Leben in 4.000 Metern Höhe



Ohne Kinderarbeit - ein sicheres Zuhause im SOS-Kinderdorf Potosí

Alejandria lebt im SOS-Kinderdorf in Potosi, in 4.000 Metern Höhe. Früher war Potosi einmal eine der reichsten Städte der Welt. Heute ist sie eine der ärmsten in Bolivien. Mit 67 Prozent ist die extreme Armutsrate in Potosí mehr als doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Zwei Drittel der Bevölkerung haben weder ausreichende Ernährung noch eine sanitäre Versorgung oder menschenwürdige Behausungen . Für viele Kinder bedeutet das, dass sie statt zur Schule zu gehen auf der Straße als Schuhputzer arbeiten, in Minibussen Fahrkarten verkaufen oder als Bergarbeiter in der Mine arbeiten.

Da, wo Mama Mireya ist, ist mein Zuhause!

Ein süßer Wildfang: Alejandria Bild vergrößern

Ein süßer Wildfang: Alejandria

Ein Schicksal, das auch der kleinen Alejandria gedroht hätte. Vor sechs Jahren hat das Mädchen gemeinsam mit ihrem Bruder ein zweites Zuhause im SOS-Kinderdorf gefunden. „Mir geht es so gut hier im Kinderdorf. Ich habe viele Freunde. Wir feiern tolle Feste. Und vor allem habe ich hier meine Geschwister und meine Mama Mireya. Sie ist immer für mich da, nimmt mich in den Arm und mit ihr lache ich viel. Da, wo Mama Mireya ist, ist mein Zuhause!“

Eine gute Schulbildung gibt Alejandria sichere Chancen

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Fördern und Fordern:

Stark gemacht hat Alejandria in den vergangenen Jahren auch der Sport. Judolehrer Juan Carlos unterrichtet die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf seit zwei Jahren regelmäßig. Er ist beeindruckt von der Entwicklung, die Alejandrina in dieser Zeit durch den Kampfsport gemacht hat: „Alejandrina ist ein sehr aufgewecktes Kind. Als sie zu mir kam, war sie extrem unruhig. Beim Judo hat sie jedoch gelernt, ihre Energie gezielt einzusetzen, sich an Regeln zu halten und sich zu konzentrieren“.

Klein, aber oho!

Das hilft ihr nicht nur beim Judo, sondern auch in der Schule. Das ist der 8-jährigen besonders wichtig, denn sie möchte später mal Lehrerin werden. „Ich bin gerne in der Schule. In Bolivien ist es für Mädchen nicht selbstverständlich, dass sie in die Schule gehen. Gerade wenn die Familien nicht viel Geld haben, werden Jungen oft bevorzugt. Viele sagen: Die Mädchen heiraten ja eh und kriegen Kinder". Alejandrina aber will ihre Schule unbedingt beenden.

Alejandria treibt gerne Sport Bild vergrößern

Alejandria treibt gerne Sport

Als Vorbilder hat sie ihre älteren SOS-Kinderdorf Geschwister, die zwar mittlerweile schon ausgezogen sind und manchmal auch in einer anderen Stadt wohnen. Aber viele von ihnen studieren an Instituten oder Universitäten und haben klare Berufsziele. Sie machen Alejandrina Mut: „Wenn meine Geschwister uns besuchen, erzählen sie mir immer, wie es ist, zu studieren. Sie sagen zwar, dass es anstrengend ist und man ziemlich hart arbeiten muss. Aber sie sagen auch, wie wichtig es ist, mein Ziel immer vor Augen zu haben und mich nicht davon abbringen zu lassen.“

Zukunfts-Chancen für Kinder in Bolivien

Im Interview: Alberto Melgar

Bolivien ist weiterhin ein ausgesprochen armes Land. Wie viele Kinder und Jugendliche leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze? 

