Hungersnot am Tschadsee

 

 

SOS-Kinderdorf hat Nothilfeprogramme gestartet

Warum wird so dringend ein SOS-Nothilfeprogramm in der Region benötigt?
Die Situation der Menschen im Tschad ist geprägt durch eine politisch unsichere Lage, große Armut und Vertreibung. Die Menschen haben ihre Häuser und ihr Vieh verloren, Kinder laufen Gefahr von ihren Familien getrennt zu werden, Gewalt zu erfahren und körperliche als auch psychische Schäden zu erleiden. Auch Schulbesuche sind nicht mehr möglich. Allein im Tschad sind hiervon 4 Mio. Menschen, das ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung, betroffen. 

Viele Kinder sind unterernährt. Bild vergrößern

Krieg und Dürre in der Tschadregion: Viele Kinder sind unterernährt.

Wie wir aus anderen Nothilfeprogrammen wissen, benötigen nicht nur Flüchtlingskinder Schutz und Betreuung. In vielen Fällen sind die aufnehmenden Gemeinden mit der Menge an Flüchtlingen überfordert. Sie schaffen es schon kaum, die lokale Bevölkerung mit medizinischer Versorgung und Lebensmitteln zu versorgen, geschweige denn den Kindern eine Ausbildung zu sichern. 

In unseren SOS-Nothilfeprogrammen versuchen wir sowohl den vertriebenen Familien als auch der Gemeinde zu helfen, indem wir zur Stabilisierung der Gesamtlage beitragen. Gerade in Konfliktzonen ist dies ein nicht zu unterschätzender Punkt. 

Welches ist der Schwerpunkt des Nothilfeprogrammes in der Tschad-Region?
Es besteht ein sehr großer Bedarf hinsichtlich Kinderschutz, Familienzusammenführung, psychologischer und sozialer Unterstützung, Gesundheitsscreenings und dem Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten.  Wir planen in den Flüchtlingslagern Dosseye und Doholo, im Süden des Tschads nahe der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik, zwei Nothilfekindertagesstätten zu eröffnen. Dort könnten wir eine Lücke schließen.

Wir werden außerdem Lehrer schulen, so dass sie schnell erkennen, wenn ein Kind psychologische Hilfe benötigt und im Bedarfsfall Fachleute hinzuziehen. Wir brauchen des Weiteren Lernmaterialien und Lehrkräfte für die Schulen.  Die Gesundheitszentren in Dosseye und Doholo sowie auch das Krankenhaus der nahegelegenen Stadt Goré sind dringend auf Unterstützung angewiesen. Konkret fehlt es an medizinischem Personal, Gesundheitspflegern und medizinischem Material. Wir möchten innerhalb der nächsten 10 Monate mindestens 8.000 Kinder und ihre Eltern bzw. Betreuer in den Flüchtlingslagern und umliegenden Gemeinden unterstützen.  

Wie ist die aktuelle Lage in den Nothilfeprogrammen im Niger und der Zentralafrikanischen Republik?

SOS-Kinderdorf unterstützt die MEnschen vor Ort. Bild vergrößern

SOS-Kinderdorf unterstützt die MEnschen vor Ort.

Der Unterstützungsbedarf für Kinder und ihre Familien wird immer größer. Wir wissen, dass es Finanzierungsprobleme gibt, aber SOS-Kinderdorf spielt eine zentrale Rolle in der Bedarfssicherung von Kindern und Familien in Not. 
In der Diffa Region im Niger liegt unser Fokus auf den Nothilfe-Kindertagesstätten, in denen Kinder ein sicheres Umfeld finden. Wir können dort außerdem den Ernährungszustand der Kinder einschätzen und sie entsprechend versorgen. In der Zentralafrikanischen Republik steht in Bangui, der Hauptstadt des Landes, der Kinderschutz im Vordergrund. Wir möchten hier die Erzieher diesbezüglich besser schulen und außerdem Lernmaterialien zur Verfügung stellen. Ein ähnlich großer Bedarf besteht in Bossangoa, im Norden.  

Wie schnell können Sie auf die Bedarfslage im Tschad reagieren?
Dank der Assessments im Oktober und unserer Erfahrung in der Zentralafrikanischen Republik und im Niger, können wir voraussichtlich innerhalb eines Monats starten. Die Bedürfnisse sind in der Region um den Tschadsee relativ ähnlich. In vielen Fällen gibt es Überschneidungen – Familien überqueren die Grenzen oder wandern durchs ganze Land auf der Suche nach Sicherheit und Unterstützung. Wir sind bereits vor Ort und können dank einer Kooperation mit lokalen und internationalen Partnern schnell helfen.