses holen. Das ist näher, aber auch dreckiger – jedenfalls gut genug zum Wäschewaschen. „Ich weiß, du hast Durst“, sagt die Großmutter zu Nomtombi. „Aber dieses Wasser brauche ich für den Haferbrei.“ Mit einem Nicken signalisiert das Mädchen, dass ihr das schon klar war.

*Name zum Schutz des Kindes geändert.

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