21. 12. 2015Quelle: Isabelle Engels, ORF

"Zwei Mütter"- Portrait einer SOS-Kinderdorfmutter

Zwei Mütter: SOS-Kinderdorfmutter Angelika Sasshofer

Mit knapp 40 wird Angela Sasshofer Mutter von fünf Kindern. Im SOS-Kinderdorf übernimmt sie die Betreuung der Geschwister Halil, Dogan, Pinar, Leyla und Songül. Das Zusammenwachsen als neue Familie ist nicht einfach, aber es gelingt.

Als Europasekretärin hatte die Niederösterreicherin Angela Sasshofer viele verschiedene Länder bereist und Kulturen kennengelernt, war unterwegs von Kuba bis Algerien. Mit knapp 40 verspürte sie den intensiven Wunsch, noch etwas wirklich Sinnvolles zu tun, etwas, das ihr mehr menschliches Engagement abverlangen würde. Zuerst schweifte ihr Blick in die Ferne, zu den Straßenkindern in Brasilien. Doch dann blieb er bei etwas Naheliegendem hängen: dem SOS-Kinderdorf im benachbarten Hinterbrühl.

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"Mutter als Hauptberuf, als Fulltimejob - ich bin krankenversichert, ich habe Urlaubs- und Pensionsanspruch - das war für mich die freieste Form, Mutter zu sein. Mir hat das Konzept gefallen, dass man eine Ersatzmutter ist für Kinder, die nicht bei den eigenen Eltern aufwachsen können. Das ist was Kinder brauchen, die seelisch verletzt sind: einfach einen Platz zum Heilen. Und die Aussicht, so jemand zu sein, so ein Platz zu sein, war schon sehr inspirierend, das ist schon eine herausfordernde oder hehre Lebensaufgabe." Angela Sasshofer

Angela Sasshofer absolvierte eine Ausbildung zur Familienpädagogin und wurde im Jahr 2001 von einer unabhängigen Frau ohne Versorgungspflichten zu einer Mutter von fünf Geschwistern zwischen sechs und zwölf Jahren - Kinder türkischer Zuwanderer, die kaum Deutsch sprachen, in Armut lebten und die den Tod der jungen Mutter verarbeiten mussten.

"Meine Mutter ist gestorben, da war ich vier Jahre alt. Ich habe mir oft eine Parallelwelt vorgestellt, in der ich bei meinen leiblichen Eltern leben würde, wenn meine leibliche Mutter nicht verstorben wäre. Ich wäre bestimmt nicht da, wo ich jetzt bin. Ich bin aber froh, dass ich da bin, wo ich jetzt bin!"  Songül, jüngste Tochter

Die 20-jährige Songül spricht perfekt Deutsch, studiert, jobbt, macht eine Ausbildung und hat einen netten Freund. Ihrer leiblichen Mutter verdanke sie, dass sie ihr das Leben geschenkt hat, ihrer sozialen Mutter, dass sie heute mit beiden Beinen im Leben stehe und mit Zuversicht in die Zukunft blicke.

Angela Sasshofer war es gelungen, viele Wunden zu heilen, manche freilich bleiben offen. Im Frühjahr 2014 starb die SOS-Kinderdorfmutter im Alter von 54 Jahren an Krebs.

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