Warum Menschen in Malawi unsere Hilfe brauchen

Die Vereinten Nationen prognostizieren den Höhepunkt der Dürre für Anfang 2017

Dürre in Malawi: Die Vereinten Nationen prognostizieren den Höhepunkt der Dürre für Anfang 2017

Erst die Flut, jetzt die Dürre

6,5 Millionen Menschen in Malawi sind akut von einer Hungersnot bedroht – das ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Smart Namagonya von SOS-Kinderdorf Malawi über Fluten, Dürre und Hilfsmaßnahmen für Familien in Not.

Wie schwer ist es derzeit für die Familien in Malawi?

Wir unterstützen unsere Kinderdorf-Familien ausreichend, damit sie sich zu essen kaufen können. In den SOS-Familien hungert niemand. Aber selbst mit genügend Geld könnte es ab Januar schwierig werden, weil die Nahrungsmittelknappheit in Malawi zu leergefegten Märkten führt. Bei den Familien außerhalb der SOS-Kinderdörfer, denen wir mit Lebensmitteln und diversen Maßnahmen helfen, ist die Lage viel kritischer. Dort haben aktuell etwa 60 Prozent nicht ausreichend zu essen. Und wir müssen davon ausgehen, dass die Lage ab November sehr kritisch wird, weil dann voraussichtlich über 90 Prozent hungern.

Wer ist besonders gefährdet?

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Smart Namagonya arbeitet für SOS-Kinderdorf in Malawi

Menschen, die einen erhöhten Nährwertbedarf haben, also vor allem Kinder, stillende Mütter, ältere Menschen und an Tuberkulose und/oder HIV-/AIDS-Erkrankte, sind besonders gefährdet. Besonders chronisch kranke Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, werden durch Mangelernährung vor große Probleme gestellt. Die Menschen, die  wir in unsere SOS-Familienstärkungsprogramme aufgenommen haben, waren zu einem Großteil bereits Opfer der Flutkatastrophen von 2014 und 2015. Sie sind wirtschaftlich entsprechend geschwächt. Für diese Familien ist die derzeitige hohe Inflation nicht zu stemmen.
Die Vereinten Nationen prognostizieren den Höhepunkt der Dürre für Anfang 2017. Wie bereiten sich die Familien darauf vor, dass sie die schwierigste Zeit noch vor sich haben? Die SOS-Familien können derzeit Reserven und Vorräte anlegen. Bei den Familien in den Familienstärkungsprogrammen sind dagegen viele der Situation nicht gewachsen. Die meisten konzentrierten sich nach der Flutkatastrophe darauf, ihre Häuser wieder aufzubauen, die Lebensbedingungen für die Kinder zu verbessern und ihren Hausstand neu auszustatten. Jetzt trifft sie die nächste Katastrophe.

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Die langanhaltende Dürre sorgt für Lebensmittelknappheit - das kann auch auf die SOS-Kinderdörfer Auswirkungen haben

Der Großteil dieser Familien lebt am Stadtrand und hat keine oder kaum Möglichkeiten, selbst Land zu bewirtschaften. Einige verschulden sich, um Nahrungsmittel kaufen zu können. Ein weiteres Problem ist, dass Eltern immer häufiger außer Haus sind, um Geld für Essen und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs zu verdienen. Dann müssen die älteren Kinder auf ihre kleinen Geschwister aufpassen und können nicht mehr zur Schule gehen. Einige Familien müssen Haushaltsgegenstände verkaufen oder bei Ausgaben für die Gesundheit oder bei der Ausbildung sparen, um sich Lebensmittel leisten zu können.

Zuerst die Flutkatastrophen, jetzt die große Dürre. Wie kann man helfen?

Wir fördern alternative Einkommensquellen, aber auch präventive praktische Maßnahmen. Zum Beispiel Konten, auf denen Dörfer finanzielle Rücklagen bilden. Außerdem wollen wir an Familien, die Land besitzen, ein spezielles dürreresistentes Saatgut wie Maniok und Hirse verteilen. Damit wollen wir 2017 starten, abhängig von der Verfügbarkeit der finanziellen Mittel.

Die Flutkatastrophe von 2014 und 2015 haben Sie bereits erwähnt. Wie war die Bilanz des Nothilfeprogramms?

Insgesamt konnten wir über 620 Erwachsenen und 2.500 Kindern helfen. Ein Großteil der Familien nimmt weiterhin an unseren Programmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen, der Gesundheit und Ernährung teil. Die meisten der Kinder gehen wieder zur Schule und machen gute Fortschritte.
Und wir haben gemeindebasierte Unterstützungsprogramme für Kinder, die ihre Eltern während einer Notsituation verloren haben oder Gefahr laufen, sie zu verlieren, ausgeweitet. So wurden beispielsweise die Dorfvorsteher in Notfallvorsorge und Krisenmanagement ausgebildet.

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