05. 12. 2016

20 Jahre Ausbildung und Qualifizierung von jungen Menschen

Nadine Krüger

Die ehemaligen Auszubildenden und aktuellen Projektteilnehmer im Gespräch mit den Moderatoren Nadine Krüger (ganz rechts) und Harald Pignatelli (5.v. links). Fotograf: Rainer Kurzeder

Ende November feierte das SOS-Kinderdorf Berlin mit rund 250 Gästen an seinem Weddinger Standort in den ehemaligen Osramhöfen 20 Jahre Ausbildung und berufliche Qualifizierung. Durch das Jubiläums- und Dankesfest führten die bekannten TV-Moderatoren Nadine Krüger und Harald Pignatelli. Gewürdigt wurde das Engagement der Einrichtung mit Grußworten der Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba, der Vorstandsvorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Prof. Barbara John, und dem langjährigen, in diesem Jahr scheidenden Vorstandsvorsitzenden des SOS-Kinderdorf e.V., Prof. Dr. Johannes Münder.

In 20 Jahren wurden über 1.500 Jugendliche mit Unterstützungsbedarf erfolgreich auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet, darunter z.B. junge Köche und Servicekräfte, Friseure, Maler, Bürokaufleute, Gärtner und Mediengestalter. Neben diesen geförderten Ausbildungen bietet das SOS-Kinderdorf Berlin auch ein breites Spektrum an beruflichen Aktivierungs-, Beratungs-, Orientierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an.

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Kirsten Spiewack (rechts), Einrichtungsleiterin des SOS-Kinderdorf Berlin, dankt Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, für ihre nachhaltige Unterstützung in der Jugendberufshilfe.

“Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen immer junge Menschen, die ohne die vielfältigen Hilfen kaum Chancen auf einen Arbeitsplatz hätten und für die wir zum Teil auch ungewohnte und neue Wege gehen, damit sie eigenständig für sich und bei Bedarf für ihre Familien sorgen können”, so Kirsten Spiewack, Leiterin der Einrichtung. Gegründet 1996 als SOS-Berufsausbildungszentrum und seit 2015 unter dem Dach des SOS-Kinderdorf Berlin wurden die Angebote und Maßnahmen immer wieder den Bedürfnissen der jungen Menschen und den Fördermöglichkeiten der öffentlichen Hand angepasst. Seit einigen Jahren erweist sich das zunehmend als schwierig, denn Maßnahmen werden immer seltener finanziert.

Auch Prof. Barbara John schätzt die Berliner Einrichtung des SOS-Kinderdorf und bezeichnete sie in ihrem Grußwort als “mehrfachen Lottogewinn”. Auch wenn das SOS im Namen ursprünglich vom lateinischen Begriff “societas socialis” abgeleitet sei, könne man die bekanntere Abkürzung ‘Save Our Souls’ in Bezug auf die Arbeit im SOS-Kinderdorf gut umdeuten: “Aus meiner Sicht müsste es OSS lauten, ‘Our Souls are Saved’, denn Sie haben viele von den Jugendlichen gerettet, weil Sie hier waren und weil Sie an die Jugendlichen geglaubt haben”, betonte Prof. John.

Yossef aus Syrien Bild vergrößern

Yossef aus Syrien ist stolz auf seine Arbeit als Kulturvermittler im Interkulturellen Garten des SOS-Kinderdorf Berlin.

Dass sich die Arbeit nach wie vor lohnt, zeigte sich gestern eindrucksvoll in der Gesprächsrunde mit sechs ehemaligen Auszubildenden, aktuellen Projektteilnehmern und einem Kooperationsbetrieb. Lydia erzählte stolz, dass sie nach der SOS-Ausbildung einen eigenen Friseursalon eröffnet habe, denn während ihrer Lehrzeit erlernte sie nicht nur das Friseurhandwerk, sondern auch das Bewusstsein: “Ich hab das einfach drauf.” Sie dankte ihren Ausbildern herzlich dafür: “Hier konnte ich arbeiten und mich gleichzeitig auch auf mein Kind konzentrieren.” Mit dem Interkulturellen Garten in der Zweigstelle in Gatow oder dem berufsorientierenden Medienpilotprojekt sos.media4you bietet SOS-Kinderdorf Berlin auch geflüchteten Menschen Perspektiven und unterstützt sie beim Ankommen und Fuß fassen. So auch Yossef, der vor einem Jahr von Syrien nach Deutschland flüchtete und seit diesem Sommer im Interkulturellen Garten als Kulturvermittler arbeitet. “Ich bin stolz darauf, bei SOS diese Chance zu bekommen”, schloss er seinen Bericht.

Burkhard Schäfer Bild vergrößern

Burkhard Schäfer, der die Berufsausbildung und -qualifizierung in den ehemaligen Osram-Höfen aufgebaut hat, freut sich über die Würdigung durch Staatssekretärin Sigrid Klebba.

Die Zukunft der Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote des SOS-Kinderdorf Berlin liegt ab 2017 in der Botschaft für Kinder, ganz in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofes. Damit konzentriert sich die Einrichtung verstärkt auf den Sozialraum Moabit. Neben den Berufs- und Bildungsmaßnahmen eröffnet der SOS-Kinderdorf e.V. in dem Neubau zum ersten Mal ein als Integrationsunternehmen geführtes Tagungshotel.

Während der Jubiläumsveranstaltung in den ehemaligen Osramhöfen konnten sich die 250 Gäste an Ständen über die Arbeit der Jugendlichen aus den verschiedenen Bereichen infomieren und sich mit ihnen austauschen. Neben Köstlichkeiten zum Probieren gab es Selbstkreiertes und Gebasteltes rund um die “20”. Bei Führungen durch das Haus gaben die Projekte Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Prof. Dr. Johannes Münder Bild vergrößern

Prof. Dr. Johannes Münder hat die Entwicklung der Ausbildung und Qualifizierung im SOS-Kinderdorf lange Jahre maßgeblich unterstützt und freut sich über den erfolgreichen Rückblick auf 20 Jahre.

Besonders emotional war der Kurzfilm “New Beginnings” von jungen Geflüchteten, der in dem Medienprojekt sos.media4you gemeinsam mit ihnen entstanden ist.