Der Armutsbericht der Weltbank von 2014 schätzt, dass 34 Prozent der Kinder in Bolivien – das sind etwa eine halbe Million Kinder - unterhalb der Armutsgrenze leben. Das heißt, dass den Familien zur Versorgung ihrer Kinder weniger als 4 Dollar pro Tag zur Verfügung stehen. 

Was muss getan werden, um den Kindern faire Chancen zu ermöglichen -  gerade in Bezug auf Bildung und den Zugang zu medizinischer Versorgung?

Der Schulbesuch der Kinder ist dem Staat sehr wichtig. Allerdings: Während in der ersten Klasse noch 98 Prozent der Kinder in die Schule gehen, sind es in den folgenden Jahren wesentlich weniger. Das liegt daran, dass die Kinder mit zwölf oder 13 Jahren oft anfangen zu arbeiten, weil sie Verantwortung für die Versorgung der Familie übernehmen. Konkret heißt das, dass 40 Prozent der Kinder die Schule abbrechen. Durch die neue Verfassung gibt es mittlerweile aber eine Schulpflicht von zwölf Jahren, statt wie bisher von sechs Jahren.

Gesundheitlich ist Kindersterblichkeit in Bolivien ein großes Problem. Kinder sterben aus ganz einfachen Gründen, zum Beispiel Unterernährung oder Magen-Darm-Erkrankungen. Das staatliche Gesundheitssystem bekommt dieses Problem nicht in den Griff. So können sich schwangere Frauen theoretisch Hilfe in den staatlichen Gesundheitszentren holen, in der Praxis funktioniert dieses Angebot jedoch nicht.

Wenn Sie im Hinblick auf die Kinder und Jugendlichen in Ihrem Land drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen? 

Als die Landflucht immer mehr zunahm, waren die Städte nicht auf eine so große Zuwanderung von Menschen vorbereitet. Viele Gegenden wurden unsicher, Gewaltdelikte nahmen zu, und Kinder wurden immer häufiger misshandelt. Der erste Wunsch, den ich also habe, ist, dass Kinder eine sichere und gewaltfreie Kindheit erleben dürfen. Allein schon der tägliche Weg zur Schule ist für sie gefährlich. Entführungen sind in Bolivien an der Tagesordnung. Viele Kinder laufen außerdem Gefahr, ihre Familie zu verlieren. Deswegen lautet mein zweiter Wunsch, dass sie in ihren Herkunftsfamilien bleiben können. Mein dritter Wunsch ist, dass die Kinder ihre Rechte leben, Kind sein und ihre Kindheit genießen können. Aber auch, dass sie Zugang zu einem intakten Gesundheitssystem haben.

Es wurde viel darüber geschrieben, dass die bolivianische Regierung Kinderarbeit nicht gänzlich verbieten möchte. Der Präsident sagt, er selbst habe als Kind gearbeitet, und das sei zum Besten seiner Familie und letztlich auch das Beste für ihn gewesen. Es komme auf das richtige Maß und die Art der Arbeit an. Auch von Kindergewerkschaften haben wir in der westlichen Presse lesen können. Gibt es dazu einen Standpunkt von SOS-Kinderdorf Bolivien?

Bolivien ist das einzige Land in Lateinamerika und auf der Welt, dass mit Wirkung zum 17. Juli 2014 eine neue Richtlinie für Kinder und Jugendliche (Gesetz Nr. 548, Abschnitt VI) erlassen hat, das als Ausnahme und offiziell Kinderarbeit ab zehn Jahren erlaubt. Das hat kulturelle und familiäre Hintergründe. Der allgemeine Tenor ist, dass Kinder für die familiäre Wirtschaft wichtig sind und es wird erwartet, dass sie im Haushalt mithelfen. Man will so erreichen, dass Kinder, in dem was sie tun anerkannt werden.Hierzu können wir von SOS-Bolivien sagen, dass wir uns für Kinderrechte stark machen. Jedes Kind sollte Kind sein und seine Kindheit leben dürfen. Diese Worte sagen alles.

 

 

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