Dürre in Lesotho: Regierung ruft Notstand aus

SOS-Kinderdorfkinder aus Lesotho

Im Interview: Tseliso Ncheke, SOS-Hilfskoordinator in Lesotho

Tseliso Ncheke leitet die Hilfsprogramme von SOS-Kinderdorf Lesotho. In Lesotho sind mehr als 750.000 Menschen von der Dürre betroffen. Ende 2015 hat die Regierung deshalb den Notstand ausgerufen.

Wegen der extremen Dürre ist in Lesotho mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Lebensmittelknappheit betroffen. Welche Auswirkungen hat das auf die Programme von SOS-Kinderdorf?

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Tseliso Ncheke leitet die Nothilfeprogramme von SOS-Kinderdorf in Lesotho

Die Dürre hat viele unserer Planungen zunichte gemacht. So führt der ausbleibende Regen dazu, dass wir landwirtschaftliche Projekte fürs Erste nicht in die Tat umsetzen können. Und die steigenden Lebensmittelpreise bekommen die SOS-Kinderdörfer ebenso zu spüren, wie die Menschen in unseren Familienstärkungsprogrammen. In unserem Programm in Quthing hatten wir schon mehrfach plötzlich gar kein Wasser mehr, was das tägliche Leben im SOS-Kinderdorf natürlich sehr erschwert. Das Kinderdorf in der Hauptstadt Maseru hat seit Dezember 2015 mit extrem hohen Wasserrechnungen zu kämpfen. Derzeit verhandeln wir mit dem Anbieter über bessere Konditionen.

Wir verzeichnen auch immer mehr Krankheitsfälle wegen Unterernährung, vor allem bei den von SOS unterstützten Familien, die erst auf dem Weg zur Selbstversorgung sind. Und es kommt vor, dass die Familienernährer nach Südafrika wandern und dort Arbeit suchen, um ihre Kinder versorgen zu können. Die Kinder bleiben dann häufig alleine zurück.

Wie bereiten sich SOS-Kinderdorf vor, falls sich die Situation nicht bessert?

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Guinea, Benin, Togo, Kamerun, Burundi, Simbabwe und Lesotho sind besonders stark betroffen.

Momentan bauen wir für die Menschen im Quthing-Programm einen Wasserspeicher. Maseru hat ein Wasserbohrloch, das zurzeit außer Betrieb ist, da es gereinigt werden muss. Letztes Jahr ist uns das Geld für Renovierungen ausgegangen. Diese Reinigung hat Priorität, sobald wieder Geld reinkommt.

SOS Kinderdorf ist seit mehr als 20 Jahren in Ihrem Land aktiv. Welche Vorteile hat das in schwierigen Zeiten?

Es bedeutet, dass wir bei Verhandlungen mit der Regierung in einer besseren Position sind, etwa bei der Entwicklung von Hilfsmaßnahmen für Familien in den SOS-Programmen. Außerdem bietet es uns die Möglichkeit, Hilfsgelder für Dürreopfer zu sammeln und neue Partnerschaften einzugehen. Entscheidend ist, dass sich alle Organisationen, die sich um betroffene Kinder kümmern, jetzt vernetzen und gemeinsam anpacken. Unser guter Ruf ist da sehr hilfreich.

Kinder sind durch die Dürre stark betroffen. Was muss getan werden, um ihnen durch die Krise zu helfen?

Wir müssen die Kommunen unterstützen, damit sie sich gezielt für die Probleme der Kinder einsetzen können. Beispielsweise tragen Wasserspeicher in ländlichen Gebieten dazu bei, dass Kinder nicht mehr weite Wege gehen müssen, um Wasser zu holen. Außerdem helfen solche Speicher, Krankheiten aufgrund schlechter hygienischer Bedingungen zu verhindern. Und nicht zuletzt benötigt die Landwirtschaft Unterstützung durch eine verlässliche Versorgung mit Saatgut, Dünger und Bewässerungsanlagen.

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