18. 12. 2015

Bildung als Schlüssel zur Integration

Angeregte Diskussion: Münder, Gysi und Rokbani

Angeregte Diskussion: Prof. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender von SOS-Kinderdorf e.V, Dr. Gregor Gysi, Mitglied des Bundestages und Nizar Rokbani, Gründer der Hotelkette Meininger

Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge

Umgang und Integration von Flüchtlingen ist von hoher Aktualität. Der SOS-Kinderdorf e.V. stellte das Thema im SOS-Kinderdorf Berlin in den Mittelpunkt einer Diskussionsrunde. Eingeladen dazu waren Dr. Gregor Gysi, Mitglied des Bundestages, Nizar Rokbani, Gründer der Hotelkette Meininger und Geschäftsführer Charni Venture GmbH, und Prof. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender von SOS-Kinderdorf e.V. Moderiert wurde der Austausch von Prof. Stefan Rappenglück, Lehrstuhl für Angewandte Wissenschaften. Die Teilnehmer waren sich einig, dass gerade Kinder und Jugendliche, die nach Deutschland kommen, vor allem Bildung brauchen, um sich gut entwickeln zu können.

Auch Gregor Gysi fordert besseren Schutz für Flüchtlingskinder Bild vergrößern

Auch Gregor Gysi fordert besseren Schutz für Flüchtlingskinder

„Wir müssen denen, die bei uns sind, vernünftige Perspektiven eröffnen. Das Erlernen der Sprache und der Zugang zur Bildung sind dabei die Schlüssel“, sagte Prof. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender von SOS-Kinderdorf e.V. Seit dem letzten Jahr hat die Kinderhilfsorganisation auf den vermehrten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge reagiert, indem eine Vielzahl von Angeboten neu aufgebaut und erweitert wurde. „Die UN-Kinderrechtskonvention fordert den Zugang zu Bildung für alle Kinder. Und dieser Zugang muss ermöglicht werden“, ergänzte Münder. Auch Gregor Gysi, Mitglied des Bundestages, fordert Unterstützung gerade für minderjährige Flüchtlinge: „Wir müssen Kindern jede Chance geben, sich in Deutschland gut zu entwickeln. Denn Integration gelingt am besten über Kinder und Jugendliche.“ Dem schloss sich Nizar Rokbani, Geschäftsführer Charni Venture GmbH, an. „Wir dürfen keinen Unterschied machen zwischen deutschen Kindern, Kindern mit Migrationshintergrund, die schon länger hier leben, und Flüchtlingskindern –sie sind alle Kinder. Wir müssen sie mit Bildung übergießen.“ Rokbani, Sohn tunesischer Einwanderer, plant die Gründung einer Schule, um mit der Förderung von Stärken, Kindern Perspektiven zu geben.

Unterstützung von SOS-Kinderdorf für Flüchtlinge in Berlin

Mit vielfältigen Angeboten unterstützt SOS-Kinderdorf in Berlin Flüchtlinge. Die Kinderhilfsorganisation bietet psychologische Beratung für Kinder und Familien in arabischer und aramäischer Sprache an. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule finden Sprachkurse statt. Flüchtlingskinder aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Nähe des Kinderdorfes nehmen an einem Kunstprojekt teil. Im Familientreff werden Begegnungen und Veranstaltungen für bestehende Anwohner und Flüchtlinge organisiert. Jugendliche werden bei der Integration in das deutsche Bildungssystem begleitet. Sie erhalten Unterstützung bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse oder dem Zugang zur Universität.

Vielfältige Angebote für junge Flüchtlinge

SOS engagiert sich gemäß dem Ausspruch des Gründers der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, „alle Kinder dieser Welt sind unsere Kinder“ sowohl im Ausland, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, sowie schon seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten in Deutschland. Das praktische Engagement des Kinderhilfswerks reicht vom Betrieb zweier Clearinghäuser im Trägerverbund über betreute Jugendwohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, spezifische berufsorientierte Angebote und Bildungsangebote bis hin zur Aufnahme ganzer  Flüchtlingsfamilien. Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen zeigt immer wieder die große Bedeutung von Bildung für diese oftmals benachteiligte Gruppe. SOS-Kinderdorf agiert daher nach dem Grundsatz, Flüchtlingskinder nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern ihnen auch Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu eröffnen.

Seit 60 Jahren im Einsatz für Chancengerechtigkeit

SOS-Kinderdorf setzt sich seit 60 Jahren auf vielfältige Weise dafür ein, dass alle jungen Menschen in Deutschland eine faire Chance erhalten. Stärkere Investitionen in institutionelle Angebote wie Ganztagsschulen, Jugendarbeit und Kindertagesbetreuung sind essentiell, um die gesellschaftliche Teilhabe aller Kinder und Jugendlicher zu ermöglichen. “SOS-Kinderdorf will mit seinem vielfältigen Engagement einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten – Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen ist daher seit 60 Jahren Maßstab unseres Handelns”, erläutert Münder.